Leichtathletik-EM: Medaillenregen für DLV-Athleten
zuletzt aktualisiert: 30.07.2010 - 22:30Barcelona (RPO). Der deutsche Medaillen-Express rollt nach dem goldenen Befreiungsschlag durch Europas neue Sprintkönigin Verena Sailer und Speer-Überraschung Linda Stahl: Ein dritter Triumph durch Hammerwurf-Ass Betty Heidler und insgesamt sieben Medaillen stehen in der Bilanz vor dem Finale. Silber gab es sensationell für 1500-m-Läufer Carsten Schlangen (Berlin) und erwartet für die Leverkusener WM-Vierte Silke Spiegelburg. Höhengleich mit 4,65 m gewann die Ludwigshafener U23-Europameisterin Lisa Ryzih Bronze im Stabhochsprung.
"Großartig dieses Gold von Heidler. Und wer hätte Silber durch Carsten Schlangen erwartet?", meinte Clemens Prokop, der als Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) versprach: "Die Medaillenzahl kann sich fast noch verdoppeln. Ich sahe am Samstag und Sonntag noch Chancen auf zehn Medaillen und darunter einige Titel."
"Ich wusste, dass was ich kann und hatte auf Gold gehofft", bekannte die freudestrahlende Betty Heidler, die zuvor die schon erklärt hatte: "Mein Ziel ist mindestens Silber." Im zweiten Durchgang landete die deutsche Rekordlerin (77,12) den großen Wurf, den weder Russlands frühere Dopingsünderin Tatjana Lysenko (75,65) noch Polens Weltmeisterin und Weltrekordlerin Anita Wlodarczyk (73, 56) zu kontern verstanden. Nur sie selbst packte im fünften Versuch mit 76,38 m noch einen drauf. Ihre Klubkameradin Kathrin Klaas war als WM-Vierte kläglich in der Qualifikation gescheitert.
Stand nach 25 von 47 Wettbewerben
Gold Silber Bronze
1. Russland 8 5 6
2. Frankreich 4 2 4
3. Großbritannien 3 4 4
4. Deutschland 3 3 1
5. Spanien 1 1 1
5. Weißrussland 1 1 1
7. Belgien 1 0 0
7. Kroatien 1 0 0
7. Lettland 1 0 0
7. Slowakei 1 0 0
7. Türkei 1 0 0
12. Italien 0 2 1
13. Niederlande 0 2 0
13. Rumänien 0 2 0
15. Polen 0 1 2
15. Portugal 0 1 2
17. Bulgarien 0 1 0
18. Ungarn 0 0 2
19. Tschechien 0 0 1
Für Betty Heidler, 2006 EM-Fünfte und 2008 Olympianeunte, war es die dritte große Medaille der Karriere. Für Silke Spiegelburg nach Silber bei der Hallen-EM die erste im Freien, für Ryzih die erste bei den Frauen überhaupt.
Lemaitre fährt das Double ein
"Es wurde Zeit, dass diese erste Medaille kam. Ich hätte sie gern schon letztes Jahr in Berlin gewonnen", meinte Spiegelburg, die Tränen vergossen hatte, als sie bei der Heim-WM auf Platz vier landete. Bis 4,65 m leistete sich die 24-Jährige, die zum Auftakt der Diamond League in Doha gesiegt hatte, keinen Fehlversuch. Bei 4, 70 m scheiterte die Olympiasiebte zweimal und hob den letzten Sprung wie die frühere U20-Weltmeisterin Lisy Ryzih für 4,75 m auf. Doch beide scheiterten. Nur Elfte wurde Europas Jahresbeste Carolin Hingst (Mainz) mit schwachen 4,35 m.
Carsten Schlangen, der 1,90 m lange Berliner, schien wie infiziert von den Medaillen der anderen. Bisher war er sechsmal deutscher Meister, aber international immer nur Mitläufer. "Mein Ziel war das Finale. Und hier wollte ich fighten bis zum Umfallen", meinte der 29 Jahre alte Architekturstudent.
Glänzend schlug sich auch der WM-Fünfte Andre Höhne (Berlin), auch wenn sich mit Platz sieben im 50-km-Gehen seine heimlichen Medaillenhoffnungen nicht erfüllten. "Es war hart. Ich hatte Magenkrämpfe, aber habe mich durchgebissen", meinte Höhne, während der Potsdamer Christoph Linke nach zwei Verwarnungen aufgab.
Star des Tages war Frankreichs neuer Held Christophe Lemaitre, der zwei Tage nach seinem 100-m-Triumph nach großer Aufholjagd in 20,37 Sekunden als achter Europäer der Geschichte das Double schaffte. Es war Frankreichs vierter Titel nach dem Geher-Gold durch Yannick Diniz am Morgen über 50 km. "Die Chance war fast dahin, aber ich wusste, wie stark mein Finish ist und habe es noch geschafft", meinte Lemaitre, der am Sonntag der 4x100-m-Staffel noch einen dritten Titel gewinnen könnte.
Russland gewann Gold Nummer vier bis sechs durch Feofanowa, beim Dreifach-Sieg der 400-m-Läuferinnen durch Tatjana Firowa in europäischer Jahresbestzeit von 49,89 Sekunden und Julia Sarudnewa über 3000 m Hindernis. Großbritannien holte seinen dritten Titel durch Andy Turner in 13,28 Sekunden über 110 m Hürden und Alexander John (Leipzig) wurde in 13,71 Achter. Martin Bühler (Offenburg) war im Halbfinale gescheitert.
Reif machte es spannend
Gold-Hoffnung Christian Reif stand im Weitsprung vor dem Aus, bevor er im letzten Sprung der Qualifikation mit Einstellung seiner Europa-Jahresbestmarke von 8,27 m die Fans erlöste. "Ich wollte es nicht so spannend machen. Technisch war der Sprung nicht mal gut."
Am Vormittag hatten die deutschen Starter erstmals alle die Vorkämpfe überstanden. Die WM-Dritte Ariane Friedrich (Frankfurt) zeigte nahm wie Kroatiens Weltmeisterin Blanka Vlasic 1,92 m auf Anhieb: "Physisch und psychisch alles Bestens."
Carolin Nytra erreichte als Vorlauf-Zweite in 12,89 Sekunden wie Nadine Hildebrand (Kornwestheim/13,25) und Cindy Roleder (Leipzig/13,19) das Halbfinale vor dem Finale am Samstag. "Ich habe versucht, nichts zu riskieren. Mein Ziel war und ist eine Medaille."
Bartels tankt Selbstvertrauen
Titelverteidiger Ralf Bartels war vor dem Finale am Samstag mit 20,37 m zweitbester Kugelstoßer der Qualifikation: "Dass ich es im ersten Versuch geschafft habe, gibt mir Sicherheit. Der Ring liegt mir." Weiter kam auch Junioren-Weltmeister David Storl (Chemnitz) mit 20,24 trotz leichter Blockade der Halswirbelsäule.
Das Finale erreichten auch Speerwerfer Matthias de Zordo (Saarbrücken) mit 82,34 m und Steffen Uliczka (Kronshagen/Kiel) über 3000 m Hindernis.
Vize-Weltmeisterin Jennifer Oeser lag kurz vor Halbzeit des Siebenkampfs als Dritte hinter der führenden Weltmeisterin Jessica Ennis und der ukrainischen Olympiasiegerin Natalja Dobrynska auf Medaillenkurs. Zum Auftakt hatte Leverkusenerin mit Hürdenbestzeit von 13,37 Sekunden geglänzt. Deutlich zurück lagen Maren Schwerdtner aus Hannover (12.) und Claudia Rath aus Frankfurt/Main (16).
ENTSCHEIDUNGEN:
MÄNNER:
50 km Gehen:
Gold: Yohann Diniz (Frankreich) 3:40:37 Stunden Silber: Grzegorz Sudol (Polen) 3:42:24 Bronze: Sergey Bakulin (Russland) 3:43:26 4. Robert Heffernan (Irland) 3:45:30 5. Jesús Angel Garcia (Spanien) 3:47:56 6. Marco De Luca (Italien) 3:48:36 7. André Höhne (Deutschland) 3:49:29 8. Lukasz Nowak (Polen) 3:51:31 9. Tadas Suskevicius (Litauen) 3:52:31 10. Yuriy Andronov (Russland) 3:54:22 11. Colin Griffin (Irland) 3:57:58 12. Andreas Gustafsson (Schweden) 3:58:02 13. Dusan Majdan (Slowakei) 4:00:51 14. Augusto Cardoso (Portugal) 4:03:40 15. Predrag Filipovic (Serbien) 4:06:29 Donatas Skarnulis (Litauen) DSQ Sergey Kirdyapkin (Russland) DNF Trond Nymark (Norwegen) DNF Andriy Kovenko (Ukraine) DNF Alex Schwazer (Italien) DNF Serhiy Budza (Ukraine) DNF Artur Brzozowski (Polen) DNF Christopher Linke (Deutschland) DNF António Pereira (Portugal) DNF Jarkko Kinnunen (Finnland) DNF Milos Batovsky (Slowakei) DNF Mikel Odriozola (Spanien) DNF
200 m:
Gold: Christophe Lemaitre (Frankreich) 20,37 Sekunden Silber: Christian Malcolm (Großbritannien) 20,38 Bronze: Martial Mbandjock (Frankreich) 20,42 4. Marlon Devonish (Großbritannien) 20,62 5. Jaysuma Saidy Ndure (Norwegen) 20,63 6. Paul Hession (Irland) 20,71 7. Likoúrgos-Stéfanos Tsakonas (Griechenland) 20,90 8. David Alerte (Frankreich) 1:27,24
110 m Hürden:
Gold: Andy Turner (Großbritannien) 13,28 Sekunden Silber: Garfield Darien (Frankreich) 13,34 Bronze: Daniel Kiss (Ungarn) 13,39 4. Dimitri Bascou (Frankreich) 13,41 5. Artur Noga (Polen) 13,44 6. Petr Svoboda (Tschechien) 13,57 7. Marcel Van Der Westen (Niederlande) 13,58 8. Alexander John (Leipzig) 13,71
400 m:
Gold: Kevin Borlee (Belgien) 45,08 Sekunden Silber: Michael Bingham (Großbritannien) 45,23 Bronze: Martyn Rooney (Großbritannien) 45,23 4. Vladimir Krasnov (Russland) 45,24 5. David Gillick (Irland) 45,28 6. Leslie Djhone (Frankreich) 45,30 7. Jonathan Borlee (Belgien) 45,35 8. Kacper Kozlowski (Polen) 46,07
1500 m:
Gold: Arturo Casado (Spanien) 3:42,74 Minuten Silber: Carsten Schlangen (Berlin) 3:43,52 Bronze: Manuel Olmedo (Spanien) 3:43,54 4. Reyes Estevez (Spanien) 3:43,67 5. Yoann Kowal (Frankreich) 3:43,71 6. Andy Baddeley (Großbritannien) 3:43,87 7. Christian Obrist (Italien) 3:43,91 8. Mateusz Demczyszak (Polen) 3:44,42 9. Colin McCourt (Großbritannien) 3:44,78 10. Tom Lancashire (Großbritannien) 3:44,92 11. Andreas Vojta (Österreich) 3:45,68 12. Goran Nava (Serbien) 3:45,77
FRAUEN:
Stabhochsprung:
Gold: Svetlana Feofanova (Russland) 4,75 Meter Silber: Silke Spiegelburg (Leverkusen) 4,65 Bronze: Lisa Ryzih (Deutschland) 4,65 4. Anastasiya Shvedova (Weißrussland) 4,65 5. Jirina Ptacnikova (Tschechien) 4,65 6. Kate Dennison (Großbritannien) 4,55 7. Yuliya Golubchikova (Russland) 4,55 8. Cathrine Larsasen (Norwegen) 4,35 9. Minna Nikkanen (Finnland) 4,35 10. Tina Sutej (Slowenien) 4,35 11. Carolin Hingst (Mainz) 4,35 Anna Katharina Schmid (Schweiz) NM
400 m:
Gold: Tatyana Firova (Russland) 49,89 Sekunden Silber: Kseniya Ustalova (Russland) 49,92 Bronze: Antonina Krivoshapka (Russland) 50,10 4. Libania Grenot (Italien) 50,43 5. Denisa Rosolova (Tschechien) 50,90 6. Antonina Yefremova (Ukraine) 51,67 7. Marta Milani (Italien) 51,87 8. Muriel Hurtis-houairi (Frankreich) 52,05
Hammerwerfen:
Gold: Betty Heidler (Frankfurt/Main) 76,38 Meter Silber: Tatyana Lysenko (Russland) 75,65 Bronze: Anita Wlodarczyk (Polen) 73,56 4. Bianca Perie (Rumänien) 71,62 5. Zalina Marghieva (Moldawien) 70,83 6. Marina Marghieva (Moldawien) 70,77 7. Silvia Salis (Italien) 68,85 8. Merja Korpela (Finnland) 68,21 9. Berta Castells (Spanien) 68,20 10. Nataliya Zolotuhina (Ukraine) 67,53 11. Tracey Andersson (Schweden) 65,13 12. Eva Orban (Ungarn) 64,99
3000 m Hindernislauf:
Gold: Yuliya Zarudneva (Russland) 9:17,57 Minuten Silber: Marta Dominguez (Spanien) 9:17,74 Bronze: Lyubov Kharlamova (Russland) 9:29,82 4. Hatti Dean (Großbritannien) 9:30,19 5. Wioletta Frankiewicz (Polen) 9:34,13 6. Layes Abdullayeva (Aserbaidschan) 9:34,75 7. Sophie Duarte (Frankreich) 9:35,52 8. Zulema Fuentes-pila (Spanien) 9:35,71 9. Ancuta Bobocel (Rumänien) 9:41,20 10. Katarzyna Kowalska (Polen) 9:42,47 11. Fionnuala Britton (Irland) 9:44,25 12. Oxana Juravel (Moldawien) 9:55,39
400 m Hürden:
Gold: Natalya Antyukh (Russland) 52,92 Sekunden Silber: Vania Stambolova (Bulgarien) 53,82 Bronze: Perri Shakes-Drayton (Großbritannien) 54,18 4. Zuzana Hejnova (Tschechien) 54,30 5. Angela Morosanu (Rumänien) 54,58 6. Yevgeniya Isakova (Russland) 54,59 7. Natalya Ivanova (Russland) 55,51 8. Eilidh Child (Großbritannien) 55,51
800 m: Gold:
Mariya Savinova (Russland) 1:58,22 Minuten Silber: Yvonne Hak (Niederlande) 1:58,85 Bronze: Jennifer Meadows (Großbritannien) 1:59,39 4. Lucia Klocova (Slowakei) 1:59,48 5. Jemma Simpson (Großbritannien) 1:59,90 6. Lenka Masna (Tschechien) 1:59,91 7. Mayte Martinez (Spanien) 1:59,97 8. Svetlana Klyuka (Russland) 2:00,15
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