Australian Open: Qualifikant Gremelmayr sorgt für Überraschung
zuletzt aktualisiert: 18.01.2006 - 09:11Melbourne (rpo). Die guten Auftritte der deutschen Tennisprofis bei den Australian Open gehen zumindest zum Teil weiter. Qualifikant Dennis Gremelmayr sorgte in der zweiten Runde in Melbourne für eine faustdicke Überraschung. Der 24-Jährige schlug nach einem 0:2-Satzrückstand den an Nummer 13 gesetzten Robby Ginepri aus den USA 2:6, 5:7, 6:4, 6:3, 6:3 und zog damit als erster Deutscher in die dritte Runde des Grand Slam-Turniers ein.
Nach dem größten Erfolg seiner Karriere stand er in Melbourne zunächst ohne Unterkunft da. Das Hotel hatte er mit einem gewissen Realismus nur bis Mittwoch gebucht, die Realität aber hat die Erwartungen weit übertroffen. Am Freitag darf er nun gegen Marcos Baghdatis aus Zypern spielen und wenn alles gut läuft am Sonntag gegen Andy Roddick.
"Unglaublich, der Wahnsinn, es war genial", sagte Gremelmayr nach seinem Überraschungscoup gegen einen Weltklassespieler. 3:03 Stunden hatte er in der Margaret-Court-Arena gekämpft und Ginepri am Ende demoralisiert. 6.000 Zuschauer feierten den unbekannten Deutschen schließlich mit "Denis, Denis"-Rufen und der Welle. "Da lief es mir kalt den Rücken herunter", meinte der Linkshänder.
Daviscup-Kapitän Patrik Kühnen kam erst im entscheidenden fünften Satz. Er hatte gleichzeitig anderswo die erfolglosen Bemühungen von Philipp Kohlschreiber (München) und Lars Burgsmüller (Sundern) verfolgt. Kohlschreiber unterlag dem Mitfavoriten Ivan Ljubicic aus Kroatien 5:7, 2:6, 1:6. Burgsmüller musste sich dem an acht gesetzten Gaston Gaudio aus Argentinien mit 3:6, 2:6, 3:6 geschlagen werden.
Schruff mit ganz schwacher Leistung
Fed-Cup-Spielerin Julia Schruff aus Augsburg schied nach einer ganz schwachen Leistung mit 0:6, 5:7 gegen die Russin Jelena Wesnina aus. Martina Müller (Hannover) scheiterte mit 4:6, 1:6 an der an acht gesetzten Nadja Petrowa (Russland).
"Das ist für Denis eine Sensation, nach 0:2-Rückstand so ein Match gegen einen Spieler wie Ginepri noch zu gewinnen", sagte Kühnen, "ich bin wirklich sehr, sehr überrascht. Hut ab." Vor allem die Coolness, mit der Gremelmayr nach seinem Break zum 5:3 das Match ausservierte, war beeindruckend. "Ich war so im Spiel drin, ich habe mir da überhaupt keinen Kopf gemacht", sagte der Realschulabsolvent, der in der deutschen Rangliste nur an 17 geführt wird.
Seit einem Jahr trainiert er bei Helmut Lüthy vor den Toren Mannheims, der unter anderem Alexander Popp zweimal ins Viertelfinale von Wimbledon geführt hatte. Zwei langwierige Verletzungen hatten Gremelmayr in den letzten Jahren immer wieder zurückgeworfen. Jetzt ist er endlich fit und kann sein Glück auf der Tour versuchen. "Das ist ein großer Schritt weiter nach vorne für mich", sagt er, "ich wusste, dass ich mit den Topspielern mithalten kann, jetzt weiß ich, dass ich sie auch schlagen kann."
Eine Stunde ausruhen
Mit geschickten Tempowechseln, guten Stopps und seiner gefährlichen Vorhand zog er Ginepri den Nerv. "Der Wendepunkt war, als ich im dritten Satz ein Break zum 2:3 geschafft habe, danach bin ich nur noch gelaufen, gelaufen, gelaufen", erzählte Gremelmayer. Eine Stunde musste er sich anschließend auf der Massagebank im Umkleideraum ausruhen: "Ich hatte nichts mehr im Kopf und die Beine sind leer."
Um das neue Hotelzimmer kümmerte sich derweil Kumpel Björn Kreuzer, der als Betreuer mit in Melbourne ist und Gremelmayr zuvor beim Challengerturnier in Neukaledonien begleitet hatte. Doch die Zeit der anstrengenden Ochsentouren in einfachen Verhältnissen könnte bald vorbei sein. Umgerechnet rund 28.900 Euro hat er durch das Vordringen unter die letzten 32 nun verdient, wichtiger aber noch: In der Weltrangliste macht er einen Sprung von 177 auf einen Platz zwischen 120 und 130. Die automatische Qualifikation für das Hauptfeld eines Grand-Slam-Turniers rückt damit näher.
Kühnen jedenfalls traut Gremelmayr den Durchbruch zu: "Er ist ein sehr gefährlicher Spieler, hat viel Ballgefühl und ich kenne keinen, der einen schnelleren Arm hat." Der unerwartete Erfolg vom Mittwoch jedenfalls kann eine Initialzündung sein. "Das brauchen junge Spieler, und Denis Gremelmayr hat nach vorne wirklich Potenzial."
Herreneinzel, 2. Runde:
Denis Gremelmayr - Robby Ginepri (USA/Nr. 13) 2:6, 5:7, 6:4, 6:3, 6:3
Ivan Ljubicic (Kroatien/Nr. 7) - Philipp Kohlschreiber 7:5, 6:2, 6:1
Gaston Gaudio (Argentinien/Nr. 8) - Lars Burgsmüller 6:3, 6:2, 6:3
Andy Roddick (USA/Nr. 2) - Wesley Moodie (Südafrika) 7:5, 6:3, 6:2, David Ferrer (Spanien/Nr. 11) - Daniele Bracciali (Italien) 6:4, 6:4, 6:7 (5:7), 6:2
Tommy Robredo (Spanien/Nr. 16) - Dimitri Tursunow (Russland) 7:6 (6:4), 3:6, 7:6 (7:5), 6:3
Marcos Baghdatis (Zypern) - Radek Stepanek (Tschechien/Nr. 17) 6:4, 6:3, 3:6, 0:6, 7:5
Gilles Simon (Frankreich/Nr. 19) - Tomas Berdych (Tschechien) 6:3, 6:2, 4:6, 6:2
Mario Ancic (Kroatien) - Jan Hernych (Tschechien) 6:1, 6:4, 6:4
James Blake (USA/Nr. 20) - Jean-Christophe Faurel (Frankreich) 2:6, 6:1, 6:4, 6:3
Jarkko Nieminen (Finnland/Nr. 26) - Yeu-Tzuoo Wang (Taiwan) 6:2, 7:6 (6:3), 6:2
Feliciano Lopez (Spanien/Nr. 31) - Gilles Muller (Luxemburg) 6:2, 6:4, 6:7 (6:8) 6:4
Julien Benneteau (Frankreich) - Guillermo Garcia-Lopez (Spanien) 6:4, 7:6 (6:3), 6:1
Fabrice Santoro (Frankreich) - Andrei Pavel (Rumänien) 6:4, 6:1, 6:4
Dameneinzel, 2. Runde:
Nadja Petrowa (Russland/Nr. 6) - Martina Müller (Hannover) 6:4, 6:1, Jelena Wesnina (Russland) - Julia Schruff (Augsburg) 6:0, 7:5
Lindsay Davenport (USA/Nr. 1) - Karolina Sprem (Kroatien) 7:6 (7:4), 6:3 Maria Scharapowa (Russland/Nr. 4) - Ashley Harkleroad (USA) 6:1, 7:5 Justine Henin-Hardenne (Belgien/Nr. 8) - Hana Sromova (Tschechien) 7:6 (6:2), 6:1
Serena Williams (USA/Nr. 13) - Camille Pin (Frankreich) 6:3, 6:1
Swetlana Kusnezowa (Russland/Nr. 14) - Arantxa Parra (Spanien) 6:2, 6:7 (3:6), 6:2
Daniela Hantuchova (Slowakei/Nr. 17) - Akgul Amanmuradowa (Usbekistan) 6:4, 6:1
Virginia Ruano (Spanien) - Jelena Lichtowtsewa (Russland/Nr. 18) 6:4, 6:4
Olga Sawtschuk (Ukraine) - Jelena Jankovic (Serbien und Montenegro/Nr. 23) 6:3, 6:4
Maria Kirilenko (Russland/Nr. 25) - Galina Woskobojewa (Russland) 7:6 (6:1), 6:4
Mara Santangelo (Italien) - Katarina Srebotnik (Slowenien) 7:6 (7:5), 5:7, 6:3
Jelena Kostanic (Kroatien) - Zuzana Ondraskova (Tschechien) 6:2, 6:1 Laura Granville (USA) - Tswetana Pironkowa (Bulgarien) 7:5, 6:2
Virginie Razzano (Frankreich) - Conchita Martinez Granados (Spanien) 7:6 (6: 3), 6:3
Maria Elena Camerin (Italien) - Jekaterina Bytschkowa (Russland) 4:6, 7:6 (9:7), 6:2
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