Patriots treffen auf die Panthers: Super Bowl: Ganz Amerika steht Kopf
zuletzt aktualisiert: 01.02.2004 - 11:23Houston (rpo). Ganz Amerika steht Kopf: Die New England Patriots und die Carolina Panthers treffen heute Nacht bei der 38. Auflage der Superbowl aufeinander. Für ein Wochenende blickt eine ganze Nation auf das eine Sportereignis.
Zwar sind 6:1-Favorit New England Patriots und die Carolina Panthers zumindest auf dem Papier die Hauptdarsteller, doch hat das in mehr als 220 Länder übertragene Spektakel längst jenen Kultstatus erreicht, der an diesem Wochenende selbst die große Politik hinten anstehen lässt.
Die eigentlich für Montag vorgesehenen demokratischen Vorwahlen im US-Bundesstaat South Carolina wurden aus Angst vor dem "Super-Bowl-Kater" auf Mitte der Woche verlegt.
Höhepunkt des Sportjahres
Seit knapp zwei Wochen bereiten sich beide Teams in der texanischen Metropole auf den frühen Höhepunkt des US-Sportjahres vor. Die "Patrioten" wollen zum zweiten Mal innerhalb von drei Jahren die illustre Vince Lombardi Trophäe nach New England holen, für die Nobodies aus Carolina wäre ein Sieg beim Super-Bowl-Debüt der Höhepunkt einer atemberaubenden Cinderella-Story.
Doch die Schlagzeilen gehörten zunächst anderen. Der US-Fernsehstation CBS zum Beispiel, die es fertig brachte, 62 amerikanischen Unternehmen sage und schreibe 2,25 Millionen Dollar für einen jeweils 30-sekündigen Werbespot abzuknöpfen. Weil die zehn höchsten Einschaltquoten aller Zeiten am Super-Bowl-Sonntag erzielt wurden, steht die US-Werbeindustrie auch in diesem Jahr Schlange - Patriots-Quarterback Tom Brady, der vor zwei Jahren selbst zum Thema Dutzender bunter Randstories avancierte. Der Spielmacher sprang damals kurzfristig für sein verletztes Vorbild Drew Bledsoe ein und schaffte mit dem Super-Bowl-Sieg den Durchbruch.
Verteidigungsreihen stehen im Mittelpunkt
Pikanterweise könnte die Rolle des umjubelten Aufsteigers am Sonntag ausgerechnet seinem Gegenüber Jake Delhomme zufallen. Dieser gewann zwar 1999 mit den Frankfurt Galaxy die World Bowl, doch bei der anschließenden Nachwuchssichtung wurde er von den NFL-Spähern erst als 199. Spieler ausgewählt. Befürchtungen, dass er für den ganz großen Wurf zu grün hinter den Ohren sein könnte, widerlegte Delhomme ("Die Zeit in der NFL Europe hat mich gestählt") auf dem Feld. Dank seiner Nervenstärke gewannen die Panthers 14 der 16 Saisonspiele mit dem letzten Spielzug.
Dennoch werden am Sonntag vermutlich die Verteidigungsreihen im Mittelpunkt stehen. New England erlaubte dem Gegner in diesem Winter nur durchschnittlich 14,9 Punkte pro Spiel (Carolina: 19.0) und führte damit die NFL-Defensivwertung an. So wird aus Sicht der Panthers eine Gala-Vorstellung von Stephen Davis nötig sein, der mit 1.444 Yards als einziger Offensivspieler beider Mannschaften den Sprung in den Allstar-Kader für die am nächsten Wochenende anstehende Pro Bowl schaffte. Zumindest der Running Back glaubt an den Erfolg seines Teams, das noch vor zwei Jahren nur eines von 16 Saisonspielen gewann: "Wir haben so viele Wunder vollbracht. Da kommt es auf eines auch nicht mehr an." inklusive dreier Anbieter von potenzfördernden Pillen, die angesichts des kollektiven TV-Aufmarsches ihrer männlichen Zielgruppe enormes finanzielles Stehvermögen beweisen.
Ein kleines Wunder benötigen auch jene Tausende von Fans, die sich ohne Tickets nach Houston aufmachten. Selbst die zahllosen Parties im Vorfeld des Spiels - vom Männermagazin Playboy bis hin zur einer Million Dollar teuren VIP-Party der Sports Illustrated - vermeldeten ein schnelles "ausverkauft". So werden die meisten Fans vor Ort wohl gemeinsam mit rund 140 Millionen Amerikanern die "Biggest show on Earth" am Fernseher verfolgen.
Während der 12-stündigen Übertragung dürften auch in diesem Jahr Rekorde fallen. Nach Schätzungen der NFL werden am Sonntag 15. 000 Tonnen Kartoffelchips und 4000 Tonnen Popcorn verzehrt. Nicht ohne Folgen: aus Übersättigung oder Frust über das Ergebnis macht jeder zehnte Amerikaner am nächsten Morgen blau.
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