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Daviscup: Schüttler erlöst Daviscup-Team

zuletzt aktualisiert: 06.03.2005 - 17:46

Johannesburg (rpo). Rainer Schüttler hat die deutsche Daviscup-Mannschaft in Johannesburg vor einer riesigen Pleite bewahrt und mit einem 6:1, 6:2, 6:4 gegen Wayne Ferreira zum nervenaufreibenden 3:2-Sieg gegen Südafrika geführt. Damit hat das Team von Kapitän Patrik Kühnen in der Play-off-Runde im September die Möglichkeit, um den Aufstieg in die Weltgruppe 2006 zu spielen.

Der 28 Jahre alte Schüttler holte in einem der wichtigsten Spiele seiner Karriere den entscheidenden dritten Punkt, nachdem Tommy Haas in einem epischen Fünfsatz-Match gegen Wesley Moodie nach 3:26 Stunden mit 7:6 (7:5), 2:6, 6:4, 3:6, 8:10 den Kürzeren gezogen und den Ausgleich zum 2:2 kassiert hatte.

"Das war klasse"

"Rainer hat dem deutschen Tennis heute einen großen Dienst erwiesen. Das war klasse", meinte ein sichtlich erleichterter Kühnen, der eigentlich Nicolas Kiefer für den Einsatz im Entscheidungsmatch vorgesehen hatte: "Nicolas kam am Samstagabend zu mir und sagte, er fühle sich nicht mehr so ganz frisch und ich solle lieber Rainer spielen lassen." Kühnen folgte der "Empfehlung" Kiefers und am Ende strahlten alle gemeinsam über den hart erarbeiteten Triumph.

Deutschland hat nun die Chance, zwei Jahre nach dem Abstieg in Sundern gegen Weißrussland und ein Jahr nach der gescheiterten Mission Wiederaufstieg in Bratislava gegen die Slowakei in die erste Liga zurückzukehren. Die Auslosung der Play-offs erfolgt in der ersten Mai-Woche (3. oder 5.) in London.

2:0-Führung verspielt

Am Freitag war der dreimalige Champion durch zwei Einzelsiege von Nicolas Kiefer und Tommy Haas mit 2:0 in Führung gegangen. Zunächst hatte Kiefer ein bereits verloren geglaubtes Match gegen Moodie noch herumgerissen und nach 3:42 Stunden mit 4:6, 6:7 (3:7), 7:6 (7:4), 6:3, 6:2 gewonnen. Anschließend hatte Haas beim 6:3, 6: 0, 7:6 (7:3) gegen Wayne Ferreira in gerade mal 86 Minuten leichtes Spiel. Am Samstag verloren Kiefer und Schüttler das Doppel gegen Moodie und Jeff Coetzee sang- und klanglos mit 3:6, 6:7 (4:7), 5:7 und vertagten damit die Entscheidung auf Sonntag.

Sie lag zunächst in der Hand von Tommy Haas, der dieser Verantwortung aber nicht gerecht wurde. Nach seiner Niederlage gegen den über sich hinauswachsenden Moodie machte sich Physiotherapeutin Uschi Eder in Windeseile daran, bei der Lufthansa-Hotline am Flughafen von Johannesburg anzurufen und die für Sonntagabend gebuchten Flüge nach Frankfurt/Main und von dort aus weiter nach Los Angeles auf später zu verschieben. "Wenn dieses Ding verloren geht, kann ich mir kaum vorstellen, dass die Mannschaft noch einmal in dieser Besetzung antritt", sagte Boris Becker als Co-Kommentator im DSF nach dem Ausgleich für die Südafrikaner.

"Shaker" bewahrt Deutschland vor Drittklassigkeit

Dann war es an Rainer Schüttler, das deutsche Tennis vor dem möglichen Sturz in die Drittklassigkeit zu bewahren. Ausgerechnet Rainer Schüttler, der seit Monaten auf ein Erfolgserlebnis wartet und in dem missglückten Doppel am Samstag sicher kein übermäßiges Selbstvertrauen aufgebaut hatte. Ihm gegenüber stand Wayne Ferreira, der im letzten Daviscup-Match seiner Karriere Südafrika den Weg zurück in die Weltgruppe ebnen sollte.

Doch Schüttler ließ sich nicht aus der Fassung bringen, nach nur 28 Minuten hatte er den ersten Satz mit 6:1 gewonnen. Der eigentlich für das zweite Einzel vorgesehene Nicolas Kiefer saß auf der Bank, den Grund dafür behielt Teamchef Patrik Kühnen zunächst für sich. Es war in jedem Fall eine gute Entscheidung, denn auch im zweiten Durchgang behielt Schüttler jederzeit die Übersicht, nahm Ferreira fast nach Belieben den Aufschlag ab und führte nach 58 Minuten mit 2:0 Sätzen. Im dritten Satz musste zwar auch Schüttler Breakbälle abwehren, nahm Ferreira aber den Aufschlag zur 3: 2-Führung ab und holte schließlich nach 1:42 Stunden souverän den Sieg.

Tommy Haas hatte die Erwartungen dagegen nicht erfüllt. Mit streng nach hinten zum Pferdeschwanz gegelten Haaren und ab dem dritten Satz ganz in Schwarz gekleidet, erinnerte er an einen Samurai, und so entschlossen und konzentriert ging er zunächst auch zu Werke. Weder von Moodies gewaltigen Aufschlägen noch von den vielen zweifelhaften Entscheidungen des Stuhlschiedsrichters und der Linienrichter ließ sich die Nummer 16 der Welt aus dem Rhythmus bringen.

Doch der lange Südafrikaner, der als Nummer 112 der Welt weit über seinem bisherigen Level spielte, schaffte mit zahlreichen direkten Gewinnschlägen den Satzausgleich. Und auch wenn er körperlich nicht mehr auf der Höhe war - nach dem vierten Satz lag er flach auf dem Boden und ließ sich behandeln - zeigte Moodie in seinem Spiel und vor allem bei seinem gewaltigen Aufschlag im Entscheidungssatz noch immer keine Schwäche, selbst mit dem zweiten Service brachte er Asse und Winner ins Feld. Als Haas seinen Aufschlag zum 8:9 verlor, war die Partie entschieden.

Quelle: sid

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