Davis Cup: Mayer verhindert Fehlstart für DTB-Team
zuletzt aktualisiert: 22.09.2006 - 18:43Düsseldorf (rpo). Florian Mayer konnte den peinlichen Patzer von Tommy Haas ausgleichen und somit einen kompleten Fehlstart des deutschen Daviscup-Teams verhindern. Beim Playoff gegen Thailand in Düsseldorf steht es somit 1:1-Unentschieden.
Mayer gewann sein Einzel gegen Thailands Weltklassemann Paradorn Srichaphan mit 3:6, 7:6 (7:4), 3:6, 6:2, 6:3, nachdem Haas beim 3:6, 6:2, 6:7 (6:8), 6:3, 3:6 gegen den in der Weltrangliste 100 Plätze hinter ihm notierten Danai Udomchoke eine fast schon sensationelle Niederlage kassiert hatte. Am Samstag treten Alexander Waske (Frankfurt/Main) und Michael Kohlmann im Doppel gegen die Zwillinge Sonchat und Sanchai Ratiwatana an.
"Vielleicht war das meine schlimmste Niederlage, wenn wir am Ende absteigen, mit Sicherheit", murmelte Haas, den Schirm seiner Basecap tief ins Gesicht gezogen, und rätselte über die Gründe für das Scheitern: "Ich habe keine Erklärung, und ich weiß auch nicht, warum ich mich Ende des dritten Satzes plötzlich so schlapp gefühlt habe." Nach 3:20 Stunden Spielzeit gegen Udomchoke sei er noch nicht mal mehr in der Lage gewesen, Wut und Enttäuschung in der Kabine in irgendeiner Weise Ausdruck zu verleihen: "Dazu hatte ich keine Kraft mehr."
Dabei hatte Haas einen Blitzstart vorgelegt. Nach wenigen Minuten stand es bereits 3:0 für den Deutschen, dann drehte der 25-jährige Thai auf, gewann sechs Spiele in Folge und demzufolge auch den ersten Satz mit 6:3. Von diesem Schreck erholte Haas sich noch vergleichsweise schnell, er gewann den zweiten Durchgang mit 6: 2, ließ sich aber im dritten Satz in den Tiebreak drängen, in dem er zwei Satzbälle vergab und Udomchoke damit die 2:1-Satzführung ermöglichte. "Wenn ich den Tiebreak gewinne, dann gewinne ich auch das Match", sagte Haas, der "keine Ahnung" hatte, warum ihm das nicht gelungen war.
Der wieselflinke Asiate spielte keinesfalls Weltklassetennis, doch Haas ermöglichte es ihm durch viele eigene Fehler, das Kommando auf dem Platz zu übernehmen, und gab das auch ausgesprochen selbstkritisch zu: "Ich habe ihm doch erst erlaubt, die Punkte zu machen." Der Deutsche, der in diesem Jahr bereits drei Turniere gewonnen hat und sich sogar noch Chancen auf die Teilnahme am Masters-Cup im November in Schanghai ausrechnen darf, offenbarte ab dem dritten Satz erhebliche körperliche Schwächen. Immer wieder ließ sich Haas von Physiotherapeut Klaus Eder an beiden Oberschenkeln behandeln, machte Dehnübungen zwischen den Ballwechseln und war nach langen Ralleys sichtbar mit seinen Kräften am Ende.
Klaus Eder rang nach dem Match um Erklärungsversuche, war aber offenbar ratlos. "Die Hitze, der Jetlag, da kommt vieles zusammen", meinte er, schien aber von den eigenen Worten wenig überzeugt. Immerhin ist Haas bereits seit einer Woche in Deutschland, mutßmaßte aber selbst, nach den kräftezehrenden US Open möglicherweise nicht lange genug regeneriert zu haben. Im Training in Düsseldorf waren allerdings keine körperlichen Beschwerden aufgetreten: "Ich habe mich die ganze Woche gut gefühlt."
Bei Udomchoke, der in den vergangenen drei Jahren insgesamt nur vier Matches auf Sand bestritt und alle verlor, war von Müdigkeit und Erschöpfung nichts zu spüren. "Ich wollte einfach mitspielen und versuchen, auf Tommys Niveau zu kommen", sagte er nach dem "größten Sieg meiner Karriere" bescheiden. Haas allerdings spielte an diesem sonnigen Tag im Rochusclub meilenweit unter seinem üblichen Niveau: "Ich hatte unglaublich schwere Beine, vielleicht waren es auch die ungewohnten Rutschbewegungen auf Sand."
An der Entscheidung, auf der eigentlich ungeliebten roten Asche zu spielen, sei er allerdings beteiligt gewesen: "Ich war auch dafür, denn eigentlich spielen die Thais auf Asche wirklich nicht so gut." Mit dieser Einschätzung hatte schon Boris Becker in seiner Handelsblatt-Kolumne am Freitag glorios danebengelegen: "Die Platzwahl war exzellent, denn die Thailänder sind auf Sand ausgesprochen schwach."
Florian Mayer ging mit einer schweren Bürde ins zweite Einzel gegen Paradorn Srichaphan, rang die einstige Nummer neun der Welt aber in fünf Sätzen nieder. "Wir sind hergekommen, um wenigstens einen Punkt gegen Deutschland zu gewinnen", hatte Srichaphan nach der Auslosung am Donnerstag in asiatischer Bescheidenheit gesagt. Angesichts des aktuellen Spielstands dürfte die Zielsetzung eine andere geworden sein.
sid-Ergebnisdienst Tennis, Daviscup-Playoff in Düsseldorf Deutschland - Thailand x:x Tommy Haas (Sarasota-USA) - Danai Udomchoke 3:6, 6:2, 6:7 (6:8), 6: 3, 3:6 Florian Mayer (Bayreuth) - Paradorn Srichaphan 3:6, 7:6 (7:4), 3:6, 6:2, 6:3
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







