Doping: Werth für sechs Monate gesperrt
zuletzt aktualisiert: 02.09.2009 - 18:05Lausanne (RPO). Aufatmen bei Isabell Werth: Die fünfmalige Dressur-Olympiasiegerin Isabell Werth ist vom Reit-Weltverband FEI wegen Dopings bei ihrem Pferd Whisper lediglich für sechs Monate gesperrt worden und ist damit nach der milden Strafe für die kommenden Olympischen Spiele in London 2012 startberechtigt.
Werths zehn Jahre alter Wallach Whisper war beim Pfingstturnier in Wiesbaden Ende Mai positiv auf das Psychopharmakon Fluphenazin getestet worden.
"Ich bin jetzt erst einmal erleichtert, dass die Entscheidung da ist. Mit der Höhe des Strafmaßes war zu rechnen", sagte Werth dem Sport-Informationst-Dienst (SID). Werth dürfte zu Gute gekommen sein, dass sie die Einnahme des Beruhigungsmittels sofort bestätigt und auf eine Öffnung der B-Probe verzichtet hatte.
Auch die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) konnte mit dem Urteil gut leben: "Die Strafe befindet sich im Bereich ähnlich gearteter Fälle. Der Fall ist als Doping klassifiziert. Dies entspricht auch unserem Verständnis, so dass wir das Urteil akzeptieren", sagte FN-Generalsekretär Soenke Lauterbach.
Die Sperre ist erst dann rechtskräftig, wenn die Reiterin auf einen Einspruch innerhalb der nächsten 30 Tage beim Internationalen Sportgerichtshof CAS verzichtet. Werth muss zudem eine Strafe von rund 1000 Euro bezahlen sowie sich an den Gerichtskosten in Höhe von rund 1300 Euro beteiligen.
Der Beginn der Strafe wurde auf den 23. Juni 2009 zurückdatiert. An diesem Tag wurde Werth nach Bekanntwerden des Falles suspendiert. Die Strafe endet am 22. Dezember 2009. "Ich gehe auch davon aus, dass ich bei den nächsten Olympischen Spielen starten darf", sagte Werth. Nach dem Regelwerk des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) zieht erst eine Doping-Strafe über sechs Monaten automatisch eine Sperre für die kommenden Olympischen Spiele nach sich.
"Gut, dass wir die Entscheidung jetzt haben. Das Strafmaß ist gerecht, sie ist ja keine Doperin", sagte Bundestrainer Holger Schmezer. "Ich bin froh, dass ich bald wieder auf sie zurückgreifen kann. Sie soll jetzt in Ruhe die Zeit mit ihrem Baby genießen", sagte Schmezer über die schwangere Werth, die im November ihr erstes Kind erwartet.
"Wann ich wieder bei Turnieren an den Start gehen werde, kann ich noch nicht sagen. Es war durch die Schwangerschaft eh eine längere Pause vorgesehen", sagte Werth und fügt an: "Ich werde jetzt erst einmal in Ruhe die Urteilsbegründung lesen und alles sacken lassen."
Laut Werth war die Substanz Fluphenazin durch das Medikament Modecate in den Körper des Pferdes gelangt. Das Medikament habe ihr der Tierarzt Hans Stihl empfohlen, um die "Zitterkrankheit" ihres Nachwuchswallachs zu behandeln, hatte Werth erklärt. Allerdings hatte Stihl die Abbauzeit mit nur sechs Tagen angegeben. Laut jüngster Studien kann die Abbauzeit jedoch bis zu 90 Tagen andauern. Die Reiterin hatte daraufhin die Zusammenarbeit mit Stihl beendet.
Das Präsidium der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) hat derweil im Kampf gegen Doping neuerliche Anstrengungen unternommen und ein weiteres Maßnahmenpaket geschnürt. Neben Wettkampfkontrollen soll es in Zukunft auch Trainingskontrollen geben. Dafür will der Verband zusätzlich rund 170.000 Euro ausgeben. "Damit sind wir international Vorreiter", meinte FN-Präsident Breido Graf zu Rantzau am Mittwoch nach einer mehrstündigen Sitzung.
Zusätzlich wird die Zahl der Wettkampfkontrollen erhöht und das Kontrollsystem mit Hilfe von geschulten Kontrollteams verbessert. Zudem soll nicht mehr allein der Reiter für einen Doping-Fall verantwortlich gemacht werden, auch die Tierärzte werden zur Rechenschaft gezogen. Darüber hinaus soll der Strafrahmen bei einem Dopingverstoß erhöht werden. Sieht das Regelwerk bei Doping derzeit eine Regelsperre von sechs Monaten vor, soll diese zukünftig grundsätzlich zwei Jahre betragen. Auch Pferde werden in Zukunft ins Strafmaß einbezogen und im Falle eines Dopingvergehens automatisch für zwei Monate gesperrt.
Der Internationale Reit-Verband FEI hatte am Nachmittag ebenfalls bekannt gegeben, dass eine Reiter-Kommission härtere Regeln im Anti-Doping-Kampf vorgeschlagen hatte. Dazu gehörten ebenfalls Trainingskontrollen sowie die Einführung eines Stallbuches mit Übersichten sämtlicher Medikationen für Pferde.
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