Boxen: Peinlicher Werberummel um Walujew in den USA
VON HARTMUT SCHERZER - zuletzt aktualisiert: 06.10.2006 - 16:26Düsseldorf (RP). Die peinliche Nummer mit King Kong wurde dann doch gestrichen. Die Medien-Propaganda in den USA für den WM-Kampf Nikolai Walujews gegen Monte Barrett (USA/35) hatte sich anfangs nicht gescheut und geschämt, den Riesen aus Russland mit dem Kult-affen aus Hollywood zu verknüpfen: „King has found his Kong“(King hat seinen Kong gefunden) heißt das plakative Wortspiel über der ersten Pressemitteilung der Don King Productions.
Wer 2,13 Meter misst und an die 150 Kilo wiegt, den kann ein Marktschreier wie der exzentrische Promoter Don King (75) nicht nur so als WBA-Champion im Schwergewicht lobpreisen, damit das amerikanische Boxpublikum sich für die Riesensensation interessiert. Also glorifiziert King seine gigantische Attraktion weiterhin unverfroren als „achtes Weltwunder“ - wie jener New Yorker Theaterdirektor anno 1933 in dem Schwarz-Weiss-Klassiker „King Kong“ den an ein Gerüst gefesselten Riesengorilla.
Wenn schon nicht als menschliches Monster - King kennt da eigentlich keine Skrupel, - so bietet Nikolai Walujew (33) zur Vermarktung für den amerikanischen Geschmack außer seiner kolossalen Statur noch andere, freilich an den Haaren herbeigezogene Aspekte. Der Gigant stammt aus St.Petersburg. Der Termin seiner ersten Titelverteidigung in Amerika, am Sonntag (ca. 5 Uhr live ARD), in Rosemont nahe Chicago, wurde in den Oktober gelegt. Russland, St.Petersburg, Oktober - da war doch mal was? Richtig, die Revolution der Bolschewiki 1917. Also ersann King, der gern mit seinen Geschichtskenntnissen prahlt, als Motto für die Vermarktung des Riesenereignisses den „Big Red October“. Großer Roter Oktober. Lenin statt Kong.
Bei der sechstägigen Promotion-Tour Anfang September von New York über Chicago nach Los Angeles hatte Walujew noch ein bisschen Kong spielen müssen. Zwischen Frühstück mit dem russischen Botschafter Witali Tschurkin, Pressekonferenzen und TV-Shows sollte er sich natürlich auch auf dem Empire State Building zeigen - dort, wo im Kino das mythische Ungeheuer von MG-Salven aus Kampfflugzeugen heruntergeschossen wird. Doch irgendwann reißt auch dem gutmütigen Koloss mal die Geduld. „Ich habe jetzt zwei Tage nicht trainiert. So geht das auf keinen Fall weiter.“ Sein Gegner konnte sich derweil in aller Ruhe neun Wochen lang in den Catskill Mountains, New York, vorbereiten.
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