Agassi im Eiltempo: Schüttler in Paris gescheitert
zuletzt aktualisiert: 01.06.2003 - 13:18Paris (rpo). Rainer Schüttler ist bei den French Open im Achtelfinale ausgeschieden. Der Niederländer Martin Verkerk machte in drei Sätzen kurzen Prozess.
Der Australian- Open-Finalist erwischte im sonnigen Paris einen rabenschwarzen Tag und verlor am Sonntag gegen den ungesetzten niederländischen Debütanten 3:6, 3:6, 5:7. Der 27-jährige Korbacher, der im Januar in Melbourne für Furore gesorgt hatte, stand zum ersten Mal im Achtelfinale von Roland Garros. Letzte Deutsche in der Runde der letzten Acht waren 1996 Michael Stich und Bernd Karbacher.
"Im Achtelfinale eines Grand-Slam-Turniers spiele ich mein schlechtestes Tennis. Hilfe, Hilfe", schimpfte Schüttler noch während des 2:01 Stunden währenden Spiels auf dem Center Court. Das sagte alles über seine miserable Verfassung. "Er war weit entfernt von dem, was er kann", urteilte DTB-Präsident und Augenzeuge Georg von Waldenfels. Schüttler selbst relativierte nach dem Match die Analyse seines bislang besten French-Open-Auftritts: "Ich war nicht schlecht, aber auch nicht gut. Ich wollte ihn scheuchen, aber das hat bei seiner Aufschlagstärke nicht funktioniert. Jetzt bin ich enttäuscht, denn ich ich hatte die große Chance, ins Viertelfinale zu kommen."
Arme wie Windmühlenflügel
Aber nicht an diesem Tag. Der 1,98 m große Verkerk spielte unbarmherzig seine Stärke aus - 22 Asse flogen Schüttler um die Ohren. Er bekam keine Länge in seine zudem schlecht platzierten Bälle und lud den schnell aufrückenden Gegner zu seinen Punkten ein. Am Netz kam Schüttler an dem Mann mit Armen wie Windmühlenflügel nicht vorbei. Im Angesicht der Niederlage zerfetzte er nach dem zweiten Satz sein knallrotes Trikot. Verkerk machte ihn noch wütender, ballte die Faust in Richtung Schüttler und hielt sich strikt an Regel Nummer 1 in niederländischen Tennis-Kreisen: "Bloß nicht gegen einen Deutschen verlieren!"
Verkerk steht als erster Niederländer seit Richard Krajicek 1996 im Viertelfinale. Sein nächster Gegner ist Carlos Moya aus Spanien. Der Paris-Sieger von 1998 bezwang Jiri Novak aus Tschechien mit 6:2, 6:3, 3:6, 2:6, 6:3. Schüttler indes wollte wo schnell wie möglich weg aus Paris und erst einmal ein paar Tage "blau" machen.
Im Feld der Geschlagenen befand er sich in guter Gesellschaft. Weltmeister Lleyton Hewitt erwischte es am Samstag schon in der dritten Runde. Der Weltranglisten-Erste aus Australien verlor gegen den Spanier Tommy Robredo mit 6:4, 6:1, 3:6, 2:6, 3:6 und steht zum ersten Mal seit vier Jahren nicht im Achtelfinale von Roland Garros. Am Sonntag durfte Hewitt über die kämpferischen Qualitäten seiner Freundin Kim Clijsters staunen. Die 19-jährige Belgierin schlug die Bulgarin Manuela Malejewa 0:6, 6:2, 6:1 und trifft im Viertelfinale auf die zwölf Jahre ältere Conchita Martinez aus Spanien.
Venus Williams überraschend ausgeschieden
Für Vorjahresfinalistin Venus Williams ist eine Revanche gegen ihre jüngere Schwester Serena für vier hintereinander erlittene Finalniederlagen bei den Grand-Slam-Turnieren nicht mehr möglich. Die an Nummer 3 gesetzte Amerikanerin unterlag überraschend der 18-jährigen Russin Wera Zwonarewa mit 6:2, 2:6, 4:6. Ihre Schwester Serena trifft im Viertelfinale auf Lokalmatadorin Amelie Mauresmo. Die Titelverteidigerin ist ebenso noch ohne Satzverlust wie die Französin, die die Weltranglistenerste in diesem Jahr im Halbfinale von Rom bezwungen hat. Justine Henin-Hardenne (Belgien) zog an ihrem 21. Geburtstag mit einem Dreisatzsieg über Patty Schnyder (Schweiz) in die Runde der letzten 8 ein und trifft auf Chanda Rubin (USA).
Titelverteidiger Albert Costa bewies am Wochenende Marathon-Qualitäten und wurde von der französischen Sportzeitung L'Equipe "Sandsträfling" getauft. Der Spanier musste beim 4:6, 4:6, 6:3, 6:4, 6:4 gegen den von Krämpfen geschüttelten Nicolas Lapentti (Ecuador) zum dritten Mal über fünf Sätze gehen. Insgesamt hat Costa in diesem Jahr in Paris schon 11:56 Stunden auf dem Platz verbracht.
Im Express-Tempo entledigte sich Andre Agassi (USA) dagegen seiner Pflichten. Vor den Augen seiner Ehefrau Steffi Graf benötigte er für den 6:2, 6:1, 7:5-Sieg über Flavio Saretta (Brasilien) nur 64 Minuten. Ob er im Viertelfinale auf Hamburg-Sieger Guillermo Coria oder Mariano Zabaleta trifft, war ihm völlig egal: "Jeder, der spanisch spricht, ist gut auf Sand."
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