Tennis: Nalbandian kämpft Federer im Masters-Finale nieder
zuletzt aktualisiert: 20.11.2005 - 14:07Schanghai (rpo). Der Argentinier David Nalbandian hat in einem atemberaubenden Finale den Masters Cup in Schanghai gewonnen. Im Finale rang der Argentinier Titelverteidiger Roger Federer überraschend in einem Marathon-Match nach 4:33 Stunden nieder und sicherte sich zum Abschluss des Jahres den größten Erfolg seiner Karriere. Nalbandian gewann das Match nach 0:2-Satzrückstand mit 6:7 (4:7), 6:7 (11:13), 6:2, 6:1, 7:6 (7:3).
Federer verpasste damit einen Monat nach seinem im Training erlittenen Bänderriss seinen dritten Erfolg hintereinander beim Saisonfinale und damit ein weiteres Stück Tennisgeschichte. Die Rekordmarken von Ivan Lendl, der das Turnier von 1985 bis 1987 gewonnen hatte, sowie des Rumänen Ilie Nastase, Masters-Sieger 1971 bis 1973, bleiben vorerst bestehen. Für Federer war es die erste Finalniederlage in 25 Endspielen seit Juli 2003 in Gstaad (gegen Jiri Novak).
"Es war trotz dieser Niederlage ein großartiges Jahr für mich. Schade nur, dass ich den letzten Sieg nicht holen konnte", meinte Federer und erwies sich als fairer Verlierer: "Meinen Respekt an David, dass er das Spiel nach diesem Rückstand noch gedreht hat. Er hat den Sieg absolut verdient." Nalbandian versprach dem unterlegenen Federer unterdessen weitere Erfolge: "Keine Sorge, Roger. Du wirst noch so viele Turniere gewinnen. Also lass' mir wenigstens dieses hier."
Federer verspielt klare Führung
Dabei sah der 24-Jährige auch in Schanghai schon wie der sichere Sieger aus. Einen Tag nach seinem 6:0, 6:0 im Halbfinale gegen Nalbandians Landsmann Gaston Gaudio bewies er zunächst Nervenstärke und ging nach zwei hart umkämpften Tiebreaks nach mehr als zwei Stunden mit 2:0 Sätzen in Führung.
Doch dann verließen Federer nach seiner Verletzungspause die Kräfte, und der schier unerschöpfliche Nalbandian nutzte die Schwächen des Schweizers konsequent aus. 4:0 führte der Wimbledon-Finalist von 2002 bereits im Entscheidungssatz, als Federer doch noch einmal zurückkam und sich in den alles entscheidenden Tiebreak rettete. Doch dieses Mal hatte Nalbandian das bessere Ende für sich und machte mit dem ersten Matchball den Überraschungscoup perfekt.
Für Federer war es die vierte Niederlage im 85. Match des Jahres - die 82:3-Rekordbilanz von John McEnroe bleibt bestehen. Noch vor dem Start der 4,5 Millionen-Dollar-Veranstaltung hatte es den Anschein gehabt, als nähmen Federers Konkurrenten mehr oder weniger freiwillig Reißaus. Die sportlich qualifizierten Marat Safin (Russland) und Andy Roddick (USA) reisten wegen Verletzungen nicht an, Lleyton Hewitt (Australien) blieb bei seiner schwangeren Frau und Rafael Nadal (Spanien) zog noch vor Ort zurück.
Trauriger Höhepunkt der Absagenflut war der Rückzug von Andre Agassi, der noch ein Match in Schanghai spielte und dann vor seinen ständigen Rückenproblemen kapitulierte. So blieben von acht ursprünglich qualifizierten Profis nur Federer, der Russe Nikolaj Dawydenko und der Argentinier Guillermo Coria im Feld, und wieder mal kam die Diskussionen über eine viel zu lange Saison im Tennisgeschäft auf.
Somit standen die Veranstalter, die für 200 Millionen Dollar ein gigantisches Stadion erbauten, ohne ihre Zugpferde da. Dass ausgerechnet French-Open-Finalist Mariano Puerta zu den Nachrückern gehörte, hatte ebenfalls einen Beigeschmack: Der Argentinier steht zum wiederholten Mal unter Dopingverdacht.
Eines Jahresfinals würdig war dagegen das Endspiel, in dem sich Nalbandian als erster Argentinier seit Guillermo Vilas 1974 zum Weltmeister krönte. Federer verabschiedet sich trotz der Niederlage zum zweiten Mal in Folge als Ranglistenerster in die kurze Winterpause.
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