Haas-Comeback für Halle in Aussicht: Kiefer: Gefangen wie in einem Haifischbecken
zuletzt aktualisiert: 27.05.2003 - 10:43Paris (rpo). Sein Auftaktsieg über den australischen Qualifikanten Todd Larkin ist für ihn ein Hoffnungsschwimmer. Die Experten hat Nicolas Kiefer mit seinem mühevollen Fünf-Satz-Sieg zum Beginn der French Open jedoch nicht überzeugt. Die ständige Kritik an seiner Person nagt an dem 25-Jährigen ehemaligen Weltranglistenvierten.
Der Nicolas Kiefer von einst hätte sich maßlos geärgert. Der Nicolas Kiefer von heute erfreute sich an diesem schwachen Hoffnungsschimmer. "Fünf Jahre ist das her, dass ich hier mal eine Runde gewonnen habe", sagte er mehr zu sich selbst, nachdem er sein Erstrundenmatch gegen den australischen Qualifikanten Todd Larkham nach quälenden fünf Sätzen und 3:43 Stunden zu Ende gebracht hatte.
1998 warf Kiefer zum Auftakt Thomas Haas aus dem Grand-Slam- Turnier. Der Hamburger kündigte jetzt aus Flordia sein Comeback an. Nach sechs Monaten Pause wegen einer Schulteroperation will Haas beim Rasenturnier in Halle/Westfalen noch vor Wimbledon auf die Tour zurückkehren.
In Halle mit einer Wildcard
In Halle war Kiefer im vergangenen Jahr bis ins Finale vorgestoßen, deshalb bekommt er in diesem Jahr eine Wildcard. Der frühere Weltranglistenvierte steht in der so genannten Entry List der ATP auf Platz 77 und muss bald wohl auch bei den ganz großen Turnieren in die Qualifikation. In Paris braucht er ein kleines Wunder, um in der zweiten Runde Guillermo Coria auszuschalten. Der Argentinier hat vor zwei Wochen das Masters-Turnier in Hamburg gewonnen. "Ich bin klarer Außenseiter. Coria ist ein kleiner Geheimfavorit", sagte Kiefer.
Diese Einschätzung ist richtig, viele andere Dinge sieht der 25- Jährige ganz offensichtlich falsch. Während Rainer Schüttler bei den "Sandmännern" aus Südamerika Rat sucht und sich gelegentlich vom Argentinier Hernan Gumy coachen lässt, lehnt Kiefer jede Veränderung ab und vertraut trotz anhaltender Talfahrt seinem Trainer Farid Bentaous. "Ich habe ein gutes Umfeld und fühle mich wohl. Ich muss mir nur Zeit und Geduld geben", sagt er, und zu denen, die die Durchhalteparolen nun schon geraume Zeit hören: "Ich weiß, das hört sich dumm an."
Kiefer weiß, dass er Hilfe braucht
Dumm ist nur, dass Kiefer weiß, dass er Hilfe braucht, sie aber nicht annimmt. Es sei denn, sie kommt von einem wie Andre Agassi höchstpersönlich. "Er ist der einzige Aktive, der mir hilft und Ratschläge gibt. Das zeichnet einen Champion eben aus", schwärmte Kiefer über eine gemeinsame Trainingseinheit mit dem Ehemann von Steffi Graf. In Kiefer steckt mehr Potenzial als im fleißigen Schüttler, doch das deutet er ab und zu nur noch an. Sein Spiel ist extremen Schwankungen unterworfen, hinzu kommt die lähmende Angst vor dem Versagen.
Wie gegen Larkham. "Das sind Matches, die muss man gewinnen, egal wie", sagte Kiefer, der den zuschauenden TV-Experten Michael Stich und Daviscup-Kapitän Patrik Kühnen dennoch nicht überzeugen konnte. Die Skepsis in seinem Dunstkreis macht Kiefer bockig. Er fühlt sich gefangen wie in einem Haifischbecken. "Da wird man gebissen und muss zurückbeißen."
Ein bisschen Mut aus der Ferne machte ihm zumindest Thomas Haas: "Für Kiwi sind Erfolge wie heute gegen Larkham extrem wichtig. Er braucht Siege auf dem Platz, um wieder Selbstvertrauen zu bekommen. Wir wissen alle, dass er Tennis auf hohem Niveau spielen kann. Man sieht ja bei Magnus Norman wie schwer es ist, auf das Level zurückzukommen, auf dem man mal war." Haas steht dieser Wiedereingliederungs-Prozess noch bevor.
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