Daviscup: Niki Pilic setzt beim Finale auf Ivanisevic
zuletzt aktualisiert: 30.11.2005 - 13:01Neuss (rpo). Deutschlands Triumphe im Daviscup liegen schon etwas länger zurück. Aber der Teamchef, der einst mit Boris Becker und Michael Stich die "hässlichste Salatschüssel der Welt" gewann, greift am Wochenende wieder nach den Sternen. Der langjährige DTB-Teamchef Niki Pilic sitzt beim Daviscup-Finale von Freitag bis Sonntag als Coach der Kroaten auf der Bank am Spielfeldrand.
In Bratislava trifft Pilic mit der Auswahl seines Heimatlandes auf Gastgeber Slowakei und steht dabei vor einem Eintrag in die Tennis-Geschichte. Denn noch nie hat ein Teamkapitän mit zwei verschiedenen Ländern den Mannschaftswettbewerb gewonnen.
Um seinen Traum von insgesamt vierten Triumph nach den Erfolgen mit der Auswahl des Deutschen Tennis Bundes 1988, 1989 und 1993 zu verwirklichen, setzt der in München lebende Pilic auf ein ganz besonderes Maskottchen. "Ich habe Goran Ivanisevic ins Team zurückgeholt, weil er den Hauptanteil daran hat, dass wir überhaupt in der Weltgruppe sind. Er hat es einfach verdient und mit ihm habe ich eine Option mehr", sagt der 66-Jährige.
Zum Einsatz dürfte der Wimbledonsieger von 2001 freilich höchstens im Doppel kommen. Rein sportlich setzen die Kroaten auf ihren neuen "Mr. Daviscup" Ivan Ljubicic. Der 28-Jährige hat sein Land in diesem Jahr mit einer Bilanz von 9:0 in Einzel und Doppel fast im Alleingang ins Finale geführt. Dort kann er bei drei weiteren Siegen den Rekord von John McEnroe (USA) von 1982 einstellen und das perfekte Daviscupjahr vollenden.
"Alle meine Daviscup-Siege bislang waren fantastisch. Aber wenn wir das Finale verlieren, dann sind sie ganz schnell wieder vergessen. Da verliere ich lieber meine Einzel, wenn das Team am Ende doch triumphiert", meint Ljubicic. Neben dem Masters-Teilnehmer wird wohl der frühere Wimbledon-Halbfinalist Mario Ancic im Einzel aufschlagen. Für die Gastgeber stehen Dominik Hrbaty und Karol Beck bereit.
Die wollen sich von tausenden fanatischen Fans in Bratislava zum Erfolg tragen lassen. "Ich höre immer nur, Kroatien sei wegen Ljubicic der Favorit. Aber wir spielen zu Hause", sagt Hrbaty. Zudem spricht die Historie für die Slowaken, denn in der 92-jährigen Daviscup-Geschichte gelang dem Heimteam bislang 60-mal der Sieg.
In jedem Fall wird sich nach dem Debütanten-Finale am Sonntag ein neues Team in die Siegerliste eintragen. Erstmals stehen sich gleich zwei ungesetzte Mannschaften im Finale gegenüber, womit auch erstmals eine nicht gesetzte Mannschaft den Titel holen wird. Niki Pilic stand 1985 mit Deutschland schon einmal mit einem ungesetzten Team im Endspiel. Trotz zweier Einzelsiege von Wimbledonchampion Boris Becker unterlag die DTB-Auswahl damals in München 2:3 gegen Schweden.
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