Heike Drechsler muss noch bangen: Leichtathletik: Wer fährt nach Athen?
zuletzt aktualisiert: 13.06.2004 - 17:23Erfurt (rpo). Zehn Wochen vor Olympia waren beim Leichtahletik-Meeting in Erfurt etliche Olympiatickets des DLV zu vergeben. Immerhin erhöhte sich die Zahl der Athen-Reisenden auf 46, aber einige große Namen fehlen noch auf der Liste.
Beim Meeting des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) in Erfurt buchten 400-m-Europameister Ingo Schultz, 800-m-Läufer Rene Herms und Sprinterin Sina Schielke ihre Tickets für Athen und erhöhten die Zahl der Einzelstarter auf 46. "Wir dürfen jetzt mit einem Team von 70 Athleten rechnen", sagte DLV-Cheftrainer Bernd Schubert, zu dessen Sorgenkindern jedoch mehrere große Namen zählen.
Besonders groß war die Erleichterung bei Ingo Schultz nach der Pleitensaison 2003 mit Pfeifferschem Drüsenfieber. Zwar verlor der einzige amtierende deutsche Einzel-Europameister die Revanche für das EM-Finale von 2002 in 45,49 Sekunden gegen den Spanier David Canal (45,06), blieb aber erstmals unter der für die Olympiateilnahme geforderten Zeit (45,55). "Die Norm ist geschafft. Das ist die Hauptsache", meinte der 28-jährige Hamburger: "Für Athen bin ich voll im Plan."
Heike Drechsler enttäuscht
Rene Herms unterbot in 1:45,54 Minuten den Athen-Richtwert (1: 46,00) im Sog von Frankreichs 1500-m-Europameister Mehdi Baala, der gerade zwei Hundertstelsekunden Vorsprung vor dem deutschen Meister ins Ziel rettete. "Jetzt will ich in Athen ins Finale. Dann ist alles drin", sagte Herms. Die Dortmunderin Sina Schielke blieb in 11,21 Sekunden als 100-m-Siegerin bei zulässigem Rückenwind von 1,5 m/s neun Hunderstel unter der Athen-Norm.
Heike Drechsler hingegen sowie weitere Etablierte machen dem DLV weiterhin Sorgen. Die inzwischen 39 Jahre alte zweimalige Weitsprung-Olympiasiegerin enttäuschte auf Rang sechs mit 6,38 m, hat die Hoffnung auf Athen aber noch nicht aufgegeben: "Ich bleibe optimistisch, denn die Power ist da. Ich denke, dass ich in wenigen Tagen 6,60 m bis 6,70 m springen kann."
Annika Becker setzt auf Zeit
Kaum verbessert präsentierte sich auch Stabhochspringerin Annika Becker. Die WM-Zweite aus Erfurt meinte nach Platz vier mit bescheidenen 4,20 m unter Hinweis auf ihren schweren Trainingsunfall vom Februar: "Mir fehlen einfach noch viele Sprünge und damit die Technik. Aber bis Athen ist ja noch Zeit."
Bei weiteren Arrivierten hakt es nach wie vor. Die WM-Dritte Steffi Nerius meinte nach enttäuschenden 62,15 m mit dem Speer: "Ich dachte, ich bin im falschen Film. Irgendwie ist der Wurm drin. " Atlanta-Olympiasiegerin Astrid Kumbernuss kündigte ihren nächsten Start erst für die DM in Braunschweig (10./11. Juli) an. Kaum besser erging es dem fünfmaligen Diskus-Weltmeister Lars Riedel, der mit 63,26 m das Europacup-Ticket an Michael Möllenbeck (66,36) verlor und nach vier Durchgängen kommentarlos das Stadion verließ.
Salto "nullo"
Der Kölner 6-m-Stabhochspringer Tim Lobinger leistete sich einen "salto nullo" bei seiner Anfangshöhe von 5,50 m, die Kollegen in der deutschen Vorzeigedisziplin boten beim Sieg von Australiens Ex-Weltmeister Dmitri Markow (5,75) ebenfalls wenig Erbauliches. Der EM-Zweite Lars Börgeling und Björn Otto (beide 5,50) belegten die Plätze drei und vier vor Richard Spiegelburg (5,40).
Nur rund 2000 Zuschauer, darunter IOC-Vizepräsident Thomas Bach, bildeten im Steigerwaldstadion eine spärliche Kulisse für das 400.000 Euro teure DLV-Sportfest, das von Dortmund nach Erfurt gewechselt war. Für das international hochkarätigste Ergebnis sorgte Russlands 400-m-Hürdenweltrekordlerin Julia Petschonkina in 53,78 Sekunden.
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