ATP-Turnier in Stuttgart: Kohlschreiber erreicht zweite Runde
zuletzt aktualisiert: 18.07.2005 - 20:25Stuttgart (rpo). Philipp Kohlschreiber ist der Auftakt beim ATP-Turnier am Stuttgarter Weissenhof gelungen. Am Montagnachmittag bezwang der Bamberger den argentinischen Qualifikanten Juan Pablo Brzezicki mit 3:6, 6:3 und 6:3. Nächster Gegner Kohlschreibers ist nun der Tscheche Tomas Berdych. Dagegen ist der 18 Jahre alte Joschi Thron in der ersten Runde gescheitert - ebenso wie Thomas Meyer.
Raus mit Applaus - der erste Auftritt auf der großen Tennisbühne war für den gerade 18-jährigen Joschi Thron nach 84 Minuten beendet. Beim Mercedes-Cup auf dem Stuttgarter Weissenhof verlor der von den Zuschauern begeistert umjubelte Blondschopf aus dem badischen Binzen sein Auftaktmatch gegen den Argentinier Mariano Zabaleta mit 2:6, 3:6 und musste erkennen, dass die Trauben im Profitennis sehr hoch hängen. "Ich gehöre hier noch nicht hin", lautete Throns erfrischend ehrliche Selbsterkenntnis: "Ich muss jetzt erstmal Future-Turniere spielen und mir da die nötige Erfahrung und Matchpraxis holen, um auf dieser Ebene mithalten zu können."
Besser machte es am Montag der für Blau-Weiß Neuss in der Bundesliga spielende Philipp Kohlschreiber. Der 21-Jährige gewann sein Erstrundenmatch gegen den argentinischen Qualifikanten Juan Pablo Brzezicki mit 3:6, 6:3, 6:3, war aber mit seiner Leistung noch nicht hundertprozentig zufrieden. "Ich hoffe, dass ich mich noch steigern kann", meinte Kohlschreiber, der in der nächsten Runde auf den Tschechen Tomas Berdych trifft. Im September sind die Tschechen im Daviscup-Playoff in Liberec Gegner der deutschen Mannschaft. "Da will ich ihm schon mal ein bisschen Angst machen", verriet Kohlschreiber mit einem Augenzwinkern.
Schüttler-Coach Hordorff kümmert sich um Thron
Wenn Joschi Thron den eingeschlagenen Weg konsequent weitergeht, wird er in einigen Jahren auch so manchem Gegner Angst machen. Seit einigen Wochen trainiert der drahtige, aber noch zu schmächtige Junge bei Rainer Schüttlers langjährigem Coach Dirk Hordorff. "Das ist für mich die beste Sache überhaupt, dass sich so ein Weltklassemann wie Dirk um mich kümmert", sagte er fast ehrfürchtig. Knapp anderthalb Jahre war er bei Nick Bollettieri in Florida, aber "das hat nicht so gut hingehauen". Der Massenbetrieb in Bradenton war so gar nicht nach Joschis Geschmack, da gefällt ihm die individuelle Betreuung bei Dirk Hordorff besser.
In Wimbledon wohnte er mit Hordorff und dessen Trainingsgruppe um Rainer Schüttler und Lars Burgsmüller zusammen in einem Haus und kam so auch in den Genuss, mit Mentalcoach Alberto Castellani zu arbeiten. "Wir haben oft Entspannungsübungen gemacht, und abends hat Alberto gekocht", berichtete Thron. Auch Kunst und Kultur standen auf dem Programm des Italieners, der seine Schützlinge mitunter sogar Gedichte schreiben und Skulpturen basteln lässt. Das allerdings, findet Thron, "ist mir nicht so gut gelungen".
Auf dem Stuttgarter Centre Court gelang ihm am Montag auch bei weitem nicht alles, dennoch deutete Thron an, welches Potenzial in ihm steckt. Sein erster Aufschlag rauscht nicht selten mit mehr als 200 km/h über das Netz, er spielt aggressiv, mit hohem Risiko und viel Ballgefühl, und er beherrscht den Flirt mit dem Publikum, das ihm per Internet-Voting zur Wildcard in Stuttgart verholfen hatte.
Immer wieder ballte er nach gelungenen Bällen die Faust, animierte die Zuschauer, ihn zu unterstützen und kämpfte verbissen bis zum letzten Punkt. Manchmal überpowerte Thron ein bisschen, was aber auch daran lag, dass er vor dem Match und im ersten Satz "so tierisch nervös" war. Beim Frühstück hatte er vor lauter Aufregung kaum einen Ton herausgebracht, nach dem Match sprudelte es dann nur so aus ihm heraus.
Ziemlich platt
Am Ende war der Joschi dann "ziemlich platt, das gebe ich zu". In Stuttgart, so hatte Dirk Hordorff vorgegeben, sollte er erkennen, was ihm alles noch fehlt, und das war dann doch so einiges. "Ich kann noch nicht so schnell und so lange laufen und Power machen, dazu fehlt mir noch die Kraft", sagte Thron, der im Ranking der ATP derzeit die Nummer 1400 ist und möglichst bald in die Top 100 mit Blickrichtung Top Ten will. Deshalb wird er bis Freitag vor Ort bleiben, auf dem Weissenhof mit den Stars der Szene trainieren und von ihnen lernen.
In der nächsten Woche geht es dann zurück auf die harte Tour, Thron spielt ein Future-Turnier in der Nähe von Frankfurt/Main. Sein Weg ist noch weit, aber der blonde Joschi hat ihn klar und deutlich vor Augen.
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