Sauerland: "Larsen wird nicht den Moli geben": Ottke: Erst Larsen, dann den Kilimandscharo bezwingen
zuletzt aktualisiert: 04.09.2003 - 10:23Erfurt (rpo). Das Moli-Desaster ist noch in frischer Erinnerung. Ganz so simpel wie Wladimir Klitschko soll es Proifboxer Sven Ottke am Samstag nicht haben. Einen Sieg will der Doppel-Weltmeister gegen den Dänen Mads Larsen gleichwohl landen. Anschließend will Ottke den Kilimandscharo bezwingen.
Wer wie Doppelweltmeister Sven Ottke den Gipfel des Berufsboxens erklommen hat, der will sich auch mit echten Bergen messen. Für den 10. September hat der 36 Jahre alte Supermittelgewichts-Champion der International Boxing Federation (IBF) und World Boxing Association (WBA) gemeinsam mit sieben Bergsteigern den Angriff auf den mit 5895 Metern höchsten Berg Afrikas geplant. "Da werde ich sehen, wo meine Grenzen sind", verkündet Ottke ehrfurchtsvoll. Im Ring hat er sie offenbar noch nicht gefunden.
Die Expedition aufs Dach von Afrika will er in körperlich unversehrtem Zustand in Angriff nehmen. Offenbar glaubt Ottke nicht, dass "Danish Dynamite" Larsen ihn am Samstag (22.45 Uhr/ARD) in seinem 20. WM-Kampf in der Erfurter Messehalle aus den Schuhen kippen könnte. Respekt hat er allerdings schon vor dem 31 Jahre alten Rivalen, der von 45 Profi-Kämpfen 44 gewann. "Larsen kann richtig hauen und dem Gegner ganz schön zusetzen", bekennt der in Karlsruhe lebende Berliner, der in 31 Profi-Kämpfen ungeschlagen ist.
"Goldenboy" Larsen
Larsen, dessen Kampfname "Goldenboy" lautet, ist in den Weltranglisten der großen Verbände im elitären Bereich notiert (WBA- 3., IBF-3., WBC-4., WBO-6.). Er gilt als größtes dänisches Box-Talent der vergangenen zehn Jahre. 37 seiner 45 Profi-Gegner schlug er k.o. Allerdings waren seine Rivalen nie die namhaftesten. Auch seine Weltmeistertitel der unbedeutenden Verbände WBF und IBO waren nur zweitrangig. "Der hat noch nie gegen eine Großen geboxt. Aber sein Manager Mogens Palle hat gute Drähte zu den Weltverbänden", erklärt Jean Marcel Nartz, technischer Leiter im Universum-Boxstall, und meint: "Obwohl Ottke offensichtlich über seinen Zenit hinaus ist, kann ihm Larsen nicht gefährlich werden."
Dennoch muss sich Ottke vor der Schlaggewalt des Aalborgers, der in Erfurt auch um einen neuen Vertrag kämpft, in Acht nehmen. "Ich glaube, dass ich Ottke mental überlegen bin", meint Larsen. "Ich sehe mich jetzt schon als den neuen Weltmeister und Super-Champion." Ottkes jüngster Kampf gegen den Engländer David Starie habe ihm Mut gemacht. Da kam ihm der Weltmeister "etwas saft- und kraftlos" vor. Der Däne träumt schon von Millionen-Gagen: "Mit zwei Titeln wird sich ein neuer Markt für mich öffnen."
Wie vor jeder Ring-Schau lässt Doppelweltmeister Ottke Fans und Experten über sein Karriereende spekulieren. Bei einer etwaigen Niederlage wäre sofort Schluss, bei einem Sieg etwas später. Ende des Jahres will er eigentlich die Handschuhe an den Nagel hängen. Es sei denn, Manager Wilfried Sauerland kann sich mit dem schlitzohrigen US- Promoter Don King doch noch über einen Kampf gegen Dreifach- Mittelgewichtsweltmeister Bernard Hopkins (USA) einigen. Doch ähnlich wie die unendliche Geschichte eines Kampfes von WBO-Weltmeister Dariusz Michalczewski gegen den früheren Dreifach-Champion Roy Jones (USA) wird wohl auch dieses Duell eine Mär bleiben.
Sauerland lobte die boxerischen Fähigkeiten des Herausforderers in höchsten Tönen. "Larsen wird nicht den Moli geben", meinte Sauerland mit Hinweis auf den schnellen K.o.- Sieg von Wladimir Klitschko am vergangenen Samstag gegen den Argentinier Fabio Moli. Der Däne sei sehr vorsichtig aufgebaut worden. "Sein Management hat stets zu großes Risiko vermieden. Doch jetzt haben sie sich offensichtlich verschätzt. Gegen Sven ist das Risiko für Mads Larsen zu hoch", meinte Sauerland.
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