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Drill am Wilden Kaiser: Klitschko bereitet sich auf Brewster vor

VON HARTMUT SCHERZER - zuletzt aktualisiert: 22.06.2007 - 10:50

Tirol (RP). Schwergewichts-Weltmeister Wladimir Klitschko bereitet sich in Tirol auf seine Titelverteidigung am 7. Juli in Köln vor. Mit seinem Herausforderer, dem US-Boxer Lamon Brewster, hat er noch ein Hühnchen zu rupfen.

Going Im Tiroler Erholungsparadies, beim Stanglwirt in Going am Fuß des Wilden Kaisers, ist einer der drei Plätze in der Tennishalle in ein Boxgym umfunktioniert worden. Hier trainiert der Schwergewichtsweltmeister (IBF) Wladimir Klitschko täglich fünf Stunden, zwei morgens, an die drei nachmittags, mit einer Intensität, einer Hingabe, einem Fokus wie noch vor keinem der 51 Kämpfe seiner fast elfjährigen Profikarriere.

„Es ist keine Quälerei. Es macht Spaß“, sagt der jüngere Klitschko gut gelaunt. Sein Trainer Emanuel Steward macht sich bereits Sorgen: „Wladimir ist schon so gut drauf, dass ich ihn bremsen muss. Schließlich sind es noch zweieinhalb Wochen bis zum Kampf. Er hat schon 82 Runden Sparring absolviert.“

„The Rematch“ gegen Lamon Brewster am 7.Juli in der Kölnarena gebietet diese volle Konzentration. Der ukrainische Kosmopolit will einen der beiden Schandflecken seines Sportlerlebens ausradieren, den Kollaps von Las Vegas. Den mysteriösen K.o. erlitt Wladimir Klitschko am 10. April 2004 im Mandalay Bay.

Der Adonis erstarrte in völliger Agonie nach einem linken Haken Brewsters, lag bäuchlings auf dem Ringboden, unfähig, in der eine Minute währenden Rundenpause aufzustehen, so verzweifelt der große Bruder Vitali und Steward auch in der Ecke schrieen: „Get up!“ Aberwitzig: Technischer K.o. in der Kampfpause.

Mit dem Rückkampf erfülle sich nun ein Traum, sagt Wladimir Klitschko. Morgens übt er in stiller Zweisamkeit mit Steward nur Bewegungsabläufe und Schlagtechnik. Vor und nach dem Sparring nachmittags scheint er, ganz der promovierte Sportwissenschaftler, unter Anleitung des Physiotherapeuten Steve Atcavage jede Sehne, jeden Muskel, jedes Gelenk seines herkulischen Körpers intensiv und ausgiebig zu dehnen, zu drehen und zu strecken.

Acht Runden Sparring mit drei Amerikanern, erst mit dem Routinier Andre Purlette (39 Siege, 2 Niederlagen), dann mit den unbesiegten Chazz Witherspoon (18-0) und Jonathan Babks (16-0), sind die Hauptarbeit des Tages. Die Strategie ist klar erkennbar. Ungewohnt beweglich mit dem Oberkörper, neuerdings schnell auf den Beinen, kontrolliert der Champion seine zur Aggressivität angehaltenen Partner.

Gleichzeitig laufen auf vier Monitoren über jeder Ringseite nacheinander zwei Kämpfe Brewsters in voller Länge. Einmal, wie er Luan Krasniqi mit seiner besten Waffe, dem linken Haken, zu Boden schmettert und durch dessen Aufgabe gewinnt. Dann, wie der draufgängerische Amerikaner auch Sergei Liakowitsch niederschlägt, aber dennoch, sehbehindert, nach Punkten den WBO-Titel verliert. Das war vor einem Jahr.

Aus der Defensive und mit Distanz beherrscht er seine Partner, schleudert sie aber auch schon mal fast aus dem Ring. Klitschko legt wie automatisiert die rechte Faust vor die rechte Wange - der Schutz gegen Brewsters gefährlichen linken Haken. „That’s it“, entfährt es Steward. „Beautiful“, begeistert sich der Meistertrainer, wenn Klitschko mit der Paradekombination - linker Haken, rechter Cross - selbst blitzschnell zuschlägt und trifft.

Immer mehr ist es Steward gelungen, den Stil seines Champion-Schülers Lennox Lewis auf dessen mittlerweile legitimen Nachfolger zu übertragen. „Wladimir schlägt als einziger alle seine Gegner k.o. Das unterscheidet ihn von allen Schwergewichtlern, die zur Zeit herumlaufen.“

Quelle: RP

 
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