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Hochklassiges Finale der 118. All England Championships: Wimbledon: Federer verteidigt den Titel

zuletzt aktualisiert: 04.07.2004 - 19:01

London (rpo). Roger Federer hat das Herren-Finale von Wimbledon gewonnen. Doch verlangte Endspielgegner Andy Roddick dem Schweizer alles ab.

Der 22-Jährige setzte sich im Finale vor 13.800 Zuschauern auf dem legendären Centre Court mit 4:6, 7:5, 7:6 (7:3), 6:4 gegen den ein Jahr jüngeren US-Amerikaner durch und feierte damit nach dem Sieg bei den Australian Open seinen dritten Erfolg bei einem Grand-Slam-Turnier.

Mit seinem zwölften Ass beendete Federer nach 2:30 Stunden das Match und sank wie vor einem Jahr an der Grundlinie auf die Knie, anschließend weinte er hemmungslos vor Erleichterung. "Es ist immer noch ein unglaubliches Gefühl, wieder hier als Sieger zu stehen", sagte Federer bei der Übergabe der wertvollen "Challenge Trophy", "ich kann kaum fassen, dass ich es wieder geschafft habe." Freundin Mirka Vavrinec und Mutter Lynette jubelten ausgelassen in seiner Loge, Vater Robert blieb wie im Vorjahr daheim: "Das ist alles zu viel für ihn", sagte Federer.

Würdiger Nachfolger von Pistol-Pete

Ihm ist als erstem Spieler seit Pete Sampras 2000 eine erfolgreiche Titelverteidigung gelungen, der Weltranglisten-Erste bestätigte auf eindrucksvolle Art und Weise seine Position als bester Spieler der Welt. "Roger war ein zu guter Spieler diesmal, er ist ein großer Champion", sagte der enttäuschte Roddick, "ich hoffe aber, dass ich auf diesem Platz nochmal Revanche nehmen kann. " Der Sieger räumte ein: "Ich hatte auch etwas Glück, schließlich lag ich zwischendurch zurück."

Der Mann aus dem Landkreis Basel bleibt auf Rasen scheinbar unschlagbar und ist dabei, in Wimbledon eine neue Ära zu begründen wie zuletzt Sampras mit sechs Erfolgen in den 90er Jahren. Im Endspiel feierte Federer seinen 24. Sieg auf Rasen in Folge und überbot damit die Bestmarke von Sampras. "Ich mache mir keine Gedanken über solche Statistiken, ich schaue nur von Spiel zu Spiel", sagte der Champion, "damit bin ich bisher sehr gut gefahren. "

Roddick mit einem Superstart

Zum ersten Mal seit 1982 standen sich in einem Wimbledon-Finale wieder die beiden topgesetzten Spieler gegenüber. Damals bezwang der 29 Jahre alte Jimmy Connors den sieben Jahre jüngeren John McEnroe in fünf Sätzen. "Nummer eins gegen Nummer zwei, das ist doch, worauf sich die Leute freuen. Das ist gut fürs Tennis", meinte Federer. Während sich die Amerikaner Connors und McEnroe seinerzeit in herzlicher Abneigung zugetan waren, kommen die Finalisten von 2004 gut miteinander klar. "Er ist nicht mein bester Freund, aber ich habe ein herzliches Verhältnis zu ihm", sagte Roddick.

Der 21-Jährige hatte in seinem ersten Wimbledon-Finale den besseren Start, war "aufgepumpt" und auf die Minute fit. "Als ich ein Kind war, habe ich mit meinen Eltern immer das Wimbledon-Endspiel zum Frühstück geschaut", sagte er, "es war für mich wie ein anderer Planet, ich bin heiß darauf." Mit enormer Power ließ Roddick seinen Gegner nur selten zur Entfaltung kommen.

Von Federers Raffinesse war nur wenig zu sehen, Coach Brad Gilbert hatte seinen Schützling glänzend eingestellt. "Roger hat mehr Ballgefühl, spielt wie ein Künstler", sagte Roddick, "ich kann dagegen wie ein Wahnsinniger auf den Ball hauen."

Ungewohnt unsicher

Drei Asse feuerte er gleich in seinem ersten Aufschlagspiel in das gegnerische Feld und schaffte anschließend sofort ein Break zum 2:1. Es war erst Federers zweiter Aufschlagverlust im gesamten Turnier. Der Eidgenosse wirkte verhalten, fand nicht in sein Spiel, auch die 25-minütige Regenpause beim Stand von 3:2 half ihm nicht, Roddick brachte den Satz sicher zu Ende. Doch als er zu Beginn des zweiten Satzes einen Breakball nicht nutzen konnte, änderte sich das Bild. Federer ging 4:0 in Führung.

Und dennoch "wackelte" der Titelverteidiger plötzlich wieder und gab in Folge zweimal seinen Aufschlag ab. Ihm unterliefen ungewöhnlich viele unerzwungene Fehler. Dennoch gewann er den Satz noch, als er mit seinem bis dahin besten Schlag des Matches, einem Vorhandpassierball die Linie entlang, das Break zum 7:5 schaffte. Im dritten Satz rettete Federer bei 2:4 eine erneute Regenpause. Nach 41 Minuten konnte es weiter gehen, Federer schaffte das Rebreak zum 4:4 und hatte im Tiebreak die besseren Nerven. Als Roddick schließlich bei 2:1 und 3:2 insgesamt sechs Breakchancen vergab, war die Partie praktisch entschieden. Federer nahm seinem Gegner anschließend das Aufschlagspiel zur 4:3-Führung ab und ließ sich nicht mehr von der Siegesstraße abbringen.


STATISTIK:

Herreneinzel: Roger Federer (Schweiz/Nr. 1/TV) - Andy Roddick (USA/Nr. 2) 4:6, 7:5, 7:6 (7:3), 6:4

Dameneinzel: Maria Scharapowa (Russland/Nr. 13) - Serena Williams (USA/Nr. 1/TV) 6:1, 6:4

Herrendoppel: Jonas Björkman/Todd Woodbridge (Schweden/Australien/Nr. 1) - Julian Knowle/Nenad Zimonjic (Österreich/Serbien und Montenegro/Nr. 16) 6:1, 6:4, 4:6, 6:4

Damendoppel: Cara Black/Rennae Stubbs (Simbabwe/Australien/Nr. 8) - Liezel Huber/Ai Sugiyama (Südafrika/Japan/Nr. 5) 6:3, 7:6 (7:5)

Junioreneinzel: Gael Monfils (Frankreich/Nr. 1) - Miles Kasiri (Großbritannien) 7:5, 7:6 (8:6)

Juniorinneneinzel: Katarina Bondarenko (Ukraine /Nr. 6) - Ana Ivanovic (Serbien und Montenegro/Nr. 3) 6:4, 6:7 (2:7), 6:2


 
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