62,70m reichten für den Sieg: Speerwerferin Steffi Nerius gewinnt WM-Bronze
zuletzt aktualisiert: 30.08.2003 - 18:07Paris (rpo). Die 31-jährige Leverkusenerin Steffi Nerius hat bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Paris die Bronzemedaille im Speerwerfen gewonnen.
Das weiße Stirnband mit der Aufschrift "Avec Force (Mit Macht)" drückte den Ehrgeiz aus, mit dem sich Speerwerferin Steffi Nerius in Paris den Traum von einer WM-Medaille erfüllen wollte. "Ich bin happy. Es ist ein gigantisches Gefühl, auf dem Treppchen stehen zu könnten", strahlte die EM-Zweite vom Vorjahr in München nach Rang drei mit 62,70 m.
Nach dem letzten Wurf ließ die 31-Jährige ihrem Jubel freien Lauf, zeigte eine Rolle vorwärts, küsste den Rasen und riss die Arme in die Höhe. Danach maschierte sie mit der deutschen Flagge auf dem Rücken mit der Stirnband-Aufschrift "Merci Paris" aus dem Stadion. Bis zum Schluss hatte die Leverkusenerin gezittert und nicht geglaubt, dass ihre Weite zu einer Medaille reichen würde.
Bis zum Vorjahr hatte es für Steffi Nerius immer nur zu vierten bis neunten Plätzen gereicht, selbst in Deutschland stand sie lange im Schatten anderer Spitzenwerferinnen wie Olympiasiegerin Sylke Renk oder Budapest-Europameisterin Tanja Damaske (Berlin). Nach der Devise "irgendwann bekommt jeder das, was er verdient", hat die Olympia- Vierte von Sydney mit eiserner Disziplin und enormen Willen ihr Ziel verfolgt. Selbst eine Ellenbogen-Operation im September 2001 verkraftete sie.
Steffi Nerius, in diesem Jahr in elf Wettkämpfen unbesiegt, kam mit Sorgen nach Paris: Seit über einer Woche leidet sie an einer Blockierung in der Lendenwirbelsäule. "Ich habe geheult und seitdem keine Wettkampf-Würfe mehr gemacht", sagte sie und gestand, vor der Qualifikation "totale Angst" gehabt zu haben. Nach der geglückten Ausscheidung im ersten Versuch kam auch die Zuversicht zurück: "Das war für den Kopf befreiend."
Die in Bergen auf Rügen geborene Mecklenburgerin gehörte zu jenen DDR-Athleten, die nach der Wende in Ostdeutschland keine Perspektive mehr für sich sahen und Richtung Westen verabschiedeten. "In Rostock brach alles zusammen, alle Trainer wurden entlassen", erinnert sie sich. Kurzentschlossen schrieb sie einen Brief an den Präsidenten der LG Bayer Leverkusen und wurden von Heide Rosendahl, Olympiasiegerin im Weitsprung 1972 in München, zu einem Besuch eingeladen. Im Mai 1991 vollzog sie den Standortwechsel.
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