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Klarer Dreisatz-Erfolg: Wimbledon: Federer haut Philippoussis weg

zuletzt aktualisiert: 06.07.2003 - 17:10

London (rpo). Roger Federer hat sein erstes Grand-Slam-Turnier gewonnen. Der Schweizer ließ im Wimbledon-Finale dem Popp-Bezwinger Mark Philippoussis keine Chance.

Der 21-Jährige schrieb als erster Schweizer Sieger in Wimbledon Sportgeschichte und eroberte die Spitze der Tenniswelt. Bei seinem 7:6 (7:5), 6:2, 7:6 (7:3)-Erfolg nach nur 1:56 Stunden über den Australier Mark Philippoussis zeigte er vor 13.800 Zuschauern auf dem berühmtesten Centre Court der Welt eine annähernd perfekte Demonstration seines außergewöhnlichen Talents.

"Ich bin unglaublich glücklich und erleichtert, dass ich es jetzt geschafft habe, auch bei einem Grand-Slam-Turnier zu gewinnen. Das war das einzige, was an meiner Karriere noch gefehlt hat. Ich weiß gar nicht, wie ich das gemacht habe", sagte Federer, der sich nach dem verwandelten Matchball auf seinen Stuhl gesetzt, das Gesicht in den Händen verborgen und einige Tränen verdrückt hatte.

Seit er vor zwei Jahren den Titelverteidiger und siebenmaligen Wimbledon-Champion Sampras auf dem Centre Court entzauberte, haben alle Experten und Tennisfans den Durchbruch des jungen Schweizers erwartet. Doch bei all seinem Talent fehlten oft die Resultate bei großen Turnieren.

Rothenbaum der bis dato größte Erfolg

Im letzten Jahr gewann er in Hamburg gegen Marat Safin sein erstes Super-Neun-Turnier, bei einem Grand-Slam aber war er nie über das Viertelfinale hinausgekommen. "Wenn Roger Spaß hat, ist er der beste Spieler der Welt", sagte sein Trainer Peter Lundgren, der neben Freundin Miroslava Vavrinec, Mutter Lynette und den Pateneltern in der Spielerbox saß.

Vater Robert aber sah sich daheim im Kanton Basel am Fernsehen an, wie sein Sohn den Siegerpokal aus der Hand des Herzogs von Kent entgegennahm: "Ich kann das Haus nicht allein lassen."

Boris Becker hatte als BBC-Kommentator Federer breits nach seinem Halbfinalerfolg über Andy Rodick in den höchsten Tönen gelobt. "Mit ihm beginnt eine neue Ära, er wird lange Zeit an der Spitze bleiben." Platz eins im Champions Race der ATP hat Federer bereits mit seinem Triumph übernommen. Im Entry System, der Wertung über 52 Wochen, klettert er von Rang 5 auf Platz 3.

Neben den sportlichen Meriten kann er sich über einen Siegesscheck über etwa 836.600 Euro freuen. Mark Philippoussis, der sein zweites Grand-Slam-Endspiel nach den US-Open 1998 verlor, muss sich mit umgerechnet 418.300 Euro trösten und klettert im ATP-Entryranking auf Rang 20.

Schweizer Sportminister live dabei

"Ich bin glücklich, dass ich nun die Schweizer Flagge auch ins Herrentennis tragen konnte", sagte Federer in Anspielung auf die sechsmalige Grand-Slam-Siegerin Martina Hingis, "ich habe deshalb von dieser Seite keinerlei Druck verspürt." Der Schweizer Sportminister Samuel Schmid war extra zum Finale angereist.

Federer hat in diesem Jahr kein Match auf Rasen verloren, er gewann auch die Wimbledon-Generalprobe in Halle im Endspiel gegen Nicolas Kiefer. Er war 1998 bereits als Junior in Wimbledon erfolgreich. Er ist neben Björn Borg, Pat Cash und Stefan Edberg der einzige Spieler, der anschließend auch den Herrentitel an der Church Road gewann.

Federer ließ eigentlich vom ersten Spiel an nie einen Zweifel daran, dass er der neue Wimbledon-Champion sein wird. Er schlug mit großer Präzision auf und erlaubte während des gesamten Matches seinem Gegner nicht einen Breakpunkt. Dagegen "las" er den gefürchteten Aufschlag des 26 Jahre alten Australiers fast ohne Mühe.

Schon bis zum Tiebreak des ersten Satzes hatte er immer kleine Chancen auf mögliche Breakbälle, die Philippoussis aber abwehren konnte. Der Schweizer zeigte aber sein ganzes technisches Können, punktete mit unglaublichen Halbvolleys und war auch präziser von der Grundlinie.

Der Schlagabtausch zum 3:2 für Federer war der beste im ersten Satz. Von links nach rechts trieben sich die Kontrahenten, bis Federer mit einem Vorhand-Winner punktete und sich selbst mit der "Säge" anfeuerte. Philippoussis gab den Tiebreak anschließend mit zwei unforced Errors und einem Doppelfehler ab und war anschließend so genervt, dass er im zweiten Satz gleich zweimal zu Begin gebreakt wurde, als Federer wie von einem anderen Stern spielte.

Im dritten Durchgang hielt der "Aussi" dann wieder besser mit, Federer hatte bei 5:5 allerdings zwei Breakbälle. Den zweiten schlug er um Zentimeter mit der Vorhand ins Aus, es war wie ein vergebener Matchball. Philippoussis rettete sich in den zweiten Tiebreak, in dem Federer allerdings erneut die Oberhand behielt.

War der klar bessere Spieler: Roger Federer.  Foto: RPO
War der klar bessere Spieler: Roger Federer. Foto: RPO

 
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