Finalsieg über Puerta: Nadal setzt sich die Krone von Roland Garros auf
zuletzt aktualisiert: 05.06.2005 - 19:01Paris (rpo). Im ersten Grand-Slam-Finale seiner Karriere hat der spanische Youngster Rafael Nadal die French Open in Paris gewonnen. Der 19 Jahre alte Sandplatz-Spezialist bezwang den sieben Jahre älteren Argentinier Mariano Puerta 6:7 (6:8), 6:3, 6:1, 7:5 und krönte sich damit zum jüngsten Paris-Champion seit Michael Chang (USA) 1989.
Insgesamt waren in der Tennisgeschichte nur fünf Spieler bei einem Grand-Slam-Erfolg jünger als der Iberer.
Kühl bis ans Herz und mit Nerven aus Stahl hat sich Wunderknabe Rafael Nadal im größten Match seiner Karriere zum König von Paris gekrönt. Der 19 Jahre alte Spanier gewann das Finale der French Open gegen den argentinischen Überraschungsfinalisten Mariano Puerta 6:7 (6:8), 6:3, 6:1, 7:5 und triumphierte damit nach 3:23 Stunden beim berühmtesten Sandplatzturnier der Welt als jüngster Spieler seit dem US-Amerikaner Michael Chang 1989.
Spanischer König vor Ort
Vor den Augen des spanischen Königs Juan Carlos holte Nadal gleich bei seinem Paris-Debüt und in seinem ersten Grand-Slam-Finale überhaupt den Coupe des Mousquetaires zum neunten Mal auf die iberische Halbinsel. Insgesamt haben nur fünfmal jüngere Spieler als Nadal bei einem der großen vier Turniere triumphiert. Der ungesetzte Überraschungsmann Puerta verpasste dagegen die Chance, ein Jahr nach dem ersten argentinischen Grand-Slam-Finale zwischen Champion Gaston Gaudio und Guillermo Coria den Titel wieder nach Südamerika zu holen.
Für Nadal wachsen die Bäume derzeit scheinbar in den Himmel, und sein atemberaubendes Tempo auf dem Weg nach oben überrascht selbst die Experten. Vor wenigen Wochen hatte der Österreicher Thomas Muster, der als bislang letzter Linkshänder vor genau zehn Jahren die French Open gewonnen hatte, noch über Nadal gesagt: "Er wird irgendwann die French Open gewinnen. Vielleicht noch nicht in diesem Jahr, aber es wird passieren."
Doch dann war es im kühlen und wolkenverhangenen Paris schon am Sonntagnachmittag soweit. Nadal sah mit weißem Stirnband, dem ärmellosen Shirt in knallgrün und den dreiviertellangen Hosen aus wie ein entschlossener Krieger, und dementsprechend selbstbewusst spielte er zwei Tage nach seinem 19. Geburtstag in einem mitreißenden Match gegen den sieben Jahre älteren Puerta auch auf.
Phänomenaler erster Satz
Im ersten Satz hielt Puerta mit großem Kampfgeist und teilweise unglaublichen Bällen im Tiebreak Nadal gerade noch im Schach und versetzte die 15.000 überraschten Zuschauer auf dem Court Philippe Chatrier in Hochstimmung. Doch danach dominierte der Spanier das Duell und gewann die nächsten beiden Durchgänge. Im vierten Satz meldete sich Puerta zurück, vergab aber zwei Satzbälle. Nadal verwandelte gleich den ersten Matchball.
In gleicher Manier hatte er im "vorgezogenen Endspiel" am Freitag schon den topgesetzten Roger Federer mit 6:3, 4:6, 6:4, 6:3 entzaubert. Mit dem Turniersieg zog er nun nach Punkten mit den zweimaligen Wimbledonsieger in der Jahreswertung gleich. Beide haben sechs Turniere gewonnnen, Nadal allesamt auf Sand. Auf seinem Lieblingsbelag hat er in diesem Jahr überhaupt erst zwei von 40 Spielen verloren.
Nadal war mit 16 Jahren als erstem Spieler in diesem Alter seit Michael Chang 1988 der Sprung unter die Top 100 auf der ATP-Tour gelungen. Sein erstes Match auf der ATP-Tour gewann er bereits mit 15 Jahren bei den Mallorca Open. Von der Ferieninsel stammt Nadal ebenso wie sein großes Vorbild Carlos Moya. Sieben Jahre nach dessen French-Open-Sieg folgte Nadal seinem Idol nun auf den Thron von Roland Garros.
Für Puerta blieb der Sieg am Sonntag unerreichbar. Doch mit seinem Finaleinzug hat der Linkshänder einen langen Weg zurück in die Weltklasse vorerst gekrönt. Erst im vergangenen Juli war er nach einer neunmonatigen Dopingsperre auf die Tour zurückgekehrt - als Nummer 440 der Entry List. Nur weil er glaubhaft machen konnte, dass nachgewiesene Clenbuterol sei ihm mit einem Asthma-Mittel verabreicht worden, umging Puerta überhaupt eine längere Auszeit.
Nun kratzt der Sandmann, der seit seinem Comeback ausschließlich auf der roten Asche gespielt hat, an den Top Ten. Den dritten Sieg eines Argentiniers in Paris nach Guillermo Vilas 1977 und Gaudio im vergangenen Jahr schaffte aber auch der einstige Junioren-Final ist von Roland Garros nicht.
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