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Die Klitschkos auf ziemlich einsamer Höhe: Schwergewichtsboxen im Zwielicht

VON DIETER KODITEK - zuletzt aktualisiert: 20.11.2007 - 12:11

Düsseldorf (RP). Timo Hoffmann ist ein braver, weitgehend unauffälliger Zeitgenosse. Er ist groß, kräftig und von Beruf Boxer. Man nennt ihn auch die deutsche Eiche, weil er vermutlich nicht einmal umfallen würde, wenn er mit einer Straßenbahn kollidierte. In der Branche wertet man dies als Tugend, und man spricht von Nehmerqualitäten. Ob das eine Qualität ist, sei allerdings dahingestellt.

Hoffmann war bis zum vergangenen Samstag einer der wenigen deutschen Hauptkämpfer im Schwergewicht. Aber seit dem Kampf gegen den Ukrainer Alexander Dimitrenko, bei dem Hoffmann bis weit in die zwölfte Runde hinein seine vermeintlichen Qualitäten noch einmal eindrucksvoll nachwies, ist er es wohl nicht mehr.

4,7 Millionen Menschen sahen diesen Kampf im ZDF, dessen Reporter nicht müde wurde, die Klasse der Auseinandersetzung zu preisen. So weit ist es gekommen mit dem Schwergewichtsboxen, das einst Glanz ausstrahlte und große Namen hervorbrachte. Jetzt genügen zwei schwerfällige Figuren, die deutlich limitiert sind, um eine lange Boxnacht im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu füllen. Der Sieger soll sogar demnächst einen WM-Kampf erhalten.

Da kommen wehmütige Erinnerungen auf - nicht nur an Muhammad Ali, auch an andere Figuren wie Floyd Patterson, Sonny Liston, Ingemar Johansson oder George Foreman. Heutzutage wird ein tapsiger, ungelenker Riese wie der Russe Nikolai Walujew Weltmeister - erst jüngst entthront von dem berherzt aufgetretenen Usbeken Ruslan Tschagajew.

Bis vor wenigen Jahren noch waren die USA das gelobte Land des Schwergewichtsboxens. Derzeit muss man mit der Lupe nach einem Faustkämpfer aus Amerika suchen, der Zeug zu einem Champion aller Klassen hätte.

Die Weltmeister in der obersten Gewichtsklasse kommen derzeit aus Osteuropa - und deren Herausforderer mehrheitlich auch. Sie werden von den beiden maßgeblichen Promotern - Kohl und Sauerland - sowie von den mit ihnen vertraglich verbandelten TV-Anstalten gern als Beute-Germanen verkauft, denen das Volk pflichtschuldigst zujubelt.

So verhält es sich auch mit den Klitschko-Brüdern. Mitunter ist man geneigt zu vergessen, dass sie ja für die Ukraine kämpfen. Macht aber auch gar nichts, solange sie zu den ganz wenigen Könnern gehören, denen kaum einer das Wasser reichen kann.

Quelle: RP

 
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