Durchwachsene Olympia-Qualifikation der deutschen Mehrkämpfer: Isinbajewa mit neuem Stabhochsprung-Weltrekord
zuletzt aktualisiert: 27.06.2004 - 20:19Neuss (rpo). Jelena Isinbajewa hat sieben Wochen vor den Olympischen Spielen in Athen (13. bis 29. August) ihre eigenen Stabhochsprung-Weltrekord verbessert. Im britischen Gateshead sprang die Russin mit 4,87 m einen Zentimeter höher als bei der Hallen-WM in Budapest. Die 22-Jährige durfte sich zudem über eine Rekordprämie von 50.000 Dollar freuen.
An gleicher Stelle verhinderte starker Wind weitere Bestmarken. Paula Radcliffe erzielte über 10.000 m in 30:17,15 Minuten zumindest Jahres-Weltbestzeit, doch selbst an dieser Marke scheiterte Kenenisa Bekele Äthiopien in 7:41,31 Minuten über 3000 m, nachdem er in den letzten 28 Tagen die Bestmarken von Landsmann Haile Gebrselassie über 5000 m auf 12:37,35 und 10.000 m auf 26:20, 31 gesteigert hatte. Beim Weitsprungsieg der Russin Tatjana Lebedewa (6,87) über die Olympiadritte Marion Jones (6,77) verpasste Olympiasiegerin Heike Drechsler als Siebte mit 6,29 m zum sechsten Mal die Olympianorm von 6,70 m.
Schwache deutsche Mehrkämpfer
Unterdessen haben die vermeintlichen Könige der deutschen Leichtathletik international nichts zu bestellen. Soviel wurde schon zur Halbzeit des Mehrkampf-Meetings in Ratingen klar, wo die letzten Olympia-Tickets zu vergeben waren.
Erstmals seit 1960 fährt das Mehrkampf-Team der deutschen Leichtathleten ohne realistische Medaillenchance zu Olympischen Spielen. Das war schon bei Halbzeit der Athen-Qualifikation im rheinischen Ratingen der klare Trend, wo zu Beginn des Schlusstages der frühere Junioren-Weltmeister Dennis Leyckes (Uerdingen) und Sonja Kesselschläger (Neubrandenburg) dem Sieg entgegenstrebten.
"Die Weltspitze ist für uns außer Reichweite. Wir haben dennoch junge Athleten mit einem gewissen Potenzial, das wir in den nächsten Jahren einfach optimal ausschöpfen müssen", sagte Bundestrainer Claus Marek zwei Jahre nach dem Abschied der zweimaligen Siebenkampf-Weltmeistein Sabine Braun und ein Jahr nach dem Karriereende des Atlanta-Zweiten Frank Busemann, der als Gast in Ratingen meinte: "Es ist zwar spannend, wenn sechs Deutsche um 8000 Punkte und drei Olympiatickets kämpfen. Aber mit Weltklasse hat das wenig zu tun."
Andre Niklaus enttäuscht
Eine Enttäuschung war dabei Andre Niklaus, der nach seinem achten WM-Rang von Paris 2003 vielfach als neue Hoffnung gefeiert worden war. An Position sechs liegend gab der Berliner vor der achten Übung auf. "Der Schleimbeutel am linken Knie ist geplatzt. Nun hoffe ich, dass mir der Deutsche Leichtathletik-Verband kommendes Wochenende beim Europacup in Tallinn eine Chance gibt. Dort möchte ich beweisen, dass ich der beste Deutsche im Zehnkampf bin", meinte Niklaus, über dessesn Fall die Funktionäre noch beraten wollen.
Vier Mehrkämpferinnen haben am Sonntag bei der Olympia-Qualifikation im rheinischen Ratingen die Norm für Athen (13.-29. August) geschafft und stellen den Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) bei der Vergabe der drei Athen-Tickets vor Probleme.
Sechs persönliche Bestleistungen
Neben Sonja Kesselschläger (Neubrandenburg), die mit 6193 Punkten siegte, scheint die 20-jährige Lilli Schwarzkopf (Paderborn) die besten Karten zu haben, denn sie übertraf mit 6108 Punkten in Götzis und nun mit der Steigerung auf 6161 gleich zweimal die geforderten 6080 Zähler.
Der DLV muss sich entscheiden zwischen Claudia Tonn (Paderborn), die nach sechs persönlichen Bestleistungen (Ausnahme Speerwurf) mit 6169 Zählern in Ratingen Zweitbeste war, und der früheren Hallen-Europameisterin Karin Ertl (Fürth), die ihre Karriere nach dem Babyjahr wegen Olympia noch einmal startete. Mit 6165 Punkten war die Europacupsiegerin von 2002 drittbeste Deutsche vor Schwarzkopf.
Für die überragende Leistung außerhalb des Mehrkampfs sorgte in Ratingen die Russin Olga Kotljarowa in 50,13 Sekunden über 400 m - eine Zeit, die außer ihr selbst im Olympiajahr nur Tonique Williams von den Bahamas in 49,78 unterbot. Als Zweite in 51,88 lief die Berlinerin Claudia Marx deutsche Jahresbestzeit, verfehlte aber die Olympianorm (51,37) erneut deutlich.
Lars Riedel verliert
Zwei Wochen vor den deutschen Meisterschaften in Braunschweig, letzte große Olympia-Qualifikation vor der Nominierung eine Woche darauf durch das Nationale Olympische Komitee (NOK) für Deutschland, hat auch Lars Riedel seine Probleme noch nicht überwunden. Der fünfmalige Diskus-Weltmeister kassierte beim Cuxhavener Meeting mit 63,68 m eine erneute Niederlage gegen den mit 64,67 m siegreichen Wattenscheider Michael Möllenbeck.
Vor 3000 Zuschauern dominierte der WM-Dritte von 2001 wie 13 Tage zuvor bei seinen 66,36 m von Erfurt gegen den noch immer mit Rückenproblemen kämpfenden Olympiasieger von Atlanta 1996. "Ich brauche weitere Behandlungen und werde alles tun, um vor Olympia schmerzfrei zu werden", meinte der 37 Jahre alte Chemnitzer.
Erstmals schaffte die Leverkusenerin Floe Kühnert im Stabhochsprung mit 4,40 m die Olympianorm und wurde beim Sieg der Russin Tatjana Polnowa (4,60) Vierte. Zweimal persönliche Bestzeit rannte der Kölner Ronny Ostwald in 10,24 Sekunden über 100 und 20, 77 Sekunden über 200 m. Dabei verfehlte er die Olympianorm ähnlich wie Nico Motchebon (Fürth) in 1:46,07 über 800 m und Jerome Crews (Mannheim) in 13,61 Sekunden über 110 m Hürden. Dritte wie bei der WM 2003 wurde Speerwerferin Steffi Nerius (Leverkusen) mit für sie bescheidenen 61,85 m beim Sieg der kubanischen Weltrekordlerin Osleydis Menendez (64,49).
Beim Sportfest im französischen Villeneuve d'Ascq verfehlte der Leverkusener Danny Ecker als Dritter beim Stabhochsprungsieg des Franzosen Romain Mesnil (5,80) mit 5,60 m die Olympianorm erneut um zehn Zentimeter.
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