Doping-Geständnis: USA können wieder Goldmedaille verlieren
zuletzt aktualisiert: 23.05.2008 - 10:51San Francisco (RPO). Der Staffel-Olympiasieger Antonio Pettigrew gestand im Prozess gegen seinen ehemaligen Trainer Trevor Graham gedopt zu haben. Den USA drohen der Verlust einer weiteren Goldmedaille von Sydney und die Aberkennung des 4x400-Meter-Weltrekords der Leichtathleten.
Nach dem Doping-Geständnis von Antonio Pettigrew müssen die Olympia-Geschichtsbücher der Sommerspiele in Sydney 2000 jetzt ein weiteres Mal umgeschrieben werden. Den USA droht nicht nur der Verlust der Pettigrew-Goldmedaille. Auch wackeln der Weltrekord aus dem Jahr 1998 (2:54, 20 Minuten) sowie drei WM-Staffelgoldmedaillen (1997, 1999 und 2001).
Der 40 Jahre alte dreimalige Staffel-Weltmeister (1997, 1999 2001) gab zu, ab 1997 Dopingmittel vom Dealer Angel Heredia bezogen zu haben, darunter das Ausdauermittel Epo sowie Wachstumshormone. Heredia hatte bereits am Mittwoch ausgesagt, er habe Pettigrew von 1997 bis 2001 versorgt. Zu der Zusammenarbeit sei es auf Anraten Grahams gekommen. "Er sprach von zwei Arten von Dopingmitteln, die mir als 400-m-Läufer nützen würden", sagte Pettigrew: "Er hatte den Kontakt und bot mir an, diesen zu nutzen."
Damit stehen neben dem Sydney-Olympiagold, das Pettigrew an der Seite von Superstar Michael Johnson holte, auch die drei WM-Titel sowie der Weltrekord von 2:54,20 Minuten (1998) auf dem Spiel. Bitter wäre es besonders für den fünfmaligen Olympiasieger Johnson, dem auf Grund des Fehlverhaltens eines seiner Staffelpartner der Verlust eines Olympiagolds und einer seiner neun WM-Goldmedaillen (4x400 m/1999) sowie einer seiner drei noch aktuellen Bestmarken droht. Die USA würden aber mit den 1993 bei der WM in Stuttgart erzielten 2:54,29 Minuten Weltrekordler bleiben.
Beim ersten Dopingfall in der Sydney-Olympiastaffel durch Jerome Young durften Johnson und die anderen Läufere ihre Medaillen noch behalten. Young muss sein Edelmetall zwar zurückgeben, doch da er nur im Vorlauf eingesetzt war und sein Vergehen zudem aus der Zeit vor Olympia stammte, verzichtete das Internationale Olympische Komitee auf die komplette Streichung der Staffel. Mit so viel Rücksicht ist dieses Mal nicht zu rechnen.
Bereits durch das Dopinggeständnis von Ex-Sprintkönigin Marion Jones hatten die USA erst in diesem April drei Gold- sowie zwei Bronzemedaillen von Sydney sowie ein WM-Gold und ein WM-Silber von Edmonton 2001 verloren. Die Medaillen-Neuvergabe ist noch nicht neu geregelt.
Die neuen Enthüllungen kamen zu Tage, weil der 44 Jahre alte gebürtige Jamaikaner Graham angeklagt ist, Jeff Novitzky von der US-Steuerbehörde IRS im Zusammenhang mit dessen Ermittlungen zum Balco-Skandal 2004 dreimal belogen zu haben. Zahlreiche seiner Ex-Schützlinge müssen nun als Zeugen aussagen. Graham hatte Doping verneint und will den Dopingmittel-Händler Heredia auch nicht vorher gekannt haben. Ihm drohen bis zu 15 Jahre Haft und eine 750. 000-Dollar-Geldstrafe.
Graham, der fast ein Dutzend Athleten trainierte, die in den vergangenen Jahren in Dopingskandale verwickelt waren, löste durch Lieferung von Beweismaterial (THG-Spritze) an die Anti-Doping-Behörden den Balco-Skandal aus. Die anschließenden Ermittlungen führten zu Sperren etlicher Athleten und zur Verurteilung von Laborchef Victor Conte zu einer viermonatigen Gefängnisstrafe.
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