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Pound sieht Doppelmoral im US-Verband: THG-Doping: Alle 731 Nachkontrollen negativ

zuletzt aktualisiert: 08.12.2003 - 14:38

Montreal (rpo). Eine lebenslange Dopingsperre schon bei Erstvergehen mit anabolen Steroiden führte die USA-Leichtathletik ein. Das sei allerdings weltweit nicht durchsetzbar, meinte der Chef der Anti-Doping-Weltagentur Wada, Dick Pound. Er spricht von einer Doppelmoral der amerikanischen Entscheidung. Unterdessen sind alle 731 THG-Nachkontrollen negativ ausgefallen. 

Auf große Skepsis ist der Beschluss des amerikanischen Leichtathletik-Verbandes (USATF) gestoßen, für Doping-Erstvergehen mit Steroiden zukünftig eine lebenslange Sperre verhängen zu wollen. "Ich bin der Meinung, dass einmalige, große Initiativen, die effekthascherisch sind, wenig nützlich sind sind. Und ich halte es nicht für glaubwürdig, wenn ein Land, das jahrelang nichts getan hat, mit so etwas kommt", meinte Helmut Digel, Vizepräsident des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF, am Montag. "Ich halte mehr von Regeln, die in allen Ländern anwendbar sind."

Rechtlich auf wackeligem Grund

Die am Wochenende in Greensboro/North Carolina von der USATF- Vollversammlung getroffene Entscheidung steht rechtlich auf höchst wackeligem Grund. Sowohl die IAAF-Regel als auch der Welt-Anti- Doping-Code sehen bei einem Erstvergehen mit Anabolika einen Zwei- Jahres-Bann vor. "Für Deutschland ist klar, dass eine lebenslange Sperre vor ordentlichen Gerichten kein Bestand hat", sagte Digel.

Der frühere Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) verweist dabei auf den Fall Katrin Krabbe. Die Doppel-Weltmeisterin von 1991 im Sprint klagte erfolgreich auf Schadensersatz gegen die IAAF, die eine vom DLV verhängte einjährige Sperre wegen Medikamentenmissbrauch um zwei Jahre verlängerte.

"Wie der US-Verband von einem Extrem ins andere stolpert, ist schon verwunderlich", meinte auch Ulrich Haas, Mitglied der Europarats-Begleitkommission zu Doping-Rechtsfragen. Es gäbe schließlich einen Anti-Doping-Code, der eine Zwei-Jahre-Sperre vorsieht und der bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen eingeführt werde. "Deshalb würde man nicht nur gegen einen künftigen weltweiten Standort verstoßen, sondern auch gegenwärtige Praxis ignorieren", so Haas.

"Es ist grotesk. Bei zukünftigen Doping-Fällen verhängen die Amerikaner eine Strafe, die nicht anwendbar ist", meinte DLV- Präsident Clemens Prokop, der jahrelang Mitglied der Anti-Doping- Kommission der IAAF gewesen ist. "Bisher hat der USATF ja nicht mal die zweijährige Sperre angewendet. Es sieht deshalb etwas nach Ablenkungsmanöver aus."

Dies sieht Roland Augustin, Geschäftsführer der Nationalen Anti- Doping-Agentur (NADA), ähnlich: "Dies ist eine riesige Nebelkerze. Es ist nicht besonders glaubwürdig, wenn die Amerikaner so vom Saulus zum Paulus werden." Schon vor dem USATF-Beschluss hatte Jacques Rogge, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), seine Bedenken kund getan und von einer Überreaktion gesprochen: "Es ist ein starkes Signal, doch keine gute Idee."

Moderat und diplomatisch reagierte hingegen IAAF-Generalsekretär Istvan Gyulai auf den USATF-Plan. "Es ist die Nachricht: Aufgepasst! Wir wollen eine saubere Leichtathletik", begrüßte er das zur neuen "Null-Toleranz-Politik" des USATF gehörende Vorhaben als "symbolische Verpflichtung".

Deutsche Athleten haben nichts zu fürchten

Allerdings hat sich der USATF in der Vergangenheit bei Doping- Problemen, die bis zum bis heute nicht geklärten Fall Jerome Young reichen, wenig kooperativ gezeigt. "Ich hätte mir deshalb gewünscht, wenn auch etwas zu Young gekommen wäre", sagte Gyulai. Der US-Läufer war vor den Olympischen Spielen 2000 in Sydney positiv auf Anabolika getestet, jedoch nicht gesperrt worden. Die IAAF will aber - auch auf Druck des IOC - nicht locker lassen und weiter Aufklärung fordern. "Wir werden weiter dran bleiben", meinte Gyulai.

Unterdessen müssen deutsche Athleten im Zuge der THG-Affäre keine Strafen fürchten. Alle 731 Nachkontrollen auf das in diesem Jahr aufgetauchte Designer-Steroid Tetrahydrogestrinon (THG) durch die Nationale Anti-Doping-Agentur (NADA) sind negativ. "Dies zeigt, dass der deutsche Sport gut dasteht", erklärte NADA-Kuratoriumsvorsitzende Hans-Ludwig Grüschow.

<P>Seit einigen Jahren hat der Radsport wegen Doping nicht den besten Ruf.  Foto: RPO
<P>Seit einigen Jahren hat der Radsport wegen Doping nicht den besten Ruf. Foto: RPO

 
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