Schwimm-WM: Weltrekord! Biedermann macht Phelps nass
zuletzt aktualisiert: 28.07.2009 - 21:05Rom (RPO). "Gladiator" Paul Biedermann reckte die Siegerfaust in den Himmel von Rom und ließ sich von 15.000 ausgelassenen Zuschauern im Foro Italico feiern: Deutschlands neuer Schwimm-Supermann hat das "Gigantenduell" gegen Michael Phelps gewonnen und den scheinbar unschlagbaren Rekord-Olympiasieger über 200 Meter Freistil mit dem Fabel-Weltrekord von 1:42,00 Minuten entzaubert. Mit dem Sieg über Phelps und seinem zweiten WM-Titel in der Ewigen Stadt machte sich Biedermann unsterblich.
"Das ist das Größte. Ein Traum ist wahr geworden", jubelte Biedermann nach dem Triumph im Kräftemessen mit dem gestürzten Giganten und Franziska van Almsick meinte als ARD-Expertin: "Paul ist mit Sicherheit der neue Star. So klar hätte ich das nicht erwartet. Mir fehlen die Worte." Garniert wurde der deutsche Erfolg noch durch Silber von Helge Meeuw über 100 Meter Rücken.
Während sich Phelps nach dem abrupten Ende seiner fünfjährigen Siegesserie enttäuscht die Badekappe vom Kopf riss und mit leerem Blick aus dem Becken stieg, ging Biedermanns Blick hoch zur Tribüne, wo seine Familie und Freundin mitgefiebert hatten. "Das ist Wahnsinn. Wir lieben unseren Paul", sagte Oma Annemarie einen Tag nach ihrem 73. Geburtstag mit Tränen in den Augen.
1:42,00 Minuten leuchteten auf der Anzeigetafel. 96 Hundertstel schneller als der alte Weltrekord von Phelps bei Olympia in Peking. Mit etwa einer Länge distanzierte Biedermann seinen Widersacher, der erst 1,22 Sekunden später anschlug.
"Michael war beim Start und an den Wenden schneller. Ich wusste, dass ich ihn auf der Strecke schlagen musste", erklärte Biedermann, der sogar Mitgefühl mit Phelps hatte: "Er ist nach Peking mit Sicherheit noch nicht in Top-Form. Das ist noch nicht der alte Michael Phelps."
Biedermann erfüllte sich mit dem Coup einen Lebenstraum. Zwei Tage zuvor hatte der 22-Jährige aus Halle/Saale über die doppelte Distanz gewonnen und dabei den sieben Jahre alten Weltrekord des Australiers Ian "Torpedo" Thorpe unterboten.
Phelps zeigte im ungewohnten Moment der Niederlage Größe und erwies sich als fairer Verlierer. "Man muss anerkennen, dass Paul der Bessere war. Er hat ein starkes Jahr. Ich war hier nicht in der Lage, ihm Paroli zu bieten. Glückwunsch", sagte der entthronte Superstar aus den USA, der seit Olympia 2004 in Athen auf dieser Strecke ungeschlagen war.
Biedermann war schon im Vorlauf und Halbfinale schneller als Phelps gewesen. In Rom geht er am Freitag noch mit der 4x200-Meter-Freistilstaffel an den Start.
Helge Meeuw freute sich "riesig" über Silber. "Damit hätte ich nie gerechnet", sagte der Frankfurter, der sich in 52,54 Sekunden um 28 Hundertstel nur dem Japaner Junya Koga geschlagen geben musste. Es war eines der wenigen Finals in Rom ohne Rekorde. Weltrekordhalter und Titelverteidiger Aaron Peirsol aus den USA war sensationell im Halbfinale als Neunter gescheitert.
Stark war auch der Auftritt von Hendrik Feldwehr, der über 50 Meter Brust beim Weltrekord des Südafrikaners Cameron van der Burgh (26,74) mit Europarekord (26,83) als Zweiter ins Finale einzog. "Das war ein perfektes Rennen", meinte der Essener zufrieden.
Einen weiteren Weltrekord gab es durch die Britin Gemma Spofforth über 100 Meter Rücken. Spofforth blieb in 58,12 Sekunden 36 Hundertstel unter der Marke der Russin Anastassia Sujewa aus dem Halbfinale. Sujewa schwamm in Europarekord (58,18) auf Platz zwei. Einen weiteren Europarekord gab es durch die Italienerin Alessia Filippi bei ihrem Sieg über 1500 Meter Freistil (15:44,93).
Ernst wird es am Mittwoch für Daniela Samulski. Über 50 Meter Rücken hat die Essenerin als Weltrekordlerin den Titel im Visier. Über die doppelte Strecke war Samulski zwar als erste deutsche Frau unter einer Minute geblieben, hatte als Neunte aber das Finale knapp verpasst
Doppel-Olympiasiegerin Britta Steffen greift nach ihrem Weltrekord als Startschwimmerin mit der Silber-Staffel im Vorlauf am Donnerstag über 100 Meter Freistil auf der Einzelstrecke ins Geschehen ein.
Für Deutschlands Wasserballer ist unterdessen der Traum von der ersten WM-Medaille seit 27 Jahren im Viertelfinale geplatzt. Die Mannschaft von Bundestrainer Hagen Stamm unterlag dem Olympiazweiten USA 5:8 (2:1, 0:1, 1:5, 2:1) und muss nach Bronze 1982 in Guayaquil weiter auf Edelmetall bei einer WM warten. Die deutsche Auswahl spielt nun am Donnerstag in der Platzierungsrunde um die Ränge fünf bis acht.
Der WM-Tag im Überblick
Die Italienerin Federica Pellegrini hat das Weltrekordfestival mit der 15. Bestmarke fortgesetzt. Die Olympiasiegerin verbesserte im Halbfinale über 200 Meter Freistil ihren eigenen Rekord in 1:53,67 Minuten um acht Zehntel.
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Sarah Poewe hat trotz deutschen Rekordes in 1:07,01 Minuten über 100 Meter Brust im Finale nur Platz acht belegt. Die Wuppertalerin verbesserte ihre eigene Marke um neun Hunderstel. Den Titel sicherte sich die US-Amerikanerin Rebecca Soni (1:04,93).
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Die Italienerin Alessia Filippi hat über 1500 Meter Freistil einen Europarekord aufgestellt. Die Römerin sicherte sich den Titel in 15:44,93 Minuten und blieb dabei 7,44 Sekunden unter der Marke der Rumänin Camelia Potec, die hinter der Dänin Lotte Friis Bronze holte. Das Finale fand ohne deutsche Beteiligung statt.
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Hendrik Feldwehr ist über 50 Meter Brust in 26,83 Sekunden mit Europarekord als Zweiter ins Finale am Mittwoch eingezogen. Der Essener musste nur den Südafrikaner Cameron van der Burgh vor sich dulden, der in 26,74 Sekunden einen Weltrekord aufstellte. Johannes Neumann aus Riesa (27,43) schied als 15. im Halbfinale aus.
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Die Britin Gemma Spofforth hat einen Weltrekord über 100 Meter Rücken aufgestellt. Spofforth blieb in 58,12 Sekunden 36 Hundertstel unter der Marke der Russin Anastassia Sujewa aus dem Halbfinale. Suewa schwamm in 58,18 auf Platz zwei. Bronze sicherte sich die Australierin Emily Seebohm in 58,88. Daniela Samulski aus Essen war im Halbfinale ausgeschieden.
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