Maske lehnt ab: Viererkampf mit Rocchigiani, Michalczewski und Ottke?
zuletzt aktualisiert: 03.04.2007 - 13:54Köln (RPO). Bei aller Euphorie, die der Fight am Samstag bei den Box-Fans in Deutschland wieder entfacht hat, behielt der 43-Jährige wie in den zwölf Runden gegen den Cruisergewichts-Weltmeister aus den USA kühlen Kopf. Weitere Kämpfe wird es nicht geben.
"Da wird mindestens einer fehlen. Denn ich habe ein Versprechen gegeben. Mich wird man in Boxerhose und Tiefschutz nicht mehr im Ring sehen", sagte der Ex-Champion dem sid in einem Interview nach dem Kampf zu dem Vorschlag seines ehemaligen Gegners Graciano Rocchigiani, ein Viererturnier zu veranstalten.
Rockys Idee, ihn Maske, Dariusz Michalczewski und einen weiteren Fighter, womöglich Sven Ottke, um zehn Millionen Euro boxen zu lassen, hatte die Wirkung verfehlt.
Vielmehr wurde Henry Maske in seinem Domizil mit etwas Abstand die vielschichtige Bedeutung des Erfolges nach über einem Jahr Vorbereitung immer bewusster. "In meiner Sportler-Laufbahn ist das einzigartig. Bei meinem Olympiasieg bin ich vor Freude hochgesprungen. Aber diesen Moment gab es noch nicht. Für mich war das eine neue Herausforderung, ein völlig neuer Touch: 'Ist so etwas überhaupt möglich?' Und dann das Gefühl: 'Wow, du hast es geschafft!'", erklärte der Rechtsausleger, der im Amateurlager alles gewann. Europameister- und WM-Titel - und die Goldmedaille bei den Olympischen Sommerspielen 1988 in Seoul.
Die Stunde im Flieger von München nach Köln war die ruhigste Phase eines aufregenden Wochenendes für Deutschlands Profibox-Ikone Henry Maske. Denn als der Gentleman in seiner Wahlheimat Overath eintraf, gab es erstmal einen ordentlichen Empfang durch Nachbarn und den Bürgermeister der Gemeinde im Bergischen. Sekt und Nussecken wurden gereicht, um den denkwürdigen Sieg in der Revanche gegen Virgil Hill zu feiern.
Seinen Kritikern hat er es vor allem gezeigt, den er zunächst mit den Worten "Der Erfolg gibt mir recht" begegnet. Doch diese Aussage ließ Maske nicht allein stehen. "Das Beispiel Axel Schulz hat gezeigt, dass Deutschland nicht auf Comebacks wartet. Als ich meine Absichten verkündet habe, hat selbst in meinem Freundeskreis niemand gesagt: 'Jawoll!' Kritik ist nicht immer schön, aber sie hat mich auch weitergebracht. Die Kritik war aber letztendlich nicht bedeutend für mein Vorhaben, sondern einzig allein meine Leistung", sagte der IBF-Titelträger im Halbschwergewicht von 1993 bis 1996.
Die überschwänglichen Lobeshymnen auf seinen Erfolg bewertete Henry Maske trotz seiner Freude sehr nüchtern. Gar nichts anfangen konnte er mit Aussagen, nach denen er der neue Max Schmeling sei. Maske: "Ich bin stolz darauf, von Max Schmeling als Freund bezeichnet worden zu sein. Aber es wird nie einem zweiten Max Schmeling geben."
Durchschnittlich 15,99 Millionen Zuschauer an den TV-Schirmen, 63 Prozent Marktanteil und knapp 200.000 Euro für eine Werbeminute während des Kampfes waren Werte, die zuvor am 23. November 1996 beim missglückten Abschied Maskes erreicht worden waren.
"Die Situation ist seit zehn Jahren unverändert gut bis außergewöhnlich. Sie sind nach wie vor nicht mit den Zeiten vor 1990 zu vergleichen, da hat kein Hahn nach Boxen gekräht. Selbst fünf bis sechs Millionen Fernsehzuschauer sind sehr gut", sagte "Sir Henry".
Mit einem Duell a la Regina Halmich vs. Stefan Raab kann er allerdings wenig anfangen: "Der ersthafte Boxfreund beschäftigt sich damit nicht wirklich."
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