Golf: Kaymer will Woods angreifen
VON GIANNI COSTA - zuletzt aktualisiert: 01.09.2010 - 18:19München/Düsseldorf (RP). Der in Düsseldorf geborene Golfprofi hat nach dem Gewinn seines ersten Major-Turniers in diesem Jahr noch große Ziele. Er will den Ryder Cup wieder nach Europa holen – und an die Spitze der Weltrangliste. Ganz nebenbei soll er für einen neuen Boom der Branche sorgen.
Der neue Star der Szene wollte eigentlich gar nicht hier sitzen. In der schmucken BMW-Welt im Münchner Olympiapark wird er über dies und das befragt. Kaymer lächelt höflich. Er hat seinen Urlaub in Jamaika mit Freundin Allison Micheletti (22) abgebrochen, um Werbung für sich und seinen Sport zu machen.
Hoffnungsträger, Aushängeschild, Botschafter – die Erwartungen in den 25-Jährigen sind nach seinem ersten Sieg bei einem der vier großen Golfturniere vor zweieinhalb Wochen, dem Major in Kohler, immens gestiegen. "Ich habe immer das Ziel zu gewinnen", sagt er. "Jetzt weiß ich, dass ich gegen die Besten der Welt gewinnen kann."
Das alles soll natürlich erst der Anfang gewesen sein. Kaymer hat seine neue Rolle schnell verinnerlicht und verkündet dementsprechend überzeugt: "Ich werde alles dafür tun, die Nummer eins zu werden. Aber es wird nicht einfach. Doch wenn mir vor einem Jahr jemand gesagt hätte, dass ich in diesem Jahr mein erstes Major-Turnier gewinne, hätte ich es auch nicht geglaubt. Es ist mein Ziel, bester europäischer Spieler zu sein." Ganz oben an der Spitze thront noch immer Tiger Woods, Kaymer ist auf Position fünf gelistet.
Bernhard Langer, Deutschlands bester Profigolfer, hat das Talent des gebürtigen Düsseldorfers, der in Mettmann aufgewachsen ist, schon früh erkannt. "Er hat eine unglaublich gute Technik", schwärmte er bereits vor ein paar Jahren. "Was diesen Jungen von vielen anderen unterscheidet, ist seine Disziplin." Langer hat Golf in den 1980er-Jahren geprägt, jetzt soll Kaymer übernehmen.
Kaymer ist nicht auf dem Golfplatz aufgewachsen. Er hat viel ausprobiert. Erst mit 14 Jahren hat er sich gegen Fußball bei Fortuna Düsseldorf und für Golf entschieden. Er hat sich mit Akribie nach oben gearbeitet und wurde in der Branche als "Wunderkind from Germany" geadelt. Die ewigen Vergleiche mit Langer kontert er mittlerweile ebenfalls ganz routiniert: "Langer ist Langer. Kaymer ist Kaymer." Ende der Durchsage.
Das Team um Kaymer ist bemüht, möglichst schnell wieder Normalität um ihn einkehren zu lassen. Als Vater des Erfolgs gilt Günter Kessler, Trainer in der Golfanlage Hummelbachaue bei Neuss. Der 53-Jährige arbeitet bereits seit 1997 mit Kaymer zusammen. Was seinem Schützling noch fehlt? "Was ihm noch fehlt?", sagt Kessler, "er kann ganz sicher konstanter werden, seine Schläge besser abrufen. Die nervliche Belastung macht ihm ja eher weniger Probleme." Kessler trifft sich mindestens zweimal im Monat mit Kaymer, in den Wintermonaten ein wenig öfter. Die restliche Zeit ist der Profi auf sich selbst gestellt. "Martin weiß, was er zu tun hat. Ich gebe ihm Aufgaben mit, und die arbeitet er ab. Er ist extrem diszipliniert und weiß, wie man sich durchsetzt", erzählt Kessler. "Ziel meiner Ausbildung war, dass er selbstständig wird. Jetzt geht es nur noch um den Feinschliff. Und wenn er irgendwelche Fragen hat, dann ruft er eben an."
Das große Ziel in diesem Jahr heißt Ryder-Cup. Alleine die Teilnahme an dem traditionsreichen Duell zwischen Europa und den USA ist für ihn eine ganz besondere Ehre. Nach Langer ist Kaymer im Oktober in Wales erst der zweite Deutsche, der am Ryder Cup teilnehmen darf. "Für mich wird ein Traum wahr. Es gibt nichts Schöneres, als da am Abschlag zu stehen", sagt Kaymer. "Mein Weg ist noch nicht zu Ende."
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