World Team Cup: Rekordmann Gonzalez
VON DIETER KODITEK - zuletzt aktualisiert: 18.05.2006 - 07:58Düsseldorf (RP). Die Chilenen kommen wieder - zum vierten Mal hintereinander, nachdem sie zuvor 25 Jahre lang nie für den Arag World Team Cup qualifiziert waren. Ursprünglich hatten sie auch dieses Mal nicht zum Kreis der sieben bestplatzierten Nationen gehört - und die Wild Card war bereits an Deutschland vergeben. Aber dann fielen Russen und Franzosen aus, und die Vorjahressieger aus Deutschland sowie deren Vorgänger aus dem Anden-Staat durften nachrücken, womit sich ein inniger Wunsch der Südamerikaner erfüllte.
Für Chiles Spitzen-Duo Fernando Gonzalez und Nicolas Massu ist die Mannschafts-Weltmeisterschaft im Rochusclub nämlich so etwas wie die sportliche Auferstehung, nachdem sie voriges Jahr in den Gruppenspielen am Nachbarn Argentinien gescheitert waren. 2003, bei ihrem ersten Auftritt am Rhein, holten die beiden Freunde auf Anhieb den begehrten Titel und stiegen in der Heimat zu Helden auf. Trotz des Mitwirkens von Marcelo Rios, muss man sagen. Denn der Stern des einstigen Weltranglisten-Ersten war längst verblasst, und wie zum Beweis war Rios nur in einem seiner drei Einzel erfolgreich.
Es war die große Woche des Fernando Gonzalez, der alle vier Einzel gewann und auch in den vier Doppeln mit Nicolas Massu ungeschlagen blieb. Acht Siege - diese makellose Bilanz hatte zuvor nur der große John McEnroe (USA) geschafft.
Zwölf Monate später setzte Gonzalez seinen Siegeszug fort. Erneut entschied er alle vier Einzel zu seinen Gunsten, darunter das Match gegen Tommy Haas mit 6:4, 7:6. Da er in den Begegnungen, die nach den beiden Einzeln bereits entschieden waren, im Doppel nicht mehr antrat und Adrian Garcia Platz machte, beließ Gonzalez es bei einem Sieg im Duett mit Massu. Der steuerte drei Einzel-Erfolge bei, und so fanden die chilenischen Festspiele ihre Fortsetzung.
In ihrer Heimat, wo Tennis einen hohen Stellenwert genießt, waren Gonzalez und Massu schon nach ihrem ersten Coup im Rochusclub als Superstars gefeiert und mit einem Staatsorden ausgezeichnet worden. Nach dem zweiten Titel klappte es endlich auch mit der feierlichen Überreichung in Santiago.
Wenn chilenische Tennisspieler für ihr Land antreten, dann sind sie am stärksten. So war es im Spätsommer 2004 auch bei den Olympischen Spielen in Athen. Zwei Gold- und eine Bronzemedaille nahmen sie aus der griechischen Hauptstadt mit. Dort war es Nicolas Massu, der im Einzel triumphierte, während Fernando Gonzalez das Spiel um Platz drei nach dreieinhalb Stunden mit 16:14 im entscheidenden Satz gegen den US-Amerikaner Taylor Dent für sich entschied.
Unvergesslich bleibt der verbissene und an Spannung nicht zu übertreffende Kampf, den sich Gonzalez und Massu im Doppel-Finale mit Rainer Schüttler und Nicolas Kiefer lieferten. Es war ein packendes Duell voller Emotionen und Dramatik, in dem die Deutschen im Tie Break des vierten Satzes schon mit 6:2 führten. Doch sie vermochten keinen der vier Matchbälle zu verwandeln und mussten sich am Ende, bitter enttäuscht, mit Silber begnügen. Die beiden Marathon-Männer aus Chile feierten dagegen die ersten olympischen Goldmedaillen für ihr Land.
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