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Schon vier Deutsche ausgeschieden: Tennis: Schüttler überraschend bei Australian Open ausgeschieden

zuletzt aktualisiert: 19.01.2004 - 09:36

Melbourne (rpo). Der deutsche Tennisprofi Rainer Schüttler ist bei den Australian Open überraschend schon in der ersten Runde gescheitert. Der Vorjahresfinalist unterlag dem Schweden Robin Solderling in fünf Sätzen.

Rainer Schüttler warf nach seiner Pleite im Eröffnungsspiel der Australian Open enttäuscht die Schläger in die Tasche und verabschiedete sich auf unbestimmte Zeit vom Tennis. Ein Jahr nach dem überraschenden Finaleinzug von Melbourne unterlag die große deutsche Hoffnung 6:4, 6:4, 5:7, 3:6, 4:6 gegen den erst 19 Jahre alten Schweden Robin Söderling.

"Dieser Monat Januar ist ein Albtraum, alles was schief laufen konnte, ist schief gelaufen. Schlimmer kann es wirklich nicht mehr werden", sagte Schüttler, der den "schwarzen" deutschen Tag 1 beim ersten Grand-Slam-Turnier 2004 einleitete. Nach ihm scheiterten auch Tomas Behrend, Lars Burgsmüller und Angelika Bachmann in der ersten Runde - die 11.000 Euro Preisgeld pro Kopf waren ein schwacher Trost.

Lange Pause

Fassunglos saß Schüttler in der Umkleidekabine, nachdem ihm trotz 2:0-Satzführung und Breakball zum 6:5 in Satz drei nicht der erste Sieg in diesem Jahr geglückt war. Nicht mal sein Trainer und Freund Dirk Hordorff konnte ihn trösten, Schüttler wollte einfach nur noch weg vom Ort der Blamage.

Die Pause vom Tennis wird nach den wohl bittersten 192 Minuten seiner Karriere länger als nur ein paar Tage dauern: "Momentan bin ich wirklich nicht motiviert, weiter zu trainieren. Ich nehme den Tennisschläger erst wieder in die Hand, wenn ich Lust drauf habe."

Zwei Wochen Spielpause waren nach Ende der Australian Open ohnehin geplant, jetzt sind es in jedem Fall fast vier Wochen, und vielleicht kehrt Schüttler auch erst bei den großen US-Turnieren im März auf den Court zurück. In jedem Fall will er sich die Zeit nehmen, den schlechtesten Saisonstart seiner Karriere zu verdauen, um "irgendwann wieder an die Erfolge anzuknüpfen".

Zumindest Daviscup-Teamchef Patrik Kühnen glaubt daran: "Er wird wiederkommen. Rainers Aus ist zwar ein Schock, aber kein Weltuntergang." Schließlich hat die Schüttler-Crew bereits ausgerechnet, dass er von Platz sechs des Rankings nach den Australian Open höchstens eine Position abrutschen wird.

Schüttler hilflos

Schüttler selbst fand, dass er wieder mal seine Chancen nicht genutzt habe und war bei der Ursachensuche ansonsten eher hilflos. Vielleicht sei die Pleite ein Ergebnis der wegen der erstmaligen Teilnahme an der ATP-WM in Houston/Texas später begonnenen Saisonvorbereitung: "Aber das soll keine Entschuldigung sein, ich habe ganz schlecht gespielt. Am größer gewordenen Druck hat es jedenfalls nicht gelegen - ich habe mich wahnsinnig auf Melbourne gefreut."

Dennoch wirkte er nach den Strapazen des vergangenen Jahres mit 101 Spielen und dem Aufstieg auf Platz sechs der Welt mental ausgelaugt, scheiterte nach Doha und Sydney auch bei seinem dritten Versuch in dieser Saison schon in Runde eins. Völlig unnötig, wie nicht nur Dirk Hordorff als einer von 10.000 überraschten Zuschauern in der sonnenüberfluteten Rod-Laver Arena befand: "Dieses Spiel hätte er nicht verlieren dürfen und nicht verlieren müssen."

Unerklärlich

Nach nervösem Start bis zum 0:3 hatte Schüttler das Spiel über fast drei Sätze im Griff. Der Deutsche überzeugte wie gewohnt mit starker Laufarbeit und soliden Grundschlägen, während der tapsig wirkende Jungstar Söderling seine gewaltigen Grundschläge immer wieder ins Aus jagte. Schüttler freute sich im dritten Satz über eine ungewohnte Serie von drei Assen in Folge und verlor dann doch den Faden. Beim Breakball zum vorentscheidenden 6:5 spielte er dem am Netz postierten Schweden einen vergleichsweise leichten Passierball direkt auf den Schläger. Der anschließend verlorene Satz war der Anfang vom Ende von Schüttlers Traum vom ersten Grand-Slam-Sieg.

"Seit vier Wochen mache ich alles falsch", sagte der extra im roten Glückstrikot des Vorjahres angetretene Deutsche wutenbrannt. Als er auch im vierten Satz einen Breakvorsprung einbüßte, brach sein nervöser Coach Hordorff das strikte Rauchverbot auf dem Centre Court.

Er musste fassunglos zusehen, wie sein Schützling mit der Rückhand kaum mehr einen Ball über das Netz brachte und schließlich von der Nummer 57 der Welt vorgeführt. Hordorff entdeckte im fünften Satz Zeichen von Hilflosigkeit, Kühnen wurde noch drastischer: "Am Ende hatte Rainer eine selbstzerstörerische Tendenz, die muss er unbedingt abstellen."

Vier von neun sind draußen

Fünf Stunden, nachdem er "Shaker" vergeblich Trost gespendet hatte, verabschiedete sich auch Lars Burgsmüller (Sundern) auf einem windigen Außenplatz mit einem 4:6, 6:3, 2:6, 1:6 gegen den Tschechen Bohdan Ulihrach aus dem Turnier. Tomas Behrend aus Sundern hatte beim 1:6, 2:6, 2:6 gegen den Österreicher Jürgen Melzer keine Chance. Ebenfalls in der ersten Runde ausgeschieden ist als eine von nur drei deutschen Starterinnen die Qualifikantin Angelika Bachmann (München), die 1:6, 4:6 gegen die Australierin Alicia Molik verlor.

Damit sind nach einem Tag ohne Sieg bereits vier der neun Deutschen im Hauptfeld ausgeschieden - die vagen Hoffnungen auf die Verhinderung der totalen Pleite ruhen nun auf Nicolas Kiefer (Hannover) und Marlene Weingärtner (Moers).


 
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