Wassersprung-Weltmeister: Kinderstar Daley macht Konkurrenz nass
zuletzt aktualisiert: 22.07.2009 - 13:22Rom (RPO). Als sich "Wunderknabe" Thomas Daley zum jüngsten Wassersprung-Weltmeister gekürt und auch den letzten Altersrekord gebrochen hatte, genoss der 15 Jahre alte "Diving Boy" aus Plymouth erst die Umarmung seines genesenen Vaters und dann auch noch die Glückwünsche des britischen Premierministers Gordon Brown.
Mit seinem Sprung vom Turm auf den WM-Thron hat der Kinderstar in Rom weiter an seinem Kultstatus gearbeitet - die Diskussionen um sein Alter lassen ihn dabei kalt.
"Nicht das Alter zählt, sondern die Leistung. Aber ich bin ehrlich: Ich hätte niemals damit gerechnet, hier Weltmeister zu werden", sagte Daley nach dem unverhofften Sprung ins Glück: "Ich hoffe, dass ich dieses Kunststück auch in drei Jahren bei Olympia in London schaffe."
Die Glückwünsche von höchster Stelle kamen prompt. "Sein WM-Gold zeigt, was mit Talent und Fleiß alles möglich ist", ließ Premierminister Brown ausrichten: "Er ist eine Inspiration für alle jungen Leute in unserem Land."
Die Briten haben Daley ins Herz geschlossen. Der TV-Sender BBC begleitet seine Karriere in der Serie "Olympic Dreams". Das Schicksal seines Vaters, bei dem ein bösartiger Gehirntumor entdeckt wurde, wühlte zusätzlich auf. Sein Sohn habe ihm die notwendige Kraft für den Kampf gegen den Krebs gegeben, erzählte Vater Daley. Inzwischen ist er wieder genesen und verfolgte den Triumph seines Sohnes im Foro Italico auf der Tribüne.
Mit sieben Jahren begann Daley mit dem Wasserspringen und brach danach einen Altersrekord nach dem anderen. Mit zehn Jahren wurde er britischer Junioren-Meister, 2008 avancierte er mit 13 Jahren zum jüngsten Europameister. In Peking verpasste Daley als Siebter zwar einen Eintrag in die Geschichtsbücher als jüngster männlicher Medaillengewinner seines Landes bei Olympia - doch in Rom behielt er im Gegensatz zur erfahreneren Konkurrenz die Nerven.
In Deutschland wäre ein Werdegang wie der von Daley gar nicht möglich. Es gibt Jugendschutzbestimmungen. Sprünge vom Turm sind erst ab 14 Jahren erlaubt. Grund ist die Verletzungsgefahr, die besteht, wenn die jungen Springer mit bis zu 60 Stundenkilometer auf die harte Wasseroberfläche knallen.
Es gibt noch weitere Probleme zu beachten. Daley, der 30 Stunden pro Woche trainiert und sich bei seinen Sprüngen zum Schutz Bandagen um die Handgelenke wickelt, steckt noch immer im Wachstum. Die "Feinjustierung" bei Salti und Schrauben muss immer wieder neu vorgenommen werden. Hinzu kommt der große mentale Druck.
Doch in England wird - gerade mit Blick auf Olympia in London - auf all das bei der Talentförderung keine Rücksicht genommen. Daley bekommt sogar finanzielle Unterstützung vom Förderprogramm der britischen Regierung.
Im Synchronspringen vom Turm könnte Daley sein zweites Gold hinzufügen. Er muss sich aber auf einen neuen Partner einstellen. Der 17 Jahre alte Max Brick komplettiert das Teen-Duo, nachdem Daleys vorheriger Partner Blake Aldridge im Februar bei einer Prügelei in einem Nachtclub verletzt worden war. Solche Probleme hat Daley noch nicht.
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