Golf: Kaymers Welt dreht sich schneller
zuletzt aktualisiert: 19.08.2010 - 08:10Berlin (RPO). Der dreiwöchige Liebesurlaub währte nur ein paar Tage, die Sponsoren stehen Schlange, und die Planung seiner glänzenden Zukunft läuft auf Hochtouren: Martin Kaymers Welt dreht sich nach seinem überraschenden Major-Sieg wohl mit mehr Umdrehungen, als der neue Superstar einem Golfball je verleihen könnte. Als erste Maßnahme auf dem Weg zur Nummer eins verlegt Kaymer seinen Lebensmittelpunkt in die USA.
"Ich will mehr in Amerika spielen. Ich fühle, dass mein Spiel besser wird, wenn ich in den USA spiele. Um ein besserer Golfspieler zu werden, muss ich auf anderen Kontinenten antreten", sagte der 25-Jährige. Durch seinen Major-Sieg hat Kaymer die Tourkarte der PGA-Tour bis 2015 sicher. Seinen Zweitwohnsitz hat der gebürtige Düsseldorfer ohnehin seit Jahren in Scottsdale im US-Bundesstaat Arizona.
Dort lernte der Weltranglistenfünfte im vergangenen Winter auch seine Freundin Allison Micheletti kennen. Mit der 22-Jährigen sollte es nach der PGA-Championship in Kohler/Wisconsin eigentlich für drei Wochen in die Karibik gehen, doch der überraschende und mit 1,35 Millionen Dollar versüßte Sieg durchkreuzten die Pläne. "Das Interesse der Sponsoren ist enorm", sagte Manager Johan Elliot.
Nach wenigen Tagen brach Kaymer die Zelte in der Karibik ab und gibt sich seitdem der PR-Hatz zwischen Europa und den USA hin. Natürlich mit der gleichen Ruhe, die ihn auch auf den Grüns der Welt auszeichnet. In zwei Wochen zeigt er sich in München bei einem Termin auch seinen deutschen Fans.
Die dürften ihn künftig noch weniger zu sehen bekommen. Denn wie viele Turniere Kaymer bei seinen ehrgeizigen US-Plänen noch in Europa spielen wird, steht noch nicht fest. Nach den Regeln müsste er zwölf Turniere bestreiten, um seine Tourkarte nicht zu verlieren.
Für Kaymer wird es eine Gratwanderung zwischen seinen sportlichen Zielen und seiner Verantwortung für den Sport. Er will den Golfsport in Deutschland nach vorne bringen und populärer machen. Dies dürfte allerdings nicht allein durch Siege in den USA möglich sein, sondern vor allem durch Auftritte in seinem Heimatland.
Sein Trainer Günter Kessler warnte bereits vor einer zu hohen Erwartungshaltung an Kaymer. "Wir machen unser Ding weiter, wir bleiben da wo wir sind: auf dem Boden der Tatsachen", sagte der 53-Jährige der Süddeutschen Zeitung. "Wir haben unsere Ziele und versuchen sie abzuarbeiten in einem Zeitraum, den wir für angemessen halten."
Kessler ist Trainer in der Golfanlage Hummelbachaue bei Neuss und arbeitet seit 1997 mit Kaymer zusammen. Der erste Major-Sieg seines Schützling hat ihn nicht überrascht. "Es war eine Frage der Zeit. Wir haben seit vier Jahren von ihm nur einen Vorwärtsgang erlebt", sagte Kessler.
Kaymer habe den richtigen Kopf zwischen den Schultern, seine Einstellung und sein Umfeld seien optimal. "Mit 14 hat er sich entschieden: Golf, das ist es. Er hat es durchgezogen." Richtig nervös hat Kessler seinen Musterschüler erst einmal erlebt. "Vor seinem ersten Masters-Auftritt in Augusta hatte er die Übungsrunde mit Bernhard Langer, Jack Nicklaus und Gary Player. Da wurde ihm wärmer ums Herz", sagte Kessler.
Und ob Kaymers Sieg in Kohler das deutsche Golf in neue Sphären führt, liegt nach Meinung Kesslers am Verband. Dieser müsse sich mehr öffnen, um etwas zu bewegen. "Golf ist in vielen Bereichen noch zu teuer für junge Leute", sagte der Trainer. Außerdem seien viele gute Amateure teilweise zu hoch gelobt und überfüttert. Das sei ein deutsches Phänomen.
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