EM: Volleyballerinnen vor historischem Debakel
zuletzt aktualisiert: 20.09.2005 - 11:24Zagreb (rpo). Nach der dritten EM-Pleite stehen die deutschen Volleyballerinnen vor einem historischen Debakel. Zwei Jahre nach Bronze geht es für die in der Vorrunde abgeschlagen auf dem letzten Platz liegenden "Schmetterlinge" nur noch um Schadensbegrenzung.
Es droht mit Platz elf oder zwölf gar das schwächste Ergebnis in der EM-Geschichte seit 1958. Der Verband stellte sich trotzdem klar hinter Bundestrainer Hee Wan Lee. "Es gibt keine Kritik am Trainer, diese schwache Leistung kann man ihm nicht in die Schuhe schieben. Schließlich fehlen wichtige Spielerinnen", sagte Verbandschef Werner von Moltke dem sid: "Aber wir sind sehr enttäuscht, schließlich wollten wir ins Halbfinale. Da gibt es in den nächsten Wochen viel zu besprechen." Mit dem 1:3 gegen Serbien und Montenegro, 2:3 gegen Polen und 0:3 gegen Aserbaidschan hatte das hilflose Team schon bis zum Ruhetag in Zagreb alle Chancen auf die zehnte EM-Medaille der Geschichte verspielt. Von den letzten 21 Spielen seit der erfolgreichen WM-Qualifikation wurden nur vier gewonnen.
Der südkoreanische Chefcoach Lee selbst sieht die Schuld bei der mangelnden Qualität der Spielerinnen. "Mit dieser Mannschaft haben wir einfach keine Chance, sie ist ein Notfall", erklärte Lee: "Wenn die Analyse Fehler bei mir ergibt, stelle ich mich dem. Ich muss nicht unbedingt die Nationalmannschaft betreuen." Kapitän Angelina Grün erklärte aber, das Klima zwischen Mannschaft und Trainer stimme noch: "Natürlich drückt das Ergebnis bei allen auf die Stimmung. Ein Spiel müssen wir auf jeden Fall gewinnen, aber mit dieser Mannschaft ist es halt schwer, überhaupt die nächste Runde zu erreichen."
Zumal sie als einzige verbliebene Spielerin mit internationaler Klasse am linken Knie verletzt ist. Der Außenmeniskus ist lädiert, das Gelenk musste auch am Ruhetag behandelt werden. Von ihrer Genesung wird es abhängen, ob das deutsche Team mit Siegen in den verbleibenden Spielen gegen Kroatien (Mittwoch) und Rumänien (Donnerstag) doch noch die Platzierungsspiele um die Ränge fünf bis acht erreichen kann. "Wenn Grüni voll dabei ist, gewinnen wir zweimal. Ansonsten habe ich einen sehr schweren Job", meinte Lee. Bei einem letzten Platz in der Vorrunde stünde für den Weltranglistenzehnten einer der beiden letzten Plätze der EM zu Buche - bisher waren neunte Ränge (1997 und 2003) das Negativresultat. Moltke: "Das wäre eine Katastrophe."
Wenn sich an der Besetzung der Mannschaft nichts ändere, so Lee, habe Deutschland bei der WM 2006 in Japan nichts zu suchen. Schließlich geht es dann auch um die wichtige Bundesförderung. Die erfahrene Tanja Hart soll auf die bei der EM so schwach wie nie besetzte Zuspielerposition zurückkommen, zudem muss der Angriff mit den in Zagreb schmerzlich vermissten Margarethe Kozuch, Atikaa Bouagaa oder Judith Sylvester verstärkt werden.
Lee fordert auch eine Verbesserung der Nachwuchsausbildung und nach dem Vorbild anderer Länder wie Aserbaidschan eine Konzentration der besten Spielerinnen in einem Verein.
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