Michael Phelps mit Weltrekord: Stockbauer und Buschschulte holen WM-Gold
zuletzt aktualisiert: 22.07.2003 - 18:34Barcelona (rpo). Hannah Stockbauer hat bei den Schwimm- Weltmeisterschaften in Barcelona am Dienstag ihren WM-Titel über 1500 Meter Freistil erfolgreich verteidigt und ihre zweite Goldmedaille gewonnen. Antje Buschschulte hat als erste Deutsche seit Kristin Otto 1982 WM-Gold über 100 Meter Rücken geholt.
Die Magdeburgerin schlug am Dienstag bei der WM in Barcelona als Erste an. Mit ihrer Zeit von 1:00,50 Minuten unterbot die Studentin zugleich den drittältesten deutschen Frauenrekord. Ina Kleber (Erfurt) war bei ihrem Olympiasieg am 24. August 1984 in Moskau 1:00,59 geschwommen.
Mit ihrem Gold hat Stockbauer deutsche Schwimm-Geschichte geschrieben. Mit Gold über 1500 m Freistil in Europarekordzeit gewann die Erlangerin ihren insgesamt vierten WM-Titel und zog in der Europarekordzeit von 16:00,18 Minuten am dritten Finaltag mit der legendären Kornelia Ender und "Albatros" Michael Groß gleich. Die 21-Jährige verwies im Palau Sant Jordi vor 10.000 Fans Heyley Peirsol (USA) und Jana Henke aus Potsdam auf die Plätze zwei und drei.
Trotz deutscher Rekordzeit von 54,17 Sekunden blieb Steffen Driesen in Barcelona als Vierter über 100 m Rücken ohne Medaille. In 53,61 Sekunden verfehlte der US-Amerikaner Aaron Peirsol den Weltrekord nur um eine Hundertstelsekunde. Als Zweiter schwamm der Russe Ark Wjatschanin in 53,92 Europarekord und steigerte dabei die alte Marke des Chemnitzers Stev Theloke (54,42) um eine halbe Sekunde.
Der US-Amerikaner Michael Phelps hat den insgesamt vierten Weltrekord bei den Schwimm-Weltmeisterschaften aufgestellt. Im Halbfinale über 200 m Schmetterling unterbot Phelps seine eigene Bestmarke in 1:53,93 Minuten um 65 Hundertstelsekunden.
Hannah Stockbauer hat nun über 800 m Freistil noch eine weitere Gold-Chance und kann dann zur erfolgreichsten deutschen WM-Starterin überhaupt werden. In Barcelona ging mit ihr endgültig ein neuer deutscher Stern auf. Stockbauer war dagegen "überglücklich": "Ich habe mir das Rennen gut eingteilt, meine Taktik ist voll aufgegangen. Ich muss sagen: Ich bin echt stolz auf mich", sagte Stockbauer nach ihrem zweiten Gold im zweiten Rennen von Barcelona.
Druck nimmt 2004 zu
Über 400 m Freistil hatte sie die Titelkämpfe am Sonntag mit dem Optimum eröffnet. Nach der Absage von Deutschlands Superstar Franziska van Almsick steht die Doppel-Weltmeisterin von Fukuoka längst im Mittelpunkt des Medieninteresses in Katalonien. "Ich kümmere mich fast mehr um Fotos als um Schwimmen", sagte sie, beklagt sich aber nicht: "Ich komme doch ganz gut rüber, oder?"
"Der Druck der Öffentlichkeit wird im Olympiajahr nochmals zunehmen, aber sie kommt gut damit zurecht", sagt ihr Coach Roland Böller, dem Hannah Stockbauer ein sehr großes Verdienst an ihrer Karriere zuschreibt: "Wir arbeiten jetzt ein Jahrzehnt zusammen. Ohne Roland wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin." Für Cheftrainer Ralf Beckmann hat Hannah Stockbauer in Barcelona "ihre ganz persönliche Reifeprüfung abgelegt".
Im Hinblick auf die Olympischen Spiele in Athen, wo die 1500 m nicht auf dem Programm stehen, plant Hannah Stockbauer die Umstellung ihres "Freistil-Fahrplans": "Ich werde mich auch auf die 200 Meter konzentrieren, weil ich in die Staffel will." Dass sie dann zur Konkurrentin von Superstar Franziska van Almsick werden kann, kümmert Hannah Stockbauer nicht: "Darüber mache ich mir keine Gedanken. Ich habe Franzi immer bewundert, habe zu ihr aufgeschaut. Sie ist für mich die herausragende Schwimmerin der Welt, niemand harmoniert mit dem Wasser so wie sie."
Bauchschmerzen bei 1000 Meter
"Man muss über 1500 m deutlich unter 16 Minuten schwimmen", hatte die neue Frontfrau des DSV für den Marathon vorausgesagt: "Ich denke, dass ich das drauf habe." Fünf Kilogramm hat sie abgenommen seit der EM 2002 in Berlin, ihre Trainingskilometer um nochmals 600 auf insgesamt 3000 Kilometer pro Jahr gesteigert: "Eigentlich schwimme ich die 1500 m gar nicht so gern, leider schwimme ich sie aber gut. Bei 1000 Metern bekomme ich immer Bauchschmerzen. Das war schon immer so."
Hannah Stockbauer denkt in Barcelona nicht an Goldmedaillen, sondern an die Bestzeiten. "Ich will Bestzeiten schwimmen, das ist meine Motivation. Ich sage nie, dass ich Goldmedaillen gewinnen will. Mich hat das Gold über 400 Meter Freistil überrascht, obwohl ich wusste, dass ich optimnal vorbereitet nach Barcelona gekommen bin. Wenn ich mich nicht quälen könnte, wäre ich nicht hier." Nach dem Abitur hat sie sich an der Universität im Fach Geographie eingeschrieben. Einleuchtende Begründung: "Nur Schwimmen, das geht nicht. Ich will doch nicht total verblöden."
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