Boxen: Ulrich meldet sich zurück
zuletzt aktualisiert: 09.04.2006 - 11:48Kiel (rpo). Manche Boxer erholen sich nie mehr von dem Trauma, dass eine schwere K.o.-Niederlage auslöst. Nicht so Thomas Ulrich. Der Berliner Halbschwergewichtler bezwang in der Nacht zum Sonntag in Kiel Henry Saenz aus Nicaragua über zehn Runden einstimmig nach Punkten und zeigte dabei insgesamt eine gute Leistung.
Promoter Klaus-Peter Kohl strahlte Zufriedenheit aus. Seine Schützlinge seien "auf dem richtigen Weg", "können bald wieder um eine WM boxen" und "wir erreichen unser Ziel auf jeden Fall." Der Hamburger hat am Samstag seine 1B-Garde zum Perspektivtest nach Kiel beordert. Thomas Ulrich und Sinan Samil Sam bestritten die ersten Kämpfe nach schweren Niederlagen, Schwergewichtstalent Alexander Dimitrenko ein Comeback nach langer Verletzungspause. Alle haben ihre Tests gewonnen, ob sie aber den Durchbruch ganz nach oben schaffen, bleibt zweifelhaft. Alte Schwächen waren zu sehen, Fortschritte und Stagnation wechselten sich ab - Antworten hat Kohl gesucht, Fragen bleiben.
Das gilt auch für Ina Menzer, die dafür vorgesehen ist, eines Tages Quoten-Königin Regina Halmich als Vorzeige-Blondine in deutschen Boxringen und auf Fernsehschirmen abzulösen. Die Mönchengladbacherin verteidigte ihren WIBF-Titel im Federgewicht gegen die überforderte Maribal Santana aus der Dominikanischen Republik souverän, weil die 35-Jährige nach schmerzhaften Kopftreffern nicht mehr zur vierten Runde antrat. Der Weg zur neuen "First Lady" ist aber für die kaum geforderte 25-Jährige noch lang. "Champion werden ist einfacher als es zu bleiben", meinte Kohl.
Kohl erleichtert
Als Halbschwergewichtler Thomas Ulrich zum Hauptkampf gegen Henry Saenz aus Nicaragua in den Ring kletterte, standen dort die Nummerngirls mit Fahnen bereit. Meisterschafts-Dekoration, dabei ging es für den 30-jährigen Berliner um keinen Titel, sondern "nur" um die Zukunft. "Man fragt sich nach einem schweren K.o. ja immer, wie ein Boxer das übersteht", meinte Kohl. Ulrich war im Oktober bei seinem ersten WM-Kampf in einem offenen Schlagabtausch in der sechsten Runde vom Polen Tomasz Adamek niedergeschlagen worden. "Er hat gezeigt, dass er dadurch keine Substanz verloren hat", stellte sein Promoter jetzt fest.
Der Box-Manager hat damit ein attraktives Zugpferd behalten und war entsprechend erleichtert. Ulrich sieht gut aus, kommt sympathisch rüber und ist Deutscher, er erfüllt damit die Quoten-Kriterien von TV-Partner ZDF. Kohl denkt deshalb schon wieder an große Aufgaben in der Zukunft: "Fabrice Tiozzo ist sicher eine Option." Um aber gegen den letzten Bezwinger von Dariusz Michalczewski bestehen zu können, muss der Berliner seine Deckung verbessern. Nach Schlägen hängt regelmäßig seine Linke. Wo Adamek entscheidend traf, kam auch Saenz durch. "Beim Schlagabtausch mache ich manchmal ziemlich auf, das ist eine alte Schwäche" räumte Ulrich ein, der im 31. Profikampf zum 29. Mal gewann.
Schwache "Königsklasse"
An seine WM-Chance glaubt auch wieder der Türke Samil Sam. Nach seiner schweren Niederlage im WM-Ausscheidungskampf im November gegen Oleg Maskajew (Russland) kehrte er von Promoter Wilfried Sauerland zu Kohl zurück und wird jetzt von Fritz Sdunek betreut. Um zehn Kilogramm abgespeckt, marschierte Sam gegen den Brasilianer George Arias im Kampf um die Internationale Meisterschaft der WBC ununterbrochen nach vorne und gewann zu Recht nach Punkten. Große Teile des Publikums aber pfiffen den Sieger aus. "Die ersten fünf Runden waren erstklassig, aber dann hat er auf der Innenbahn zu viel eingesteckt", kritisierte Sdunek, "wenn wir das noch abstellen, reicht es auf jeden Fall wieder für die Weltspitze."
Die "Königsklasse" ist so schwach, dass dieser Anspruch realistisch scheint. Auch mit Dimitrenko rechnet Kohl nach dem Gewinn der Interkontinental-Meisterschaft der WBO durch den Punktsieg gegen Fernely Feliz (Dominikanische Republik) noch, obwohl der 23 Jahre alte Ukrainer in seiner Entwicklung etwas stagniert. "Er ist als Schwergewichtler ja noch ein Baby", sagte Kohl, "er ist für höhere Aufgaben geeignet."
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