Weltrekordjagd beim Golden League-Finale in Brüssel: Maria Mutola läuft um eine Million
zuletzt aktualisiert: 04.09.2003 - 11:17Stuttgart (rpo). Wenn man sie bislang in der Golden League oder bei der WM in Paris gesehen hat, kann man an einem erneuten 800-m-Erfolg von Weltmeisterin Maria Mutola eigentlich nicht zweifeln. Beim Golden-League- Finale am Freitag in Brüssel würde das bedeuten: Die Läuferin aus Mosambik kassiert eine Million US-Dollar.
Maria Mutola will in zwei Minuten eine Million US-Dollar (880.000 Euro) verdienen, Haile Gebrselassie den 18. Weltrekord seiner sagenhaften Läuferkarriere aufstellen und Hestrie Cloete so hoch hinaus wie keine Frau vor ihr. Für das Golden-League- Finale am Freitag in Brüssel haben die Leichtathletik-Stars eine Woche nach den Weltmeisterschaften in Paris eine Show der Superlative angesagt. Vor allem für Mosambiks 800-m-Ass Maria Mutola ist der rote Teppich ausgerollt und die Bahn mit Geldscheinen gepflastert. Doch die 30-Jährige ahnt: "Das wird das schwerste Rennen meines Lebens."
1997 hatte der kanadische Sprintstart Donovan Bailey in Toronto 500 000 Dollar Startgeld und eine Million Siegesprämie kassiert für ein Duell über 150 m gegen Doppel-Olympiasieger Michael Johnson (USA). Bei der etwas merkwürdigen Veranstaltung ging es darum, wer definitiv der schnellste Mann der Welt ist. Einen offiziellen Charakter hat der höchstdotierte Lauf in der Geschichte des Weltverbandes IAAF: Wenn Mutola nach Oslo, Paris, Rom, Berlin und Zürich auch bei der sechsten Station der Golden-League-Sportfeste gewinnt, würde sie als erste Leichtathletin überhaupt ganz allein den Jackpot knacken. Um den Deal perfekt zu machen, müsste sie nur noch beim Grand-Prix-Finale am 13./14. September in Monte Carlo antreten - zur Not könnte sich sich aber dort für die zwei Runden 20 Minuten Zeit lassen.
Noch immer ungeschlagen
Die Olympiasiegerin reist mit der Empfehlung ihres dritten WM- Titels nach Brüssel und ist in diesem Jahr in 16 Rennen (Halle und Freiluft) ungeschlagen. Jetzt will Maria Mutola noch einmal ordentlich Fersengeld geben. Ihre Konkurrentinnen gehen den Wettkampf mit etwas komischen Gefühlen an. "Das wäre ein Ding, wenn wir ihr den Jackpot vermasseln würden", sagt die deutsche Meisterin Claudia Gesell (Leverkusen).
Beim "Memorial Van Damme" hat auch Gebrselassie Großes vor. "Ich will den Weltrekord über 10 000 m angreifen", kündigte der kleine Äthiopier an, der die bisherige Bestmarke (26:22,75 Minuten/1998 in Hengelo) selbst hält. Da Gebrselassie mit 30 seine allerbesten Zeiten hinter sich zu haben scheint, wird solch ein Coup eher Hicham El Guerrouj zugetraut. Der marokkanische Mittelstreckenkönig wagt sich über 3000 m an die sieben Jahre alte Bestmarke des Kenianers Daniel Komen (7:20,67). Den bereits 16 Jahre alten Hochsprung-Weltrekord der Bulgarin Stefka Kostadinowa (2,09 m) will Weltmeisterin Hestrie Cloete aus Südafrika knacken.
Ungeachtet ihres Sündenfalls hat Doppel-Sprintweltmeisterin Kelli White, die in Paris positiv auf das Stimulanzium Modafinil getestet wurde und wohl mit einer Verwarnung davon kommt, ihren Start angekündigt. "Ich bin hier, um meinen Job zu machen", meinte die 26- jährige Amerikanerin. Ihr Freund, der Speerwerfer Boris Henry (Saarbrücken), gehört zu den wenigen deutschen Teilnehmern in Brüssel. Der WM-Dritte, seine Disziplinkollegin Steffi Nerius oder Stabhochspringer Tim Lobinger könnten für den zweiten Golden-League- Sieg eines Deutschen in diesem Jahr sorgen. Bisher hatte nur Speerwerfer-Oldie Raymond Hecht beim ISTAF in Berlin gewonnen.
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