Nach Major-Sieg: Kaymer hofft auf Golf-Boom
VON CHRISTOPHER WECKWERTH - zuletzt aktualisiert: 18.08.2010 - 10:52Düsseldorf (RPO). Er ist der neue Golf-Superstar: Martin Kaymer, 25 Jahre alt, geboren in Düsseldorf, aufgewachsen in Mettmann. In Kohler/Wisconsin gelang es ihm als zweiter Deutscher nach Bernhard Langer ein Major-Turnier für sich zu entscheiden.
Weltweit hat sich Kaymer mit dem Triumph Respekt verschafft. „Er kaym, sah und siegte“, schreibt das englische Blatt „Daily Mirror“ und spricht vom neuen „German Wunderkind“. Als solches wurden schon Boris Becker, Michael Schumacher oder Dirk Nowitzki gefeiert. Sie alle sorgten für einen regelrechten Boom ihrer Sportarten.
Manch einer erwartet vom jungen Kaymer nun eine ähnliche Strahlkraft. Der Rheinländer nimmt die Rolle des Botschafters gerne an: "Ich hoffe, ich kann den Golfsport in Deutschland durch meinen Sieg noch populärer machen." So wie er selbst einst Bernhard Langer nacheiferte, will er "die Teenager inspirieren". Langer wiederum spart nicht am Lob für den Kollegen: "Einen alten Kopf auf jungen Schultern" habe Kaymer. Der Sieg in Kohler soll nur der Anfang einer Spitzenkarriere sein. Schon heute steht der 25-Jährige auf Rang fünf der Weltrangliste.
In Kaymer ruhen spätestens jetzt die Hoffnungen der Verantwortlichen der Golfsport-Szene. Sein Erfolg soll Signalwirkung auf die deutsche Bewerbung für den Ryder Cup 2018 haben – es wäre hierzulande das erste Golf-Duell zwischen Amerika und Europa. "Der Sieg von Kaymer hilft uns massiv. Damit erscheint Deutschland wieder auf der Golf-Weltkarte", sagte Erwin Langer, Geschäftsführer der Bewerbungsgesellschaft RC Deutschland. Wer nun selbst in Kaymers Fußstapfen treten möchte, sollte sich wegen der teils sehr unterschiedlich hohen Kosten gut informieren.
Ingo Lüders vom Düsseldorfer Golf Club Hubbelrath sagt, mit welchen Ausgaben man planen kann: "Erwachsene zahlen beim Eintritt in einen Klub eine Gebühr von rund 1000 Euro sowie einen Jahresbeitrag ab etwa 700 Euro. Um die 'Platzreife' zu erlangen, müssen Einsteiger zusätzlich Trainingsstunden für insgesamt rund 400 Euro einkalkulieren." Dazu werden Schuhe und Bälle benötigt.
Es geht allerdings auch günstiger: Mitglieder der Vereinigung clubfreier Golfspieler (VcG) zahlen für ein Jahr 195 Euro und können damit auf den Plätzen der angeschlossenen Vereine gegen eine Gebühr pro Runde ("Greenfee") spielen. Für Jugendliche gelten ohnehin andere Tarife. Lüders verweist auf die Förderung in seinem Verein : "Bis 18 Jahre gibt es keine Startgebühr und gesichtete Talente müssen im ersten Jahr gar nichts zahlen." Wer statt mit einem neuen Schläger-Set mit einem gebrauchten beginnt, könne ebenfalls mehrere Hundert Euro sparen.
Es gibt jedoch auch Zweifel an der Golf-Euphorie. So werden die wichtigsten Turniere in den USA ausgetragen und finden damit nach deutscher Zeit meist nachts statt. Die mediale Präsenz ist daher gering. Als Kaymer in Wisconsin siegte, war es 2.11 Uhr am Morgen, eine Live-Übertragung gab es nur im Pay-TV.
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