Australian Open: Safin stürzt Titelverteidiger Federer
zuletzt aktualisiert: 27.01.2005 - 14:38Melbourne (rpo). In einem Marathon-Match von 4:28 Stunden hat Vorjahresfinalist Marat Safin den scheinbar unschlagbaren Titelverteidiger Roger Federer (Schweiz) bei den Australian Open der Tennisprofis in Melbourne gestürzt. Der Spielverlauf des dramatischen Fünfsatz-Matches ist im LIVE!-Ticker nachzulesen.
Der König kniete am Boden, sein Bezwinger lehnte erschöpft auf der Netzkante: Fünf Monate und zehn Tage nach seiner letzten Niederlage hat der scheinbar unbezwingbare Roger Federer im Halbfinale der Australian Open beim 7:5, 4:6, 7:5, 6:7 (6:8), 7:9 gegen den russischen Riesen Marat Safin wieder verloren. Fast viereinhalb Stunden dauerte das Match vor 15.000 begeisterten Fans in der Rod Laver Arena, und Geburtstagskind Safin fand danach kaum die Worte, seinen Trumph zu beschreiben: "Es ist so schwer, zu erklären, was hier passiert ist. Das war so ein großartiger Kampf."
Im Endspiel am Sonntag trifft er auf Australiens große Hoffnung Lleyton Hewitt oder US-Boy Andy Roddick, die sich im zweiten Halbfinale am Freitag gegenüberstanden. Den Damentitel am Samstag machen die topgesetzte Lindsay Davenport und Serena Williams in einem US-Duell unter sich aus.
26 Matches in Folge hatte Federer seit seinem Zweitrunden-Aus bei den Olympischen Spielen am 17. August in Athen gegen den Tschechen Tomas Berdych gewonnen. Fast vier Sätze lang sah der Schweizer gegen Safin auch wieder wie der Sieger aus, doch seinen einzigen Matchball beim Stand von 6:5 im Tiebreak vergab der zweimalige Wimbledonsieger. Danach ließ er sich am Schlagarm behandeln, und als Safin 5:2 im fünften Satz führte, schien die Entscheidung gefallen.
Doch Safin zögerte, er vergab sechs Matchbälle, sechsmal kam Federer mit schier unglaublicher Energie und einigen Zauberbällen zurück. Beim siebten jagte Safin Federer dann in die weite Vorhandecke, der Schweizer kam nicht mehr ran, fiel auf die Knie - und Safins Vorhandvolley ging im Jubel unter. "Ich kann nicht glauben, dass ich sechs Matchbälle vergeben habe. Normalerweise gewinnst du nicht, wenn du solche Chancen nicht nutzt", meinte Safin.
Scharapowa draußen
Bei den Damen ist die russische Grand-Slam-Serie beendet. Nach den Erfolgen von Anastasia Myskina (Paris), Maria Scharapowa (Wimbledon) und Swetlana Kusnezowa (New York) kommt es zum insgesamt 13. Duell zwischen Davenport und Williams. Die beiden früheren Melbourne-Siegerinnen hatten in der Runde der letzten Vier hart zu kämpfen. Davenport rang die Französin Nathalie Dechy 2:6, 7: 6 (7:5), 6:4 nieder, Williams bezwang Scharapowa beim 2:6, 7:5, 8:6 erst nach Abwehr von drei Matchbällen.
"Ich würde das Turnier zu gerne gewinnen", sagt Williams, gibt aber zu bedenken: "Es ist ein Grand Slam. Jede gibt alles, um zu gewinnen." Auch Davenport hat viel Respekt vor ihrer Gegnerin: "Wir sind uns in den letzten Jahren oft begegnet. Serena bringt Tonnen an Erfahrung mit. Ich muss schon verdammt gut spielen."
Einen weniger starken Auftritt hatte Daviscupspieler Alexander Waske in seinem ersten Grand-Slam-Halbfinale. An der Seite des Österreichers Jürgen Melzer verpasste Waske nach einem 3:6, 4:6 gegen Wayne Black/Kevin Ullyett aus Simbabwe das Endspiel im Doppel. "Ich bin unheimlich frustriert. Es wird ein paar Tage dauern, bis ich das verarbeitet habe. Die Chance auf ein Grand-Slam-Finale bekommt man nicht so oft", meinte der Frankfurter.
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