Boxen: Klitschko gegen Brewster - Kampf des Jahres
VON GIANNI COSTA - zuletzt aktualisiert: 04.07.2007 - 08:37Köln (RPO). Lamon Brewster sitzt da und blickt ziemlich grimmig drein. Er trägt eine schwarze Sonnenbrille, schwarze Handschuhe, ein schwarzes Kopftuch, einen schwarzen Vollbart, ein schwarzes T-Shirt - vermutlich hat er sich für diesen Auftritt auch schwarze Socken aus seinem Kleiderschrank gesucht. Das perfekte Outfit für einen bösen Buben.
Doch ein Schurke im Ring will Brewster eigentlich gar nicht sein. „Ich habe großen Respekt vor meinem Gegner. Ich bin nicht hierher gekommen, um Sprüche zu klopfen“, sagt der 33-jährige Berufsboxer vor dem Weltmeisterschaftskampf gegen IBF-Champion Wladimir Klitschko am Samstag in Köln. „Ich glaube an Gott. Nur er kann voraussagen, was passiert.“
Im Lager von Wladimir Klitschko gibt es dagegen eine ziemlich irdische Vorstellung über die Zukunftsaussichten. „Es wird einen K.o. geben. Der Kampf wird nicht über die siebte Runde hinausgehen. Und Wladimir bleibt Weltmeister“, erklärt Klitschkos Trainer Emanuel Steward. Sein Schützling gibt sich deutlich zurückhaltender.
Die beiden Kontrahenten verzichten vor ihrem mit Spannung erwarteten Rückkampf auf verbale Tiefschläge. „Dr. Hammer“ hat sich viel vorgenommen. Der Ukrainer will sich für einen der schwärzesten Momente seines Sportlerlebens rehabilitieren.
Es war der 10. April 2004 im Mandalay Bay. An diesem Tag erwischte ihn ein linker Haken von Brewster. Klitschko lag am Boden. Es gab hinterher viele Spekulationen, von Sabotage war die Rede. Jemand soll Klitschko K.o.-Tropfen verabreicht haben. „Quatsch“, sagt Brewster. „Ich war einfach der bessere Mann im Ring.“
Für Klitschko ist die Vergangenheit kein Thema mehr. „Ich blicke in die Zukunft“, unterstreicht der 31-Jährige. „Es wartet eine schwere Aufgabe gegen Lamon auf mich. Ich bin bereit dafür.“ Er hat sich von diesem Niederschlag mittlerweile wieder berappelt. Doch in den USA hat das Image des promovierten Sportwissenschaftlers arg gelitten.
Nun also die Revanche. Es ist das Boxsport-Spektakel des Jahres - auch mangels massenwirksamer Alternativen in der Königsklasse, dem Schwergewicht. Die Weltmeister der anderen drei Verbände, Oleg Maskaev (Kasachstan/WBC), Sultan Ibragimov (Russland/WBO) und Ruslan Chagaev (Usbekistan/WBA), sind hier zu Lande kaum bekannt. Star der Szene ist Wladimir Klitschko.
Mehr als 18.000 der 19.500 Tickets sind für das Duell gegen Brewster in der Köln-Arena bereits verkauft. „Hier stehen die beiden besten Puncher im Schwergewicht im Ring“, sagt Emanuel Steward. „Brewster ist ein klassischer Kämpfer und eine Attraktion im Ring. Wladimir kann seinem Gegner mit einem einzigen Schlag die Lichter ausknipsen. Das wird eine super Werbung für den Sport.“
Klitschko will sich mit einem Sieg in seinem 52. Profikampf auch wieder für den amerikanischen Markt empfehlen. Der Anfang ist gemacht. Der US-Fernsehsender HBO überträgt live und zeitversetzt von dem Kampfabend am Rhein. „Die Zeit bis zum Gang in den Ring ist noch verdammt lang“, erklärt Klitschko. Kontrahent Brewster nutzt die Zeit zum Rundgang durch Köln. „Neulich war ich im Kölner Dom und habe gebetet“, erzählt er. „Gott gibt mir Kraft für meine Mission. Ich will den WM-Gürtel zurück.“
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