Stuttgart: Schüttler souverän, Burgsmüller draußen: Tennis: Tomas Behrend besiegt Carlos Moya
zuletzt aktualisiert: 16.07.2003 - 20:40Stuttgart (rpo). Völlig überraschend ist Tomas Behrend aus Sundern mit einem Sieg gegen Moya als erster deutscher Tennisprofi ins Achtelfinale des ATP-Turniers auf dem Stuttgarter Weissenhof eingezogen. Auch Rainer Schüttler ist weiter, während Lars Burgsmüller ausgeschieden ist.
Der 28-Jährige, in Brasilien geboren und seit neun Jahren in Deutschland zuhause, schlug nach einer guten Leistung vor rund 800 Zuschauern auf dem Centre Court den ehemaligen Weltranglisten-Ersten und früheren French-Open-Sieger Carlos Moya aus Spanien 7:6 (7:5), 7:6 (7:2) und steht damit im Achtelfinale gegen Max Mirnji (Weißrussland).
Mit seinem Coup stellte Behrend sogar das anschließende deutsch-deutsche Duell zwischen Rainer Schüttler (Korbach) und Maximilian Abel (Neu-Isenburg) in den Schatten, das Melbourne-Finalist Schüttler bei am Ende strömendem Regen mit 6:2 und 6:4 klar zu seinen Gunsten entschied. "Ich hab mich schon dominierend gefühlt. Zwischendurch habe ich allerdings meine Linie verloren, das darf mir eigentlich nicht passieren. Aber insgesamt war ich doch überlegen", meinte der Korbacher. In der Runde der letzten 16 trifft der an Nummer drei gesetzte Schüttler auf den zwölf Positionen niedriger eingestuften Spanier Alex Corretja, der sich mit 4:6, 6:1, 7:5 gegen Olivier Rochus aus Belgien durchsetzte.
"Diesen Tag werde ich nie vergessen. So weit ich weiß, habe ich noch nie gegen einen Top-Ten-Spieler gewonnen", meinte Tomas Behrend voller Freude: "Ich habe Moya auf seiner schwachen Rückhandseite festgenagelt und immer wieder versucht Druck auszuüben. Das hat einfach super geklappt." Sein langjähriger Trainer und Freund Marko Seidensticker versuchte die Euphorie zwar etwas zu dämpfen ("Moya hat es ihm auch sehr leicht gemacht"), erkannte jedoch die Leistung seines Schützlings an: "Tomas hat es gut gemacht und ist wirklich in guter Form."
Bei fast 40 Grad Hitze
Behrend, neuerdings mit leicht blonden Schattierungen im dichten schwarzen Haar, konnte sich fast überhaupt nicht mehr beruhigen: "Wenn noch mal einer sagt, ich sei nicht fit, dann soll er bei dem Wetter mal auf den Platz gehen." Bei knapp 40 Grad Celsius im Schatten ließ der Deutsch-Brasilianer kein Zeichen von Schwäche erkennen.
Für Behrend war es in diesem Jahr nach seinem Erfolg gegen Marcelo Rios (Chile) beim Arag World Team Cup in Düsseldorf schon der zweite Erfolg gegen eine ehemalige Nummer eins der Welt. Nach Jahren der allenfalls mittelmäßigen Erfolge scheint bei dem stets freundlichen Südländer der Knoten endgültig geplatzt zu sein: "Es hat bei mir lange gedauert, für die Weltspitze hat immer ein Stück gefehlt. Aber jetzt habe ich noch immer mindestens fünf Jahre Zeit, um im Ranking nach vorne zu stoßen. Auch Andre Agassi spielt mit Mitte 30 auf sehr hohem Niveau."
Behrends nächstes Ziel ist das Daviscup-Playoff vom 19. bis 21. September auf der Anlage seines Bundesligavereins Blau-Weiß Sundern gegen Max Mirnji und das weißrussische Team. Dann will er, falls Tommy Haas tatsächlich nicht spielen kann, die Nummer zwei hinter Schüttler sein. "Patrik Kühnen hat das komplette Match gesehen. Ich denke, es hat ihm gefallen", meinte Behrend, der sich mit einem Sieg gegen Mirnji bei Teamchef Kühnen durchaus empfehlen könnte.
Burgsmüller gescheitert
Publikumsliebling Lars Burgsmüller (Sundern) hat den Einzug ins Achtelfinale verpasst. Der letztjährige Halbfinalist unterlag am Mittwochabend dem spanischen Sandplatzspezialisten Tommy Robredo nach hartem Kampf 7:6 (9:7), 3:6 und 5:7.
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