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Tischtennis: Krise beim Deutschen Tischtennis-Bund

zuletzt aktualisiert: 03.04.2005 - 13:10

Aarhus (rpo). Der Deutsche Tischtennis-Bund (DTTB) befindet sich nach dem schwachen Abschneiden bei der EM in Aarhus in der Krise. Nicht zuletzt wegen enttäuschender Vorstellungen des Weltranglistenvierten Timo Boll in Mannschaft (Viertelfinale) und Einzel (Achtelfinale) kehrt der DTTB nur mit Bronze für das Doppel Boll/Christian Süß (Gönnern/Düsseldorf) aus Dänemark zurück und beklagt damit die schlechteste Bilanz seit 1988.

Erstmals seit 19 Jahren blieb der DTTB in den Einzeln ohne Edelmetall. "Wir gehören zu den Verlierern der EM", konstatierte Cheftrainer Dirk Schimmelpfennig ernüchtert.

Boll, im Einzel wieder von Europe Top 12-Sieger Alexei Smirnow (Russland) entzaubert und damit zum dritten Mal in Folge nach der WM 2003 in Paris und Olympia 2004 in Athen bei einem Top-Turnier ohne Medaille, ließ die Pleite allerdings kalt. "Mein Saisonhöhepunkt ist die Einzel-WM in vier Wochen in Schanghai, deswegen bin ich recht locker in das Turnier gegangen. Vielleicht habe ich auch die eine oder andere Trainingseinheit ausgelassen, die ich vor einer WM absolviert hätte", meinte der 24-Jährige gelassen.

Boll vor Siegerehrung abgereist

Bolls ganz persönliche Einstellung zum Thema Teamgeist wurde auch dadurch dokumentiert, dass er noch vor der Siegerehrung am Sonntagnachmittag abreiste und sein Doppelpartner Christian Süß beide Medaillen entgegennahm. "Timo Boll hat am Montagmorgen einen wichtigen Arzttermin", lautete die offizielle Begründung des DTTB für den in der 47-jährigen EM-Geschichte einmaligen Vorgang. Bekannt ist aber auch, dass für Boll am Montagvormittag ein Sponsoren-Termin auf dem Programm steht.

Der abgestürzte Titelfavorit sah sich in seiner Rolle als Spitzenspieler trotz des enormen Drucks auf das gesamte Team nach der Bauchlandung im Mannschafts-Turnier nicht in der Verantwortung: "Es ist schwierig, einen Gang hochzuschalten, nur um die Lage freundlicher zu gestalten."

"Ich bin nur Spieler"

Im Gegensatz zu seinen Kollegen und den Trainern, die nach der gescheiterten Operation Gold den Schulterschluss vollzogen hatten, hielt sich Boll auch aus der weiter laufenden Diskussion über die Nominierung des EM-Kaders raus: "Das ist Sache der Trainer. Ich bin nur Spieler."

Mehr Rückgrat bewiesen die Coaches. "Wir brauchen die WM nicht als Ausrede: Wir haben unsere Ziele, die mit einem Titel bei den Herren und einer Medaille bei den Damen realistisch gesteckt waren, nicht erreicht", erklärte Schimmelpfennig: "Als Cheftrainer halte ich dafür auch den Kopf hin."

Personelle Konsequenzen schloss der Kölner aber aus: "Genauso wenig, wie ich mich nach der Silbermedaille bei der Mannschafts-WM 2004 in Doha im offenen Wagen durch Frankfurt habe fahren lassen oder einen Vertrag auf Lebenszeit bekommen habe, genauso wenig beabsichtige ich jetzt zurückzutreten." Rückendeckung bekamen alle Trainer von DTTB-Vizepräsident Eberhard Schöler. "Ich bin auch unzufrieden. Aber ich kenne keine Überlegungen, sich von einem Trainer zu trennen", sagte der frühere WM-Zweite.

Schimmelpfennig nannte in seiner Analyse für das Scheitern der EM-Mission, bei der Rekordmeisterin Nicole Struse (Kroppach) und Zoltan Fejer-Konnerth (Grenzau) im Einzel-Viertelfinale die letzten Medaillenchancen vergaben, mehrere Gründe: "Nach dem Mannschafts-Turnier ist es uns nicht gelungen, den Druck abzubauen. Generell haben wir außerdem die schwierige Situation der momentanen Umbruchphase nicht bewältigt. Wir haben auch zu knapp nominiert."

Nach Schanghai soll alle Konzentration der Mannschafts-WM 2006 in Bremen gelten. Wichtige Rollen in den Planungen dafür spielen die Düsseldorfer Christian Süß und Bastian Steger sowie Kristin Silbereisen (Homberg), die in Aarhus trotz früher Niederlagen spielerisch überzeugten. Schimmelpfennig: "Die Zeit des Doha-Teams ist in Aarhus zu Ende gegangen. Wir haben das Potenzial, für Bremen starke Mannschaften aufbieten zu können."

Quelle: sid

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