Zu hohe Belastung?: Marathon als Hitzeschlacht
VON MARTIN BEILS - zuletzt aktualisiert: 26.04.2007 - 10:55Düsseldorf (RP). In Rotterdam musste das Rennen abgebrochen werden, in London musste jeder siebte Läufer Hilfe von Ärzten oder Sanitätern in Anspruch nehmen. Bei fast 30 Grad kommen jetzt in Duisburg hohe Belastungen auf die Starter zu.
Duisburg Olympische Spiele 1900 in Paris. Von Temperaturen bis 39 Grad berichten die Sportgeschichtsbücher. Der heißeste Marathon der olympischen Historie, heißt es. Dass der Luxemburger Michel Théato gewann, sei kein Zufall gewesen. Als Bäckerjunge, der die Arbeit am Ofen gewohnt war, habe er die Hitze am besten vertragen können.
Ganz so heiß wie damals in der hochsommerlichen französischen Hauptstadt ist es zwar noch nicht, die ungewöhnliche Hitze in diesem Frühling wirkt sich aber auch auf die Marathonläufe in diesen Wochen aus. 5054 der 36936 Starter am vergangenen Sonntag in London - fast jeder siebte also - nahmen die Hilfe von Ärzten oder Sanitätern in Anspruch. 69 Läufer mussten ins Krankenhaus gebracht werden. Einer starb.
Allerdings ist ein Zusammenhang zwischen dem Todesfall und der Hitze bislang höchstens eine Mutmaßung. Der 22-Jährige war das neunte Todesopfer seit dem ersten London-Marathon im Jahr 1981.
Dabei kletterten die Temperaturen gar nicht übermäßig, in der britischen Hauptstadt wurden zur Mittagszeit eigentlich noch erträgliche 21 Grad gemessen. Das Problem: Die Läufer haben sich zu dieser Jahreszeit noch nicht an Temperaturen in diesem Bereich gewöhnt.
Am Wochenende zuvor mussten die Organisatoren den Wettbewerb in Rotterdam sogar abbrechen, nachdem 14 Läufer und 19 Zuschauer kollabiert waren, zwei Sportler wurden mit Verdacht auf Herzinfarkt in Kliniken gebracht. An der Strecke stand nicht ausreichend Trinkwasser für die Athleten bereit.
„Das kann uns sicher nicht passieren“, meint Christoph Gehrt-Bury, dessen Team vom Stadtsportbund Duisburg am Sonntag den 24. Rhein-Ruhr-Marathon ausrichtet. Dieser bildet den Anfang einer Serie von drei großen Läufen im Westen - mit Düsseldorf und dem Ruhr-Marathon von Oberhausen und Dortmund nach Essen an den beiden folgenden Sonntagen.
„Wir haben in Duisburg 17 Verpflegungsstationen, alle zwei bis zweieinhalb Kilometer einen. So viele bietet wohl kein anderer Marathon an“, sagt Gehrt-Burys Kollege Uwe Busch, dessen Crew 200.000 Becher bereit hält. Die Duisburger haben Erfahrung mit hohen Temperaturen, weil ihr Rennen in der Vergangenheit immer erst Ende Mai stattfand. Busch geht davon aus, dass bei Freibad-Wetter rund zehn Prozent der 5000 angemeldeten Läufer auf den Start verzichten werden , weil sie ihren Körper der außergewöhnlich hohen Belastung nicht aussetzen wollen.
Den Sportlern soll in Duisburg der frühere Start um 9.15 Uhr zugute kommen. Busch: „Bis es richtig heiß ist, sind die meisten im Ziel.“ In der MSV-Arena winkt der Lohn. „Viele Läufer freuen sich auf das kühle Pils“, weiß Gehrt-Bury, „sie wissen aber auch: Mehr als ein Glas sollte es nicht sein.“ Besonders bei diesen Temperaturen.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







