Arag World Team Cup in Düsseldorf: Tennis: Finale verpasst - Sympathien gewonnen
zuletzt aktualisiert: 21.05.2004 - 12:49Düsseldorf (rpo). Das war deutlich mehr als ein Lebenszeichen: Zwar verpasste das deutsche Daviscup-Team das Finale beim Arag World Team Cup in Düsseldorf, gewann aber Sympathien und präsentierte sich erstmals seit vielen Jahren wieder als homogene Einheit.
Hinsichtlich der schweren Playoff-Begegnung im September in Bratislava befindet sich das Team auf einem guten Weg. "Niemand spielt gerne gegen uns, weil wir sehr schwer zu schlagen sind", sagte Teamkapitän Patrik Kühnen trotz der abschließenden 1:2-Niederlage gegen Titelverteidiger Chile in Düsseldorf mit großem Selbstbewusstsein. Vor dem schweren Gang in die Slowakei ist dem dreimaligen Daviscupsieger Kühnen auch ganz und gar nicht bange: "Ich gehe davon aus, dass wir dort den Aufstieg schaffen."
Zum ersten Mal in Kühnens Amtszeit, die im September 2002 begann, haben seine Spieler ihren Auftrag verstanden. Im Egosport Tennis, der darauf angelegt ist, selbstsüchtige Einzelkämpfer herauszubringen, präsentierte sich die deutsche Mannschaft in Düsseldorf als starke und in sich geschlossene Einheit. Dort, wo in der Vergangenheit oft mehr oder minder große Eifersüchteleien und offene Feindseligkeiten das Bild bestimmt hatten, galt 2004 das Musketier-Prinzip. Niemand stand mehr gelangweilt am Flipper, wenn einer der Kollegen mit dem Schläger in der Hand für Schwarz-Rot-Gold kämpfte, niemand zog sich beleidigt zurück, wenn ein anderer an seiner Stelle auf dem Platz stand. "Sie haben kapiert, dass sie das ganz große Ding nur zusammen gewinnen können", erklärte Kühnen, der seinen Jungs seit fast zwei Jahren vom Mythos Daviscup vorschwärmt.
Botschaft bereits verinnerlicht
Rainer Schüttler, Nicolas Kiefer und Tommy Haas haben die Botschaft ihres Kapitäns offenbar verinnerlicht, müssen sie auch, wenn sie den Daviscup wirklich noch gewinnen wollen. Schüttler, der Ruhige, ist 28, Kiefer, der Wilde, wird in Kürze 27, und Haas, der Unergründliche, ist 26. Da bleibt nicht mehr allzuviel Zeit für große Ziele. "Es wäre fatal, wenn wir im September nicht aufsteigen", sagt Kühnen: "Die Spieler sind keine 20 mehr, sie können es sich kaum erlauben, noch ein oder zwei Jahre in der Zweitklassigkeit zu vertändeln."
In Düsseldorf jedenfalls haben sie nichts vertändelt. Angefeuert und unterstützt von einem begeisterungsfähigen Publikum, das den Willen und die Leistungsbereitschaft der deutschen Mannschaft spürte, trennte die Gastgeber am Ende nur ein einziger Punkt vom ersten Finale seit dem Turniersieg 1998. Im entscheidenden Gruppenspiel hielt Schüttler gegen den derzeit besten Chilenen Nicolas Massu nur zwei Sätze lang gut mit, ehe er im dritten Durchgang Alles oder Nichts spielte und am Ende 4:6, 6:4, 2:6 verlor. Tommy Haas hatte gegen Fernando Gonzalez seine Chancen, vergab aber zwei Satzbälle und damit letztlich auch das Match zum 4:6, 6:7 (4:7).
"Mit Erfolgserlebnis verabschieden"
Kühnen ließ beide Einzelspieler auch noch im Doppel antreten, weil er wollte, "dass sie sich mit einem Erfolgerlebnis aus Düsseldorf verabschieden". Die Rechnung ging auf, Schüttler und Haas besiegten Massu und Adrian Garcia 7:5, 6:2. Bis zum allerletzten Ballwechsel feuerte der am rechten Handgelenk verletzte Nicolas Kiefer die Kollegen von der Tribüne aus an - in früheren Jahren ein eher seltenes Bild.
Was genau Tennisflüsterer Kühnen anders macht als seine prominenten Vorgänger Boris Becker und Michael Stich, weiß der Mann aus dem Saarland selbst nicht so genau. "Ich bin wie ich bin", sagt Kühnen. Nach außen hält er sich stets zurück, seine Spieler sollen im Vordergrund stehen, und die danken dem Chef so viel Bescheidenheit mit dem im deutschen Tennis lange vermissten Wir-Gefühl.
Am Donnerstag in Düsseldorf nutzte Kühnen dann spontan die Gelegenheit, sich bei seinen Jungs zu bedanken: "Ich bin sehr stolz, so eine Mannschaft trainieren zu dürfen." Spätestens in Bratislava müssen den hehren Worten allerdings knallharte Taten folgen.
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