Vorwurf des Minderjährigen-Dopings: Leichtathletik-Coach Springstein schweigt weiter
zuletzt aktualisiert: 04.10.2004 - 15:27Düsseldorf (rpo). Mit einer Stellungnahme von Leichtathletik-Coach Thomas Springstein zum Vorwurf des Dopings von Minderjährigen ist bis zum Ende der Woche nicht zu rechnen. "Ich werde in den nächsten Tagen die Akten der Staatsanwaltschaft einsehen und dann gegen die unberechtigte Strafanzeige vorgehen", kündigte Springsteins Anwalt, der ehemalige DDR-Innenminister Peter-Michael Diestel, am Montag an.
Der Anwalt des 46-Jährigen, der "jede Menge falscher Vorwürfe" gegen seinen Mandanten sieht und ankündigte, Springstein werde beim SC Magdeburg seine Tätigkeit in bisheriger Form bald wieder aufnehmen, hat sich nun festgelegt, dass die am Dienstag bei der Hausdurchsuchung bei Thomas Springstein gefundenen Dopingmittel (Andriol) "ausschließlich zum Eigengebrauch" des Trainers benutzt wurden. Diestel hatte schon vor Tagen erklärt, sein Mandant habe nie Dopingmittel weitergegeben, "schon gar nicht an junge Menschen".
Laut dem Heidelberger Wissenschaftler Prof. Werner Franke, Experte in Sachen Doping, irrt er in diesem Punkt. Die frühere Sprinterin Frauke Tuttas habe gegenüber der Staatsanwaltschaft Berlin schon am 25. November 1997 erklärt, Springstein habe ihr 1985-88 bereits anabole Steroide (Oral-Turinabol und Mestanolol) gegeben. Laut "Berliner Zeitung" war das bereits im Vernehmungsprotokoll der Zentralen Ermittlungsstelle für Regierungs- und Vereinigungskriminalität von 1997 dokumentiert.
Ein bis zehn Jahre Haft möglich
Würde sich im aktuellen Fall herausstellen, dass Springstein Dopingmittel an Minderjährige weitergab, würde ihm eine Haftstrafe zwischen einem Jahr (dann Bewährung möglich) und zehn Jahren drohen. Beschuldigt worden war Springstein von Sprinterin Anne-Kathrin Elbe. Die 17-Jährige hatte Springstein im Sommer verlassen und war zu Bayer Leverkusen gewechselt.
Nicht belastet wird Springstein offenbar durch die vier anderen Athletinnen seiner Gruppe, die nun bei Carla Bodendorf trainieren, der Olympiasiegerin von Montreal 1976 mit der DDR-Staffel über 4x100 m. Laut "Magdeburger Volksstimme" erklärten die Mädchen und auch deren Eltern, die Vorwürfe gegen Springstein könnten sie nicht bestätigen.
Während Springstein beim SC Magdeburg entlassen worden war, sollen 800-m-Olympiasieger Nils Schumann und Grit Breuer ein neues Vertragsangebot des Vereins erhalten. Doch es scheint äußerst fraglich, ob beide bleiben wollen. Schumanns vordringliches Problem ist es derzeit allerdings, einen neuen Trainer zu finden. Zu Dieter Hermann, der ihn zum Europameister und Olympiasieger machte, führt wohl kein Weg mehr zurück.
Frist für Breuer
Grit Breuer, die sich vor dem Griechenland-Urlaub offenbar nicht ordnungsgemäß abgemeldet hatte und am Mittwoch nicht für eine Zielkontrolle durch die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) erreichbar war, wird ebenfalls von Diestel vertreten. "Der DLV hat sie per 30. September angeschrieben, sie hat 14 Tage Zeit, sich zu äußern", erklärte Peter Schmitt als Medienchef des Verbandes. Der 400-m-Vize-Europameisterin droht dabei nur eine Verwarnung, da es sich um ein Erstdelikt handelt.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







