Doping im Reitsport: Isabell Werth unter Verdacht
VON STEFANIE SANDMEIER - zuletzt aktualisiert: 25.06.2009 - 11:10Düsseldorf (RP). Die Dressurreiterin aus Rheinberg ist suspendiert, weil ihr zehn Jahre alter Wallach Whisper positiv auf die verbotene Substanz Fluphenazine getestet wurde. Der fünfmaligen Olympiasiegerin droht eine zweijährige Sperre.
Gerade glaubten die Verbandsoberen der deutschen Reitszene im Doping-Kampf das Schlimmste überstanden zu haben – da erreicht den krisengeschüttelten Sport die nächste Hiobsbotschaft. Gestern wurde bekannt, dass Isabell Werths zehn Jahre altes Pferd Whisper beim Pfingstturnier in Wiesbaden am 30. Mai per A-Probe positiv getestet worden war. Dabei wurde das Beruhigungsmittel Fluphenazine festgestellt, das auf der Doping-Liste des Weltverbandes FEI steht, "und das meines Wissens unter keinen Umständen in ein Pferd gehört", sagte Michael Vesper, Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes.
Werth entschuldigt sich
Wie Vesper reagierten Sportler und auch Funktionäre der nationalen Reitverbände entsetzt auf diese Nachricht. "Das ist eine Katastrophe für den Pferdesport", meinte Breido Graf zu Rantzau, Präsident der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN). Morgen will der Weltverband nach einer Telefonkonferenz über den Fortgang der Suspendierung entscheiden. Zudem will Werth die Öffnung der B-Probe beantragen. Die 39-Jährige entschuldigte sich auf ihrer Internetseite und erklärte, dass ihr Pferd am "Shivering Syndrom", zu Deutsch "Zitterkrankheit", leide und sie ihm in Absprache mit dem Tierarzt ein Medikament verabreichen ließ, das die Wirksubstanz Fluphenazine enthalte. Werth habe die empfohlene Absetzdauer eingehalten, die offensichtlich aber nicht ausreichte. "Ich bedaure den Vorfall, war aber der Überzeugung, korrekt gehandelt zu haben. Ich wünsche mir, dass das Reglement möglichst so überarbeitet wird, dass sinnvolle medizinische Behandlungen bei Sportpferden möglich werden."
Egal wie es ausgeht: Werths Ansehen, die bislang als vorbildliche Athletin galt, die sechsmal Welt- und zwölfmal Europameisterin war und im vergangenen Sommer in Hongkong ihr fünftes Olympia-Gold gewann, ist zunächst einmal beschädigt. Und auch der deutsche Reitsport, der zuletzt bemüht war, offensiv gegen Doping und verbotene Medikationen vorzugehen, hat eine herbe Schwächung erfahren. Sollte Werth verurteilt werden, droht ihr eine Sperre bis zu zwei Jahren. Für den am Freitag beginnenden CHIO in Aachen ist sie ohnehin nicht startberechtigt. Dort wollte sie sich letztmals für die Europameisterschaften in England empfehlen. "Wir sind enttäuscht über diese Nachricht", sagte Turnierdirektor Frank Kemperman. "Das bestätigt uns in unserem konsequenten Anti-Doping-Kampf und zeigt, dass dringend ein Neuanfang her muss. In Aachen wird es eine massive Ausweitung der Kontrollen geben."
Zuletzt hatte der Internationale Sportgerichtshof CAS Springreiter Christian Ahlmann wegen Dopings bei seinem Pferd Cöster während Olympia für acht Monate gesperrt. Auch gegen Springreiter Marco Kutscher läuft bei der FEI ein Verfahren wegen unangemeldeter Medikation. Ludger Beerbaum war nach seinen Aussagen über den Umgang mit Medikationen von der FN für den Nationenpreis gesperrt worden. Anschließend wurden alle Nationalkader aufgelöst.
Noch in Balve bei den Deutschen Meisterschaften hatte Werth eben diese Maßnahme kritisiert. Der FN hatte sie im Anti-Dopingkampf Aktionismus vorgeworfen und angemahnt, dass eine unabhängige Kommission zur Anhörung aller Reiter eingesetzt wird. Und sie war es auch, die sich entschlossen gegen das offene Führen eines Stallbuches wehrte, in dem jede Medikation für den Mannschaftstierarzt offengelegt werden muss.
Nach Beerbaum, Ahlmann und Kutscher wird nun das nächste Aushängeschild des deutschen Reitsports belastet. Angesichts der drohenden Verurteilung klingen die Worte des FN-Präsidenten fast zynisch. Zu Rantzau: "Wir lassen uns von schlechten Nachrichten nicht entmutigen und werden den eingeschlagenen Weg für einen fairen Sport fortsetzen."
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