Prozess: Springstein-Verhandlung vor schnellem Ende
zuletzt aktualisiert: 03.03.2006 - 15:53Magdeburg (rpo). Der Prozess gegen den ehemaligen Leichtathletik-Trainer Thomas Springstein könnte womöglich ein frühes Ende finden. Am sechsten Verhandlungstag vor dem Magdeburger Amtsgericht brachte die Staatsanwaltschaft einen Kompromiss ins Spiel, der den des Minderjährigen-Dopings angeklagten Springstein bei einem Schuldeingeständnis die Chance zu einer einjährigen Bewährungsstrafe bieten könnte.
Die Verteidigung will die Situation bis 20. März überdenken. Dies könnte dann der letzte Prozesstag sein. "Ich richte einen Appell an die Verteidigung und Herrn Springstein, ob sie es sich nicht noch einmal überlegen wollen, die hier untersuchte Strafsache einzugestehen", sagte Oberstaatsanwalt Wolfram Klein. Dann habe man ein "sicher nicht schönes Ergebnis für Herrn Springstein", so Klein, "doch danach könnte er sich wieder seinem Leben widmen." Dies bedeute, dass dann alle vorliegenden Anklagepunkte des Amtsgerichts Magdeburg abgeschlossen seien.
Die Springstein-Verteidigung hatte sich nach der Verhandlung mit Richterin Astrid Raue und der Staatsanwaltschaft noch einmal zusammengesetzt und ließ anschließend durchblicken, dass sie sich ernsthaft mit dem Vorschlag auseinander setzen werde. "Wir denken darüber nach. Wir wollen keinen Sieg weiterverfolgen, der erst nach jahrelangen Verhandlungen errungen werden kann", sagte Verteidiger Johann Schwenn. Im Anschluss an das Urteil des Amtsgerichts würde das Strafverfahren ohne gegenseitige Einvernehmung wahrscheinlich auf höheren Instanzen fortgesetzt werden. Bei einer Verurteilung drohen dem 47-jährigen im schlimmsten Fall zehn Jahre Haft.
Anlass des Vorschlages durch Oberstaatsanwalt Klein, der an diesem Tag als Sitzungsvertreter für die in den Zeugenstand berufene Staatsanwältin Angelika Lux fungierte, waren die Aussagen von Lux in einem vor dem Prozess mit Springstein-Verteidiger Peter-Michael Diestel geführten Sondierungsgespräch.
Einigung scheint in Sicht
"Es gab Gespräche, unter welchen Bedingungen der Prozess ausgesetzt werden könnte", bestätigte Lux. Damals lehnte die Verteidigung das Angebot der Staatsanwaltschaft ab, ein schriftliches Geständnis abzulegen und Springstein mit einem Jahr auf Bewährung davon kommen zu lassen. Nach sechs teils zermürbenden Verhandlungstagen aber scheint eine Einigung zur nächsten Sitzung in Sicht.
"Die bürgerliche Existenz von Thomas Springstein wird mit dem Prozess vollkommen zerstört. Es ist doch klar, dass wir alles tun werden, um diesen Zustand zu verändern", sagte Diestel. Der letzte DDR-Innenminister meinte, er halte seinen Mandanten weiterhin für unschuldig, "doch wenn es zu einem Kompromiss kommen sollte, müssen wir etwas Kritikwürdiges einräumen." Ob dies ein Schuldeingeständnis der Vergabe von Dopingmitteln an Hauptbelastungszeugin Anne-Kathrin Elbe sei, wollte Diestel nicht beantworten.
Außerdem gab Lux im Zeugenstand zu, dass sie einen Tag nach dem Vorlesen sichergestellter E-Mails am 2. Prozesstag mit zwei Journalisten gesprochen habe und diesen "lediglich auszugsweise" noch einmal Texte wiedergegeben habe. Allerdings verneinte die 42-Jährige den Vorwurf, sie hätte den Journalisten aktenrelevante neue Informationen zukommen lassen.
Neben Staatsanwältin Lux wurde auch Oberkommissarin Annett Wittich im Zeugenstand befragt, die über die Hausdurchsuchung Springsteins im September 2004 berichtete. Nach Aussage der 30-Jährigen seien in verschiedenen Räumen Injektions-Bestecke, Präperate sowie Rechnungsbelege über deren Erwerb gefunden worden. Lediglich ein Injektions-Besteck sei benutzt gewesen. Die DNA-Untersuchung, so Wittich, hätte ergeben, dass die Spritze weder von Springstein noch von Elbe benutzt worden war.
In dem seit Anfang Januar laufenden Prozess muss sich Springstein wegen möglicher Verstöße gegen das Arzneimittel- und Heilpraktikergesetz verantworten. Ihm wird die Abgabe von Dopingmitteln an Minderjährige in drei Fällen zur Last gelegt.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







