Wimbledon: Sharapova und ein Flitzer auf dem Centre Court
zuletzt aktualisiert: 04.07.2006 - 16:11London (rpo). Auch ein nackter Flitzer hat Maria Sharapova im Viertelfinale von Wimbledon nicht irritieren können. Die Russin zeigte sich von dem Vorfall unbeirrt und bezwang ihre Landsfrau Jelena Dementjewa klar in zwei Sätzen mit 6:1, 6:4. Auch Justine Henin-Hardenne steht bereits im Halbfinale.
Maria Sharapova schaute weg, Jelena Dementjewa lächelte amüsiert - ein Flitzer sorgte in einem einseitigen Viertelfinalspiel zwischen den beiden Russinnen auf dem altehrwürdigen Centre Court von Wimbledon für die meiste Abwechslung. "Die Leute wollen Unterhaltung während eines Frauenspiels - bitte sehr", sagte Scharapowa, die schließlich selbst geradezu über den Platz geflitzt war. Nur 43 Minuten brauchte die 19-Jährige, um Dementjewa mit 6:1, 6:4 auszuschalten und damit zum dritten Mal in Folge das Halbfinale der All England Championships zu erreichen.
Die Siegerin von 2004 ist die einzige Spielerin unter den letzten Vier, die schon einmal beim bedeutendsten Tennisturnier der Welt erfolgreich war. Dabei sind in der Vorschlussrunde am Donnerstag die aktuell besten Spielerinnen der Welt und die Siegerinnen der letzten drei Grand-Slam-Turniere unter sich. Scharapowa trifft auf Australien-Open-Siegerin Amelie Mauresmo, US-Open-Champion Kim Clijsters aus Belgien spielt wie schon im Halbfinale der French Open gegen ihre Landsmännin Justine Henin-Hardenne.
Roland-Garros-Champion Henin-Hardenne setzte sich mit 6:4, 6:4 gegen die französische Qualifikantin Severine Bremond durch. Wesentlich mehr Mühe hatten Kim Clijsters bei ihrem 6:4, 7:5-Erfolg über die chinesische Viertelfinaldebütantin Li Na und Amelie Mauresmo. Die Weltranglisten-Erste, die zuvor pro Match nur durchschnittlich 56 Minuten auf dem Platz stand, musste bei ihrem 6: 1, 3:6, 6:3-Erfolg über die Russin Anastasia Myskina erstmals über drei Sätze gehen.
Premiere in Wimbledon
Clijsters muss nun bereits zum 22. Mal gegen Henin-Hardenne spielen, beide treffen aber zum ersten Mal an der Church Road aufeinander. "Es sind natürlich immer ganz spezielle Spiele gegen sie", meinte die 23-Jährige, "ich habe nichts zu verlieren." Immerhin geht es für sie um Platz eins in der Weltrangliste, mit einem Erfolg in Wimbledon würde sie Mauresmo an der Spitze wieder ablösen.
Für Henin-Hardenne ist das nicht mehr möglich, ihr geht es "nur" noch um den Wimbledon-Titel, den sie als einzigen der vier Grand Slams noch nicht gewonnen hat. "Es ist eines meiner großen Ziele, hier zu gewinnen", erklärte die 24-Jährige, die vor fünf Jahren zum bislang einzigen Mal an der Church Road im Finale stand: "Aber es ist noch ein weiter Weg bis dahin."
3:0 führte Sharapova im zweiten Satz, als plötzlich ein Mann von der Tribüne auf den Centre Court lief und sich unmittelbar neben Scharapowa seiner Kleidung entledigte. Er zeigte eine turnerische Einlage und wurde nach etwa zehn Sekunden von Ordnern eingefangen, die seine Blöße mit einer roten Decke verhüllten.
Souveränes Desinteresse
"Ich habe mir den Typ nicht so genau in allen Einzelheiten angeschaut", sagte Sharapova: "Aber die Sicherheitsleute haben gelacht, und ich hatte nicht den Eindruck, dass ich Angst haben müsste." Verwirren ließ sie sich von dem Zwischenfall nicht, obwohl die grinsende Dementjewa anschließend besser ins Match kam. "Ich kann mich ziemlich gut konzentrieren, das hat mich nicht gestört", sagte Scharapowa.
Ihr Wimbledon-Sieg vor zwei Jahren war der große Durchbruch in der Karriere der blonden Russin, die bei Nick Bollettieri ausgebildet wurde. Anschließend wurde sie mit Werbemillionen überhäuft und als blondes Sportidol vermarktet, zu einem zweiten Grand-Slam-Titel aber reichte es bis dato nicht mehr. "Ich werde immer spezielle Erinnerungen an diesen Platz haben", erklärte Scharapowa - und die beziehen sich sicher nicht auf den Auftritt eines Nackedeis am Dienstag.
STATISTIK:
Dameneinzel, Viertelfinale:
Amelie Mauresmo (Frankreich/Nr. 1) -
Anastasia Myskina (Russland/Nr. 11) 6:1, 3:6, 6:3
Kim Clijsters (Belgien/Nr. 2) -
Li Na (China/Nr. 30) 6:4, 7:5
Justine Henin-Hardenne (Belgien/Nr. 3) -
Severine Bremond (Frankreich) 6:4, 6:4
Maria Sharapova (Russland/Nr. 4) -
Jelena Dementjewa (Russland/Nr. 7) 6:1, 6:4
Damit im Halbfinale:
Sharapova - Mauresmo
Henin-Hardenne - Clijsters
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