Nach Achtelfinal-Aus: Kohlschreiber mit Start ins Jahr zufrieden
zuletzt aktualisiert: 24.01.2005 - 14:02Melbourne (rpo). Die Australien Open sind für Philipp Kohlschreiber beendet. Die letzte deutsche Tennis-Hoffnung ist beim ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres im Achtelfinale am US-Amerikaner Andy Roddick gescheitert.
Ein Ball für die Galerie, eine vergebene Chance im Tiebreak und ein letzter Gruß für die Zuschauer, dann war der Melbourne-Traum für Philipp Kohlschreiber beendet. Am Tag, als Australiens große Hoffnungen Lleyton Hewitt und Alicia Molik erstmals das Viertelfinale bei den Australian Open erreichten, verabschiedete sich der letzte Deutsche mit einer 3:6, 6:7 (6:8), 1: 6-Niederlage gegen Andy Roddick (USA) vom ersten Grand Slam des Jahres. "Heute habe ich keine Lösung gegen seinen Aufschlag gefunden. Aber auch ein Andy Roddick ist auf jeden Fall machbar. Da fehlt es an Kleinigkeiten", sagte Kohlschreiber.
"Ich wollte ihn wegschießen"
Ärgerlich über die vergebenen Möglichkeiten im bisher größten Match seiner Karriere, aber auch voller Selbstvertrauen für die Zukunft packte der 21-Jährige seine Koffer. "Ich wollte ihn wegschießen und habe viel zu schnell versucht, die Punkte zu machen. Ich hätte mehr abwarten müssen", meinte Kohlschreiber: "Aber das war ein toller Start ins neue Jahr. Darauf baue ich auf. Jetzt will ich öfter auf die großen Courts."
Eine kleine deutsche Fankolonie unter den rund 9000 Zuschauern auf Court 2 feuerte Kohlschreiber mit Sprechchören an, und als er den Ball im zweiten Satz im Sprung mit dem Schläger von hinten durch die Beine noch ins Feld zurückspielte, waren auch die Australier hingerissen von dem Nobody aus Deutschland. Als Nummer 102 der Welt war Kohlschreiber in seine ersten Australian Open gegangen, dem 100 Plätze höher notierten Roddick reichte schließlich ein durchwachsenes Spiel zum Einzug ins Viertelfinale gegen den Russen Nikolaj Dawydenko.
"Andy hat die ganze Zeit nur abgewartet. Ich habe ihm leider den Gefallen getan und die Fehler gemacht. Aber zwei Sätze lang habe ich mich gut präsentiert. Erst im dritten war er zu übermächtig", meinte Kohlschreiber. Vor allem im Tiebreak des zweiten Satzes hatte er bei einer 3:1-Führung seine Chancen: "Da war ich dann wieder zu hastig."
Die einzige Breakchance hatte sich Kohlschreiber gegen Aufschlagweltrekordler Roddick (249 km/h) zu Beginn des zweiten Satzes erarbeitet. "Ich werde Andy fragen, ob wir nicht öfter mal trainieren können. Dann gewöhne ich mich vielleicht an solche Aufschläge", meinte der Bayern-München-Fan.
Hewitt siegt im Krimi
Einen großen Kraftakt und ganz starke Nerven brauchte unterdessen Lleyton Hewitt, um beim neunten Anlauf erstmals die Runde der letzten Acht bei seinem Heimturnier zu erreichen. Das 18 Jahre alte spanische Supertalent Rafael Nadal verlangte dem 23-Jährigen beim 7:5, 3:6, 1:6, 7:6 (7:3), 6:2 fast vier Stunden lang alles ab. "Das war ein ganz großer Sieg für mich. Aber meine Arbeit hier ist noch nicht beendet", sagte Hewitt. Der frühere Wimbledon-Champion trifft nun auf den Sieger des argentinischen Duells zwischen French-Open-Finalist Guillermo Coria und David Nalbandian.
Wenige Stunden nach Hewitts Erfolg machte Alicia Molik zum ersten Mal nach 1988 den Einzug eines australischen Duos ins Viertelfinale perfekt. Die Olympia-Dritte von Athen bezwang Venus Williams aus den USA 7:5, 7:6 (7:3) und fordert nun die topgesetzte Lindsay Davenport (USA). "Das wird ein harter Tag für Lindsay. Ich gebe mein Bestes", meinte Molik. Davenport hatte die Runde der letzten Acht durch einen 6:2, 6:2-Erfolg über Karolina Sprem (Kroatien) erreicht.
Als erste Grand-Slam-Siegerin des vergangenen Jahres verabschiedete sich am Montag Anastasia Myskina aus Russland. Die French-Open-Gewinnerin verlor 4:6, 2:6 gegen die Französin Nathalie Dechy, die es nun mit Vorjahres-Halbfinalistin Patty Schnyder zu tun bekommt. Die Schweizerin besiegte Jelena Dementjewa aus Russland 6:7 (6:8), 7:6 (7:4), 6:2. Insgesamt hatten sieben Russinnen und damit so viel wie nie zuvor bei einem Grand-Slam-Turnier das Achtelfinale erreicht.
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