Boxen: Tschagajew fordert Walujew - David gegen Goliath
zuletzt aktualisiert: 13.04.2007 - 15:58Düsseldorf (RP). Die Gewichtsklasse, in der Nicolai Walujew boxt, gibt es im Prinzip gar nicht. Der russische Riese, der wie ein ungelenker Tanzbär durch den Ring zu tapsen pflegt, misst 213 Zentimeter vom Scheitel bis zur Sohle und wiegt um 150 Kilogramm. Ein Mann wie ein Gebirge.
Der Unterschied vom Mittelgewicht zum Supermittelgewicht beträgt beispielsweise nicht einmal vier Kilo, und es gibt gute Gründe, weswegen man Boxer dieser beiden Kategorien nicht gegeneinander antreten lässt.
Dem Schwergewicht, das bei 90,72 Kilogramm beginnt, ist nach oben kein Limit gesetzt. So ergibt es sich, dass die Kämpfe zwischen Walujew (33) und seinen Kontrahenten in der Regel dem Duell David gegen Goliath gleichkommen. Der Höhenunterschied beträgt nicht selten mehr als 20 Zentimeter, der Gewichtsunterschied 50 Kilogramm. Einen solchen Koloss haut man nicht so einfach um, und so hat Goliath bisher noch jeden seiner 46 Kämpfe gewonnen - davon 34 durch K.o.
Der sonst gutmütige Russe, Weltmeister nach Version des Profi-Verbandes WBA, ist bei dem deutschen Promoter Wilfried Sauerland unter Vertrag. Für zunächst drei Kämpfe hat sich auch der berühmt-berüchtigte Amerikaner Don King die Rechte an ihm gesichert. Der allenthalben herzlich gemiedene Dampfplauderer, der für ein gutes Geschäft alle Skrupel über Bord wirft, will Walujew bisweilen als eine Art King Kong in den USA vermarkten.
Morgen tritt der Russe mal wieder in einem deutschen Ring an. In der Stuttgarter Porsche-Arena versucht ein usbekischer Herausforderer namens Ruslan Tschagajew gegen ihn sein Glück. Der Mann ist 28 Zentimeter kürzer, fünf Jahre jünger und rund einen Zentner leichter.
Er ist dennoch zuversichtlich, dass er dem Riesen aus St. Petersburg die Grenzen aufzuzeigen vermag. Tschagajew wird auch respektvoll der „weiße Mike Tyson“ genannt - in erster Linie wegen seiner enormen Schlagkraft. Auch er ist unbesiegt, hat 17 seiner 23 Kämpfe vorzeitig gewonnen.
Um große Sprüche ist der Usbeke schon mal nicht verlegen. In Anspielung auf die überlegenen Körpermaße Walujews kündigte er übermütig an: „Deswegen hat er auch viel Angriffsfläche zwischen Gürtellinie und Kopf.“
Sogar Tschagajews Trainer Michael Timm ließ sich zu einer ungewöhnlich optimistischen Prognose hinreißen: „Walujew hat noch nie gezuckt, wenn er am Kopf getroffen wurde. Aber ich weiß, dass Ruslan im Ring mit richtigen Steinen schmeißen kann.“
Samstagabend schlägt für Tschagajew die Stunde der Wahrheit.
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