Anklage wegen Minderjährigen-Dopings: Springstein-Prozess hat begonnen
zuletzt aktualisiert: 09.01.2006 - 15:05Magdeburg (rpo). Der erste Tag hielt nicht das, was er an Spannung versprach. Im Prozess gegen den ehemaligen Leichtathletik-Trainer Thomas Springstein wegen Minderjährigen-Dopings blieb die erwartete Aussage der Hauptbelastungszeugin Anne-Kathrin Elbe aus.
Die Verteidigung setzte stattdessen vor dem Amtsgericht in Magdeburg durch, dass Joachim Strauss, der als Zeugenbeistand für Elbe erschienen war, stattdessen in seiner Funktion als Abteilungsleiter Leichtathletik und Justiziar von Elbes neuem Verein Bayer 04 Leverkusen aussagen musste.
"Elbes Wechsel nach Leverkusen ist auffällig. Es geht darum, die Motive dafür zu klären, denn sie sind auch die Motive für die Strafanzeige", sagte Springstein-Anwalt Johann Schwenn. Die Ermittlungen waren im August 2004 aufgenommen worden, nachdem der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) seine Informationen an die Ermittlungsbehörden weitergegeben hatte. Zuvor hatte Elbe Pillen an Bundestrainer Thomas Kremer übergeben, die sie vorher von Springstein bekommen haben will.
Dem 47-jährigen Springstein wird in der Anklageschrift vorgeworfen, "Arzneimittel zu Dopingzwecken im Sport an Personen unter 18 Jahren abgegeben zu haben". In zwei Fällen soll Elbe, 2003 beim SC Magdeburg dreifache deutsche B-Jugendmeisterin, jeweils zwei Andriol-Tabletten mit dem Wirkstoff Testosteron-Undecanoat von ihrem Ex-Coach erhalten haben. Einmal soll Springstein auch eine Tablette an Julia Lesse, eine weitere Sprinterin aus seiner damaligen Trainingsgruppe, verabreicht haben. Lesse war 2003 hinter Elbe B-Jugend-Vizemeisterin über 100 m und steht ebenfalls auf der Zeugenliste.
Zudem geht es um fünf Injektionen, die Springstein seiner ehemaligen Athletin Eileen Müller zur Behandlung einer Sehnenverterweser, Grohnde, Emslll, ohne zur Ausübung eines Heilberufs berechtigt zu sein. Der in Gerwisch bei Magdeburg lebende Diplom-Trainer lehnte es ab, sich zu den Vorwürfen zu äußern.
Prozess begann verspätet
Begonnen hatte der Prozess mit 20-minütiger Verspätung, weil die Springstein-Anwälte Schwenn und Peter-Michael Diestel samt ihres Mandanten - wie sie sagten - von den "ganz neu geregelten Verkehrsverhältnissen" in Magdeburg überrascht worden waren. Kaum angekommen, gingen sie dann direkt in die Offensive.
Schon vor Prozessbeginn hatte die Verteidigung angekündigt beweisen zu wollen, dass hinter den Vorwürfen gegen ihren Mandanten eine Ost-West-Intrige stehe und es vor allem darum gegangen sei, Springsteins Sprintschule in Magdeburg zu zerstören.
In seiner Vernehmung musste Strauss zugeben, Elbe am Sonntag auf dem Weg nach Magdeburg die Protokolle von zwei Vernehmungen durch Polizei und Staatsanwaltschaft zur "Erinnerungsauffrischung" gezeigt zu haben, was die Verteidigung als unerlaubt einstufte. Schwenn warf Strauss vor, die Aussage mit Elbe "eingeübt" zu haben. "Was ist an Leverkusen so schön?", fragte Schwenn weiter: "Das ist der letzte Ort, wo ich hinziehen würde."
Strauss, im Hauptberuf Rechtsanwalt bei der Bayer AG, berichtete, wie Elbe zu seinem Verein, bei dem er selbst nur ein Ehrenamt ausübt, gekommen war. Elbe bekäme dort monatlich eine Aufwandsentschädigung von 400 Euro. Darüber gebe es aber keine vertragliche Vereinbarung.
Im September 2004 Andriol-Tabletten gefunden
Bei einer Hausdurchsuchung bei Springstein waren im September 2004 neben Andriol-Tabletten, die nach seiner und der Aussage seiner Anwälte für den Eigenbedarf bestimmt gewesen seien, Listen über Vergabezyklen von Dopingmitteln gefunden worden. Letzteres hatte Anwalt Diestel jüngst gegenüber dem Tagesspiegel in Berlin eingeräumt: "Diese Pläne hat er sich schicken lassen, um die Verweildauer der Mittel im Körper zu studieren. Ein Trainer kann auch im Grenzbreich forschen, das muss ein Spitzentrainer sogar tun. "
Springstein droht bei einer Verurteilung eine mehrjährige Haftstrafe. Die Urteilsverkündung ist für den 31. März geplant. Der Prozess wird am kommenden Montag (16. Januar) fortgesetzt. Dann soll auch Elbe aussagen.
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