Mutola rennt wieder allen davon: Lars Riedel entthront
zuletzt aktualisiert: 26.08.2003 - 21:41Paris (rpo). Lars Riedel ist es am Dienstagabend in Paris nicht geglückt, seine sagenhafte Medaillensammlung bei Leichathletik-Weltmeisterschaften weiter aufzustocken. Der Mann mit dem "goldenen Arm" griff dieses Mal ins Leere und musste sich mit dem vierten Platz begnügen.
Diskuswerfer Lars Riedel wurde in Paris nach fünf Titeln seit 1991 entthront und blieb bei seiner siebten WM-Teilnahme erstmals ohne Medaille. Der 36-jährige Chemnitzer musste sich vor 45 000 Zuschauern im Stade de France mit 66,28 m Olympiasieger Virgilius Alekna (Litauen/69,69), Europameister Robert Fazekas (Ungarn/69,01) und dem Weißrussen Wasili Kaptjuch (66,51) geschlagen geben.
Auch der Wattenscheider Michael Möllenbeck ging als Fünfter leer aus. "In Athen sehen wir uns wieder. Ich bin nicht unzufrieden", meinte Riedel, der sich nach seiner Verletzungspause im letzten Jahr trotzdem eindrucksvoll zurück gemeldet hat.
Niederlage aus dem eigenen Lager
Die Seriensieger aus Kenia mussten über 3000 m Hindernis nach sechs Triumphen eine Niederlage aus dem eigenen Lager hinnehmen: Der erst vor zwei Wochen in Katar eingebürgerte Saif Saaeed Shaheen, der für Kenia unter dem Namen Stephen Cherono startete, bezwang im Endspurt nach 8:04,39 Minuten seinen früheren Teamkollegen Ezekiel Kemboi. Bronze holte überraschend der Spanier Eliseo Martin.
Mosambiks 800-m-Königin Maria Mutola wurde ihrer Favoritenrolle gerecht und verteidigte ihren Titel erfolgreich. Die Olympiasiegerin lag nach 1:59,89 Minuten vor der Britin Kelly Holmes und der Russin Natalja Kruscheljowa. Für die Leverkusenerin Claudia Gesell platzte hingegen der Traum vom Treppchen. Die frühere Junioren-Weltmeisterin kam trotz des Ausfalls der hoch gehandelten Österreicherin Stephanie Graf nur auf den fünften Platz. "Jeder sprach von einer Medaille. Ich war da vorsichtiger", meinte sie.
Nur noch Tim Lobinger im Rennen
Im Dreisprung triumphierte wie schon vor zwei Jahren in Edmonton die Russin Tatjana Lebedewa mit 15,18 m vor Francoise Mbango aus Kamerun (15,05). Bronze gewann die Italienerin Magdelin Martinez. Einen amerikanischen Doppelsieg gab es über die Stadionrunde: Jerome Young gewann in 44,70 Sekunden vor Tyree Washington. Marc Raquil holte als Dritter überraschend die erste Medaille für Frankreich.
Das deutsche Stabhochsprung-Trio hat sich nach der Qualifikation auf Hallen-Weltmeister Tim Lobinger reduziert. Richard Spiegelburg scheiterte mit einem "Salto Nullo" an seiner Anfangshöhe von 5,35 m. Vize-Europameister Lars Börgeling (ebenfalls Leverkusen) reichten 5,60 m nicht. Hingegen beendete der Kölner Lobinger das Zitterspiel mit übersprungenen 5,70 m und hofft nun im Finale am Donnerstag auf eine Medaille. "Es wird sicherlich sehr schwer, aber ich hoffe, die anderen überraschen zu können", sagte er.
Die jungen Zehnkämpfer rütteln derweil am Thron von "König" Roman Sebrle. Nach anfänglichen Schwächen lag der 28 Jahre alte Weltrekordler und Europameister aus Tschechien am Ende des ersten Tages und fünf Disziplinen mit 4423 Punkten nur auf dem dritten Platz. Die Führung hatte völlig überraschend der erst 22 Jahre alte Kasache Dimitri Karpow (4599) vor Hallen-Weltmeister Tom Pappas (4546) aus den USA übernommen.
Hammerwerferin Susanne Keil qualifiziert
Sebrle-Landsmann und Titelverteidiger Tomas Dvorak kam als Sechster nicht richtig in Schwung, Olympiasieger Erki Nool schied nach drei Disziplinen verletzt aus. Andre Niklaus, der einzige deutsche Teilnehmer und zweimalige Junioren-Europameister, kämpfte bei seiner WM-Premiere noch um den Anschluss und kam zunächst mit 3996 Punkten auf den neunten Rang.
Das 5000-m-Finale verpasst hat die Frankfurterin Irina Mikitenko als Neunte in ihrem Vorlauf und 15:06,97 Minuten. Eine herbe Enttäuschung für die WM-Vierte von 1999 und -Fünfte von 2001. Ihre Medaillenchancen wahrte hingegen Hammerwerferin Susanne Keil: Die deutsche Rekordhalterin und Meisterin qualifizierte sich ebenso für die Entscheidung am Donnerstag wie ihre Frankfurter Clubkollegin Betty Heidler.
Ein Happy-End gab es für Heike Meißner: Dem Protest des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) gegen ihre Disqualifikation im Halbfinale wurde stattgegeben, so dass die Chemnitzerin nun im Endlauf über 400 m Hürden starten kann.
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