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Australian Open: "Kiwi" scheitert an Federer

zuletzt aktualisiert: 27.01.2006 - 13:02

Melbourne (rpo). Im Halbfinale war Endstation. Dort ist Nicolas Kiefer bei den Australian Open gescheitert. Der Niedersachse verlor gegen den Weltranglistenersten Roger Federer aus der Schweiz mit 3:6, 7:5, 0:6 und 2:6. Kiefer verpasste damit das erste Grand-Slam-Finale seiner Karriere. Federer trifft im Endspiel am Sonntag (9.30 Uhr MEZ) auf Überraschungsfinalist Marcos Baghdatis (Zypern), der im Halbfinale gegen den Argentinier David Nalbandian gewann.

Er wollte den Branchenprimus stürzen und wurde stattdessen in den letzten beiden Sätzen böse vorgeführt. Ein sehr erfolgreiches Turnier endete für den Hannoveraner mit einer bitteren Enttäuschung - auf den Tag genau 15 Jahre nach Boris Beckers erstem Finalsieg in Melbourne gegen Ivan Lendl, mit dem der Deutsche erstmals auch die Nummer eins der Welt wurde.

"Insgesamt habe ich zwei super Wochen gehabt, ich muss die guten Sachen sehen", sagte der 28-jährige Kiefer nach dem Spiel. Eine dieser guten Sachen ist, dass er in der neuen Weltrangliste am Montag von Platz 25 auf Rang 12 klettert.

Seit elf Monaten hat Nicolas Kiefer kein Turnier gespielt. Foto: AFP, AFP

Enttäuscht und sehr müde

Doch das interessierte ihn zu mitternächtlicher Geisterstunde am anderen Ende der Welt zunächst nicht: "Ich muss das alles erst noch realisieren. Jetzt bin ich enttäuscht und sehr müde." Wieder gelang es nicht, die Hürde Federer zu überwinden. "Die ersten beiden Sätze waren sehr hohes Niveau, danach aber hat er unglaublich gespielt", meinte Kiefer: "Am Ende war er einfach zu gut."

Federer trifft im Finale am Sonntag (9.30 Uhr MEZ) auf Überraschungsfinalist Marcos Baghdatis (Zypern), der bereits am Donnerstag sein Halbfinale gegen den Argentinier David Nalbandian gewann. "Ich freue mich sehr auf dieses Spiel", sagte Federer: "Er hat natürlich nach seinem Lauf in den letzten zwei Wochen viel Selbstvertrauen. Aber ich bin der große Favorit und in solchen Endspielen ja auch viel erfahrener."

Kiefer hat bereits zum siebten Mal in Folge gegen den 24 Jahre alten Eidgenossen verloren, insgesamt verschlechterte sich seine Bilanz auf 3:8 Siege. "Mein großes Ziel bleibt, ihn einmal wieder zu schlagen", erklärte der Niedersachse fast trotzig: "Ich werde weiterarbeiten und es immer wieder versuchen." Dabei ahnt er wohl, dass es ein fast unerreichbares Ziel ist: "Man spielt an seinem Limit, aber er kann immer noch einen draufsetzen."

Kiefer hatte bereits in Federers erstem Aufschlagspiel eine Breakchance, die er nicht nutzen konnte. Stattdessen gab er sein Service zum 1:3 und damit praktisch den Satz ab. Er wirkte in dem Match verhaltener als in den Spielen davor, von der versprochenen Aggressivität und dem Kampfgeist war nur wenig zu sehen. Dennoch gelang ihm in einem ausgeglichenen zweiten Durchgang ein Break zum 7:5-Satzgewinn.

Anschließend steigerte Federer sein Niveau und deklassierte Kiefer im dritten Durchgang. Die Kräfteverhältnisse waren damit geklärt, mit zwei Breaks zum 2:1 und 4:1 im vierten Durchgang war die Partie praktisch entschieden. "Ich habe wohl auch zu viel Energie in den ersten Runden gelassen", sagte Kiefer. Ihm gelangen zwar auch spektakuläre Punkte, insgesamt aber unterliefen ihm wesentlich mehr Fehler, er spielte nicht konstant genug. Tommy Haas schien bei seiner Fünfsatzniederlage gegen den Weltranglisten-Ersten wesentlich näher an einer Überraschung.

Auf Daviscup vorbereiten

Gemeinsam wollen Haas und Kiefer beim Daviscup vom 10. bis 12. Februar im westfälischen Halle Frankreich schlagen. Kiefer fliegt zurück ins kalte Deutschland, daheim erholen und die Bänderdehnung im Fuß behandeln lassen: "Dann geht es früh nach Halle, um mich auf den Daviscup vorzubereiten. Das ist mein Lieblingsort, schön nah an Zuhause."

Daviscupteamchef Patrik Kühnen, der seine Mannschaft am Samstag bekanntgeben will, war mit der Form seines Spitzenspielers in Australien absolut zufrieden: "Federer hat ab dem dritten Satz stark zugelegt und war dann einfach nicht mehr zu bremsen."

Kiefer bleiben nach dem größten Erfolg in seiner Karriere bei einem Grand-Slam-Turnier ein Preisgeld von umgerechnet rund 188.000 Euro und die Gewissheit, dass er wieder in der erweiterten Weltspitze angekommen ist. Im Juli 2003 stand er nach einer Serie von Verletzungen und schwachen Leistungen auf Platz 80, jetzt kratzt er wieder an den Top Ten. "Das Entscheidende war, dass ich nie den Kopf habe hängen lassen und immer an mich geglaubt habe", erklärt Kiefer: "Jetzt habe ich das Handy ausgemacht - plötzlich habe ich nämlich wieder ganz viele Freunde."


Herreneinzel, Halbfinale:
Roger Federer (Schweiz/Nr. 1) - Nicolas Kiefer (Hannover/Nr. 21) 6:3, 5:7, 6:0, 6:2

Damit im Finale: Roger Federer - Marcos Baghdatis (Zypern)

Damendoppel, Finale:
Zi Yan/Jie Zheng (China/Nr. 12) - Lisa Raymond/Samantha Stosur (USA/Australien/Nr. 1) 2:6, 7:6 (9:7), 6:3

Mixed, Halbfinale:
Martina Hingis/Mahesh Bhupathi (Schweiz/Indien) - Paul Hanley/Samantha Stosur (Australien/Nr. 5) 6: 3, 6:3, Jelena Lichowzewa/Daniel Nestor (Russland/Kanada/Nr. 6) - Nathalie Dechy/Leander Paes (Frankreich/Indien) 3:6, 6:4, 10:4

Damit im Finale: Martina Hingis/Mahesh Bhupathi - Jelena Lichowzewa/Daniel Nestor

Quelle: sidbackup

 
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